Ein FSJ in Ghana Folge 21: Power to You(th)…

Ein FSJ in Ghana Folge 21: Power to You(th)…

Meine Chefin Nancy und ich beim Posen.

… oder abgekürzt PtY hat uns bei Norsaac in den vergangenen Monaten ordentlich beschäftigt gehalten. Für alle, die nicht extra zur Folge 7 „Die Einsatzstelle NORSAAC“ zurückspulen möchten: In meiner Einsatzstelle arbeite ich hauptsächlich in diesem Programm mit.

PtY ist ziemlich umfangreich und lässt sich wohl so am besten zusammenfassen: Gesellschaftliche Probleme rund um ungeplante Schwangerschaften, sexuelle und geschlechts-basierte Gewalt und schädliche Praktiken betreffen hauptsächlich junge (weibliche) Menschen. Diese werden so in ihrer persönlichen Entwicklung behindert und gleicher Chancen beraubt. Gleichzeitig können sie als Betroffene am effektivsten für ihre Rechte eintreten und positiven sozialen Wandel initiieren; das Programm PtY zielt daher darauf ab, junge Menschen sinnvoll und ganzheitlich in Entscheidungen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu integrieren.

Seit Februar habe ich zwei neue, tolle Chefinnen, im Juni ist unser Team um zwei Praktikant*innen gewachsen. Gemeinsam planen, begleiten und berichten wir über alle Aktionen. Inzwischen haben sich so auch viele neue Phrasen und Abkürzungen in mein Vokabular geschlichen… Höchste Zeit, euch ein paar Updates über unsere Arbeit zu geben!

Partners meeting

Alles startet mit guter Planung und Koordination – deshalb trafen wir uns im Frühjahr mit unseren drei Partnerorganisationen unter PtY. Wir besprachen, was bisher geschah (oder eben auch nicht) und was wir daraus lernen können.

Hier unterschreibt der Direktor von Norsaac die Preise.

Danach einigten wir uns auf einheitliche Konzepte, darunter unter anderem die MGH. Bei den sogenannten „Model Gendered Households“ handelt es sich um Familien, die sich selbst überlegen, wie sie Aufgaben im Haushalt gerecht(er) verteilen und alle Familienmitglieder generationenübergreifend in Entscheidungen einbinden können. Einige Fragen blieben nach dem Treffen natürlich offen und ich kann mir gut vorstellen, dass auch meine Erklärungen an dieser Stellle mehr als kurz ausfallen. Am Ende gingen wir alle trotzdem mit einem besseren Verständnis und einer klaren Agenda für das erste halbe Jahr aus dem Treffen.

YISG

Hierbei handelt es sich um die sogenannten „Youth Initiative Small Grants“, also Budgets für kleine Projekte innerhalb des grossen PtY-Programms.

Über 60 Netzwerke und Organisationen bewarben sich mit eigenen Initiativen, und nach einem Prozess aus Feedbackrunden und gemeinsamen Gesprächen erhielten schließlich zehn Bewerbungen den Preis. Darunter sind beispielsweise eine Kunstausstellung von Schüler*innen zu Gewalt und ein Workshop zu Herstellen wiederverwendbarer Binden.

LLVs training

In ihrem Call to Action forderten die Aktivisti unter anderem mehr Mitsprache bei Entscheidungen und bessere Bildung im Bereich reproduktiver Gesundheit.

Diese hoffentlich letzte kryptische Abkürzung steht für „Legal Literacy Volunteers“, was wiederum ein Term für juristische Erste Hilfe ist. In einem dreitägigen Workshop besprachen knapp 20 Freiwillige aus verschiedenen Communities mit einem Menschenrechtsanwalt nationale sowie Gewohnheitsrechte – und welche Mechanismen bei Zwangsheirat, Sex mit Minderjährigen und anderen Verletzungen dieser Rechte greifen.

Ausgestattet mit diesem Wissen werden die LLVs in ihren Communities zur Anlaufstelle in Rechtsfragen, können bei Bedarf direkt Kontakt zur Polizei aufnehmen und dienen Norsaac als Kontaktpunkt zu den Communities. Außerdem entwarfen die Teilnehmenden während des Workshops eigene Aktionspläne, die sie in den kommenden Monaten in Form von Sensibilisierungs- und Aufklärungsprogrammen realisieren.

Regional stakeholders meeting

Als nächstes luden wir die traditionellen Autoritäten aus den Communities, Repräsentant*innen von verschiedenen staatlichen Institutionen wie zum Beispiel der Polizei oder dem Ghana Health Service sowie Journalist*innen zur gemeinsamen Reflexion über Jugendpartizipation ein. Dabei durften ein paar junge Menschen natürlich nicht fehlen, und so präsentierten am Ende der Veranstaltung junge Aktivisti einen Call to Action.

Menstrual Hygiene Day

Am Internationalen Menstruationstag trugen wir unsere Forderungen laut und bunt auf die Straße.

Eins meiner persönlichen Highlights war unsere Aktion zum Internationalen Menstruationstag: Gemeinsam mit über 200 jungen Aktivisti von verschiedenen Frauen- und Jugendnetzwerken reichten wir am 28. Mai eine Petition beim Northern Regional Coordinating Council (welches wohl am besten mit einem deutschen Landtag vergleichbar ist) ein. Mit dieser Petition forderten wir die Abschaffung jeglicher Steuern auf Periodenprodukte sowie bessere Bildung rund um reproduktive Gesundheit. Zuerst schufen wir jedoch erst einmal ordentlich Aufmerksamkeit für unsere Anliegen, indem wir mit Brass Band, Plakaten und Gesang durch die Innenstadt zogen. Das war zwar ganz anders als deutsche Demozüge, erinnerte mich dennoch an meine Zeit bei Fridays for
Future.

Monitoring visit

Ebenfalls im Frühjahr fuhren wir für zwei Tage in die Upper East Region und besuchten verschiedene Communities und lokale Verwaltungen. Bei diesem Besuch ging es hauptsächlich darum, das Projekt und uns als neues Team vorzustellen. Gleichzeitig bereiteten wir dabei aber auch schon kommende Aktivitäten (wie LLVs training oder regional stakeholders meeting) vor.

Diese vierteljährlichen Besuche sind Teil einer sehr gründlichen Evaluation – zu jeder Aktion schreiben wir im Nachhinein einen Bericht, Erfolgsgeschichten sammeln wir noch einmal extra.

Die Berichte, gemeinsam mit Fotos und Anwesenheitslisten dienen unter anderem auch als Beweis, dass wir die Aktionen wirklich durchgeführt haben. Das ist die Grundlage dafür, weiterhin mit internationalen Organisationen wie Unicef oder Oxfam zu kollaborieren.

Meine Partner:    weltwärts      bezev e.V.     Norsaac

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