Ein FSJ in Ghana Folge 19: Reise durch den Osten

Ein FSJ in Ghana Folge 19: Reise durch den Osten

Der Strand in Accra.

Bei meiner Abreise meinte Sarah noch: „Ich komme dich besuchen, ich habe da wirklich Lust drauf!“ Gute acht Monate später warten wir gemeinsam auf ihren Bus zurück zum Flughafen, während ich an meinem Bericht über die letzten drei reise-gefüllten Wochen arbeite.

 

 

Unsere Tour

01.06. – 02.06.: Nachtfahrt von Tamale nach Accra
02.06. – 06.06.: Aufenthalt in Accra, beziehungsweise dem Vorort Akramaman
06.06. – 08.06.: Koforidua und Umgebung
08.06. – 09.06.: Volta-Brücke und -Damm bei Atimpoku
09.06. – 13.06.: Besuch bei und Ausflüge mit meinem Mitfreiwilligen David in Vakpo
13.06. – 14.06.: Fahrt nach Hohoe und Tour zu den Wli Falls
14.06. – 16.06.: Rückfahrt nach Tamale über Nkwanta und Yendi
16.06. – 21.06.: Aufenthalt in Tamale

Von Beginn an…

Sarah und ich machen uns startklar.

… lief nicht alles nach Plan. Das fing schon damit an, dass Sarahs Visum eine knappe Woche vor Abreise eintraf. Ihre Abreise widerum verschob sich kurzfristig um einen Tag nach hinten, da ihr eigentlicher Flug gecancellt wurde. Und für unsere Reise hatten wir auch eher eine grobe Route als einen wirklichen Plan.

Umso unwirklicher und schöner erschien es uns dann auch, plötzlich nach dem Motto „du, ich, hier“ voreinander zu stehen.

Stadt

Accra ist Zuhause für zweieinhalb Millionen Menschen, politisches und wirtschaftliches Zentrum Ghanas und Möglichkeit für (inter-) nationalen Austausch sowie kulturelle Vielfalt. Ich konnte in diese Aspekte bisher leider eher wenig eintauchen, für mich wirkt die Metropole hauptsächlich groß, schnell und oberflächlich.

Ein bisschen abgeschreckt davon wohnten Sarah und ich eine gute Stunde vom Zentrum entfernt bei Bekannten. Da wir auch nicht wirklich Glück mit dem Wetter hatten, besuchten wir die Innenstadt tatsächlich auch nur ein einziges Mal richtig – den Strand wollten wir uns allerdings nicht entgehen lassen, genauso wenig wie Accra bei Nacht.

Nach ein paar Tagen akklimatisieren und ankommen brachen wir dann in den zweiten, wesentlich naturlastigeren Teil unserer Reise auf: auf nach Koforidua! In der regionalen Hauptstadt der Eastern Region liefen wir zwar auch eher planlos und snack-essend durch die Straßen, standen aber plötzlich auf einem Hügel inmitten Schmetterlingen, Palmen und Stille mit Blick über die grüne Stadt.

Land

Angespornt von diesem unerwarteten Ausblick besuchten wir gleich am folgenden Tag die Boti und Akaa Falls beziehungsweise den Umbrella Rock. Da wir unter der Woche unterwegs waren, konnten wir beinahe alleine die ruhige Atmosphäre genießen, welche lediglich vom lauten Wasserplätschern und Vogelgesang durchbrochen wurde.

Die Brücke bei Atimpoku über den dunklen Volta.

Enige Stunden weiter nord-östlich blickten wir dann das erste Mal auf den Volta, den größten Stausee der Welt. Nachts lag er wie ein schwarzes Loch unter uns, während wir auf der beleuchteten (und einzigen) Brücke über den Volta standen. Am nächsten Tag erstaunte mich der Anblick vom palmengesäumten Ufer in der ansonsten tirol-ähnlichen Landschaft.

Je weiter wir unseren Weg zwischen Volta und der Grenze zu Togo in Richtung Norden fortsetzten, desto mehr wuchsen die anfänglichen Hügel zu Bergen heran, desto satter färbte sich das Grün und desto zersiedelter präsentierten sich Dörfer und Städte. Während unseres Zwischenstopps bei David stiegen wir auf einen kleinen Berg in der Nähe – oben angekommen, packten wir den Schokokuchen aus, während ich versuchte, mir das Panorama und Atmosphäre so gut wie möglich einzuprägen.

Unsere Tour begann mit dem Aufstieg zu diesem Ausblick.

Sowohl die Landschaft, als auch wir schienen uns auf das Highlight der Volta Region vorzubereiten: die Wli Waterfalls, mit 80 Metern die höchsten Wasserfälle Westafrikas. In einer über fünfstündigen Tour erklommen wir zunächst die Gipfel, von denen wir eine atemberaubende Sicht hatten: Grüne, weiche Hügel walzten sich über die Ebene, darunter auch der höchste Berg Ghanas Afadjato. Wir folgten der Gipfelkante weiter nach Togo und schließlich zu den Upper Falls, welche die kantige Felswand entlangstürzten. Um diese Stelle herum war alles wesentlich bewachsener, feuchter und dunkler – nur manchmal konnten wir durch einen Rahmen aus Farnen, Lianen und Baumwipfeln die Felshänge erblicken. Der Weg zu den Lower Falls erforderte meine gesamte Konzentration, sodass ich zwischenzeitlich meine Umgebung ganz vergaß. Bei den Lower Falls angekommen durften wir im gewitterschweren Dämmerlicht miterleben, wie die Fledermäuse atmosphärvoll ausschwärmten.

Stadt

Zurück in Tamale versuchte ich, Sarah so gut wie möglich in mein Leben mitzunehmen: Sie wohnte bei mir zuhause, lernte meine engsten Freund*innen kennen, wir besuchten die Hochzeit meiner Kollegin und die Kirche. Auch zu meinem ersten Arbeitstag begleitete sie mich.

Fazit

Gefühlt verbrachten Sarah und ich den Hauptteil unserer Reise unterwegs, immer nordwärts entlang des Voltas. Durch unser etappenweises Weiterkommen konnten wir gut die schleichenden Veränderungen mitverfolgen, die Stadtbilder, Landschaft sowie Atmosphäre ergriffen.

Die Kulisse rund um die Wli Falls erschien mir zeitweise so unwirklich, dass ich mich eher wie eine außenstehende Betrachterin Caspar David Friedrichs Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“ fühlte.

Während wir bewusst langsam reisten, wurden mir erneut die Unterschiedlichkeit Ghanas bewusst – und wie viel ich erleben, sehen und lernen kann. Selbst zurück im flachen und trockenen Tamale habe ich noch das Bild der stillen Hügel vor mir und allein daran, dass Essen in diesem Blogeintrag so gut wie keine Rolle spielt, wird sichtbar, wir mich die Natur überwältigt hat.

Ich habe mich unglaublich gefreut, gemeinsam mit Sarah mein Gastland ein Stückchen weiter zu verstehen und ihr meinen Alltag hier zu zeigen. Ihr Besuch hat mir auch bewusst gemacht, wie viel ich bereits gelernt habe und darüber hinaus manchmal vergesse, wie unterschiedlich meine Leben in Ghana und Deutschland doch sind. Der Austausch mit ihrem „frischen Blick“ war jedenfalls sehr hilfreich und ich bin sicher, sie wird anders herum das Gleiche behaupten.

Meine Partner:    weltwärts      bezev e.V.     Norsaac

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