Ein FSJ in Ghana Folge 17: Christentum

Ein FSJ in Ghana Folge 17: Christentum

Während der Yam vor Ort frittiert wurde, spielten wir Karten und bedienten uns schon einmal am Reis.

Die große Mehrheit in Ghana glaubt christlich (71,3 %), knapp ein Fünftel ist muslimisch und weitere 3,2 % leben den traditionellen Glauben. Das ergab der Zensus für 2021. Betonen möchte ich dabei aber vor allem, dass der Anteil an Atheist*innen verschwindend gering ist – beziehungsweise, dass Religion viel offen(sichtlich)er als in Deutschland gelebt wird.

Christliche Feiertage

Erst einmal zu den Gemeinsamkeiten zwischen Ghana und Deutschland: Auch hier sind Weihnachten und Ostern nationale Feiertage, die überwiegend mit viel Essen und viel Familie verbracht werden. Über Weihnachten und Silvester habe ich ja schon einmal in früheren Beiträgen berichtet, zu Ostern möchte ich gerne noch einen kleinen Nachtrag schreiben.

Am Ostermontag finden hier in Tamale immer öffentliche Picknicks statt, die von mehreren Kirchen organisiert und von Menschen aller Glaubensrichtungen besucht werden. Auch meine Gastfamilie und ich gingen daher zusammen in den Park, im Gepäck Unmengen an Essen. Neben Essen, Tanz- und Theateraufführungen war die Hauptattraktion, herumzulaufen und dabei Bekannten zu treffen. Dabei genossen alle die sorglose und offene Atmosphäre, die aufgrund der Familien auf Picknick-Decken einerseits an Freibad, und andererseits an ein Festival mit Essensständen und Werbeartikeln erinnerte.

Anlässlich christlicher Feiertage gibt es natürlich auch besonders feierliche Gottesdienste. Am Karfreitag war der Dresscode schwarz, am Ostersonntag hingegen trugen alle weiß – alle bis auf meine Gastgeschwister, die haben es exakt anders herum gemacht.

Religion im Alltag

Schickmachen und Posen gehört für viele fest zum Kirchenprogramm – ich übe noch.

Auch unabhängig der Feiertage versuche ich, meiner Gastfamilie mehr oder weniger regelmäßig zur Kirche folgen. Da es sich um einen katholischen Gottesdienst handelt, ist die Liturgie vergleichbar zu Deutschland.

Ungleich zu Deutschland gibt es in Ghana jedoch neben dem Katholizismus eine Vielzahl anderer christlicher Kirchen, darunter zum Beispiel die methodistische, anglikanische, presbyterianische, baptistische und so weiter. Meine Kollegin und Freundin Nancy ist eine sehr engagierte Charismatikerin, für die verglichen mit mir Religion im Alltag eine bedeutend größere Rolle spielt. Aus unseren regelmäßgen Gesprächen erhalte ich den Eindruck, dass sie sich über ihren Glauben identifiziert. Die Bibel bietet ihr Grundlage und Referenz, die persönlichen Beziehung mit Gott eine tägliche Aufgabe.

Über sich selbst erzählt sie:

„I was a stount Catholic, I attended Catholic Church since I was about ten years. […] I loved the Catholic Church, it is my foundation.” Sie habe jeden Gottestdienst besucht, zudem im Chor gesungen und neben der Schule immer Zeit zum Beten gefunden. Mit 28 Jahren habe sie die Katholische Kirche jedoch verlassen: “And so, right from the Catholic Church, I moved to a Charismatic Church. I’m not judging the Catholic Church. But one of the things that made me leave the Catholic Church was that […] I was getting to a point, where I wanted to understand what I’m doing more, and better, I wanted to know who I am, when I call myself a Christian. I searched through the Catholic Church and I wasn’t getting a place or a group that I could align myself to and be able to study the Bible with very well.”

Nancy beim Beten

Stattdessen schloss sie sich der Charismatischen Kirche an, was sie in ihrem Glauben und Verständnis vom Christentum weiterbrachte: „The only place in the Catholic Church, was the Catholic Charismatic group. It helps you to learn a lot of things just like I’m doing now. So then, you have a blend of being a traditional Catholic, and also being like I am right now a Charismatic person.”

In dem Versuch, eine persönliche Beziehung mit Gott aufzubauen, betet Nancy täglich, fastet regelmäßig und geht mindestens drei Mal wöchentlich zur Kirche. Kirche sei notwendig, um die eigene christliche Identität zu finden: „There are so many things embedded in the Bible that in church we are being taught, you understand. So it’s a whole school on its own, a school that teaches how to do things the Christian way.”

Zukünftig möchte sich Nancy noch mehr auf ein ausführliches Studium der Bible konzentrieren – „if I want to become a pastor, I will be pastor. And I know that it’s getting there, I just need to dedicate myself more.” Das sagt sie auch vor dem Hintergrund, dass die meisten Kirchen weiterhin männlich dominiert sind: „[In some Churches] all their leadership right from the top to down are male. Again, women are the ones that play key roles, they are like foundations that are actually holding all these churches. You go to the Catholic Church where women are so instrumental in keeping the church the way it is, but then they are not at leadership, which is what I don’t understand. […] It’s a no-no for me.”

Bibelstudium

Im Alltag, sowie auf gesellschaftliche Fragen findet Nancy ihre Antworten immer in der Bibel: „[E]ven recently the Holy Spirit just directed me to read the Bible and it talks about child marriage, very interesting. Exodus 22:16-17. [And the word of God] fits perfectly into our laws whereby if you marry, or you want to forcefully marry a girl or you impregnate a girl it will come with certain consequences, it is in the Bible.”

Samuel und ich besuchen Nancy im Abendgottesdienst

Auch gebe die Bibel Anleitungen zu Genderrollen zuhause: „[I]n every Christian home I understand and accept that the man is the leader, because the word of God instructs us that Christ is the head of the church. Jesus Christ came and then he established the church, so he is the head of the church and the husband is the head of the family. […] It however does not mean that the man being the leader should oppress the woman or subdue the woman in a way that would make the woman unhappy or hurt. Because the word goes ahead to also give the man responsibility: actually, in the Bible it says that the man is supposed to love the wife. […] If you love somebody you are not supposed to hurt the person, you are supposed to give the person a fair share of your property. […] Being a leader does not mean that I have to take all the decisions in the home, no, that’s a very bad leadership.”

Auch die Rolle der Frau sei ihrer Meinung nach zwar klar definiert, jedoch häufig fälschlich ausgelegt: Mit ihrer Verantwortlichkeit, sich um das Haus zu kümmern, wäre ihre Rolle von gleicher Wichtigkeit wie die des Mannes. „[Furthermore, the Bible] gives women a responsibility to go out there and come back with the resources that are needed to run the home. […] So under normal circumstances […] we would be out there doing the work Proverbs 31:10-31.” Unlike some societies were women’s potentials and contribution to the household and the development of the society are relegated to the background or supressed.

Meine Partner:    weltwärts      bezev e.V.     Norsaac

 

 

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