Ein FSJ in Ghana Folge 22: Islam

Ein FSJ in Ghana Folge 22: Islam

Muslimische Bekleidung in der Stadt

Wenn ich durch Tamale laufe, begegne ich Männern in Djellaba und passiere Läden, in denen Hijabs verkauft werden. Fünf Mal täglich höre ich den Muezzin, der aus einer der zahlreichen Moscheen zum Gebet ruft.

In meinem Freiwilligendienst beschäftigt mich das Thema Religion mehr als in Deutschland, weil in Ghana mehr Menschen ihren Glauben offen ausleben. Tamale ist mehrheitlich muslimisch, und durch meinen Alltag, durch Feiertage und insbesondere durch Gespräche begreife ich wesentliche Inhalte des Islams besser.

Eid …

… al-Fitr, das Zuckerfest, ist der Beginn des neuen Jahres und wird im Anschluss an Ramadan gefeiert. Der Fastenmonat liegt zwischen zwei Neumonden und begann dieses Jahr am 02. beziehungsweise 03. April. Die 30 Tage sind in drei zehntägige Phasen (Ashra) aufgeteilt, in denen Gläubige entweder für Barmherzigkeit, Vergebung oder Rettung vor der Hölle beten. Ablenkungen sollen während dieser Zeit möglichst vermieden werden – daher leben Gläubige während des Fastenmonats enthaltsam, verzichten auf Medikamente und fasten zwischen dem ersten und dem letzten Gebet (solange es die Gesundheit zulässt).

Nach dem Volleyball brachen wir gemeinsam das Fasten und meine Mitspieler beteten zusammen im abendlichen Dämmerlicht.

Ich persönlich würde den Ramadan insgesamt als eine Zeit des Gebens und der Besinnung auf Allah und die eigene Beziehung mit Allah beschreiben. Darin kann ich natürlich kaum Einblick erhalten. Um meine Mitmenschen und ihre Bedürfnisse trotzdem besser nachvollziehen zu können, fastete ich nach bestem Wissen und Gewissen ebenfalls für eine Woche. Da ich nachts etwa fünf Liter Wasser trank, war mein Durst erstaunlich gut aushaltbar – meine Aufmerksamkeit dafür tagsüber jedoch auch geringer. Nach dem gemeinsamen Fastenbrechen (am besten mit Datteln und dem lokalen Getränk Mashed Kenkey) fühlte ich mich dafür immer umso besser.

Das Zuckerfest am 02. beziehungsweise 03. Mai markiert das Ende des Ramadan und gleichzeitig den Beginn des neuen Jahres. Zu diesem Anlass konnte waren in der Stadt zahlreiche Menschen in Festtagskleidung, die Familie und Freund*innen besuchten.

… al-Adha ist das Opferfest und fiel dieses Jahr auf den 09. beziehungsweise 10. Juli. Schon einige Tage zuvor habe ich in Tamale an allen Ecken angebundene Schafe, Ziegen und Kühe gesehen, die dann am höchsten islamischen Feiertag geschlachtet wurden. An beiden Festen war ich bei Freund*innen eingeladen und durfte auch als Vegetarierin kräftig mitessen.

Mein Kollege und Mentor Hamza

„The religion Islam, in fact, that is my life” – so beschreibt Hamza seine Beziehung zum Glauben. Die Grundlage dafür hätte seine muslimische Erziehung zuhause und in der Islamischen Schule geboten, außerdem hätte sein eigenes Urteilsvermögen ihn zum Glauben gebracht: „I also used my own judgement, or my own perception, from what I see in the environment to get to understand that things can not be happening just like that. […] Human being can not create sky, so that made me believe that there is that person somewhere who we call Allah, or God, or Naawuni. He did those things that made me come to believe that there is someone somewhere called God, or Allah.”

Hamza, sein Sohn und ich bei der (muslimischen) Hochzeit seines Bruders.

Die Lehren des Islams wären dabei unermesslich weit, der Koran hätte über alles (über)irdische gesprochen: „Example: You may have heard that there is fire in California, […] or in Australia, and it would burn like one month uncontrollably, or even two. It would burn and burn houses and hurt animals – these are all signs of the world coming to end. I’m not saying that world will come to an end now, but most of the signs that were said 1000 plus years ago is now coming to pass.” Er schlussfolgert daraus: “Quran is not a word of human being […] because of the kind of deep understanding in it.”

Hamza erklärt mir, dass die sechs Glaubesinhalte im Islam sein Leben lenken; diese sind der Glaube an Allah, seine Engel und Propheten, an die heiligen Bücher, der Glaube daran, dass jegliches Gut und Böse durch Allah geschehe und der Glaube an den Tag des Gerichts. „So, my life is guided by the Islam preaches. I try to believe according to my faithability. Do my fasting, when the time comes, and sometimes I do other fastings just to be able to be the way a Moslem should be. […] And the prayer that we do guides our life day in day out.

So, this are how my life is guided in a way, but like I said, I have my personal gains that might not go along with the Islam preaches. But I still do it, because these are my personal gains and I know very well that whenever I go to do that I will have sins for that, whether I like it or not. And it happens, I can’t pretend, we’re human.”

Religionsfreiheit

An dieser Stelle geht Hamza darauf ein, dass die Sünden einiger weniger Muslim*a oft auf die gesamte Religion projeziert würden; er betont aber: „The word ‚Islam‘ in Arab means ‚Peace‘. Islam means peace. So, when they ask you what is Islam you define it as being peaceful, faithful to Allah and the whole mankind. That is Islam. Any other thing aside this that is not Islam, no.”

In Ghana ist Religionsfreiheit in der Verfassung verankert, und gilt nicht nur auf dem Papier: Die friedliche Koexistenz jeglicher Religionen und Glaubensrichtungen wird einerseits aktiv gefördert, beispielsweise wenn der Chief Imam die Ostermesse besucht. Andererseits wird allgemein anerkannt, dass sich die verschiedenen Religionen im Kern gleichen: „[T]hey look similar to some extent, you do certain things the same way and we all believe that we are praying to one person, one supreme being, one God. Christians pray to God, Moslems pray to Allah, Traditionalists also pray to God or Allah. The difference is that we are using different ways to pray to him; Moslems pray to God direct, you don’t pass it through anybody. Because we believe that, Allah or God want his servants to pray to him direct, without passing through anyone or anything. […] Christians pray to God, the same God, through Jesus, because they believe that Jesus is the Son of God. […] And Traditionalists also pray to that same God through their ancestors.”

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