Ein FSJ in Ghana Folge 23: Besuch von Zuhause I

Ein FSJ in Ghana Folge 23: Besuch von Zuhause I

Auf dem Wandgemälde in Fort Apollonia konnten wir Vorbereitungen und Festlichkeiten zum jährlichen lokalen Festival nachvollziehen.

Die zahlreichen Reiseberichte in meinem Blog erwecken vielleicht den Eindruck, ich würde meine Zeit hauptsächlich mit Reisen verbringen. Dieser Eindruck trügt zwar, der heutige Reisebericht hat allerdings einen ganz besonderen Anlass: Zuhause kam zu Besuch! Meine Eltern und ältere Schwester verbanden ihren Jahresurlaub mit einer (vorübergehenden) Familienzusammenführung. Ganze drei Wochen nahmen wir uns Zeit, um durch das Land zu reisen und uns gegenseitig wieder auf den aktuellen Stand zu bringen.

Auch wenn diese Reise nicht meine erste Reise in Ghana war, durfte ich wieder verschiedenste Fassetten des Landes sehen und dank toller Führungen durch historische Erbe, Naturschätze und kulturelle Zentren unglaublich viel lernen. Ich habe versucht, ein paar der Geschichten (so gut ich mich erinnere) mit in diesen Reisebericht aufzunehmen. Viel Spaß!

Festungen entlang der Küste

Auf unserer Reise hatte ich erneut die Möglichkeit, die Festungen in Cape Coast und Elmina zu betreten. Von hier aus wurden früher Menschen übersee verkauft, mehr findet ihr in der Folge 18: Transatlantischer Sklav*innenhandel. Erneut war ich überwältigt von der Grausamkeit dieser scheinbar schönen Mauern…

Nicht minder beeindruckend war unser Besuch in dem kleineren Fort Apollonia. Mit viel Sorgfalt und Detailliebe wurde hier eine Ausstellung zur Stadtgeschichte und den Menschen in der Community (Beyin) eingerichtet. Auch in dieser Festung fanden schreckliche Verbrechen statt – dieselben Räumlichkeiten werden heute jedoch genutzt, um stolz und würdevoll die eigene Geschichte in den Fokus zu rücken.

Kakum Nationalpark

Canopywalk im Kakum Nationalpark

Der Kakum Nationalpark wurde 1990 im Primärregenwald eröffnet. Seitdem darf hier nicht mehr gefällt und gejagt werden, die Vegetation dient den umliegenden Communities aber weiterhin als natürliche Apotheke.

Der Tourismus sei laut des Guides wichtig, um das Gebiet weiterhin bewahren zu können. In den vergangenen Jahren wurde deshalb viel Tourismusförderung unternommen: Die erste Attraktion ist ein Baumhaus etwa zehn Minuten vom Parkplatz entfernt. Auf dem Weg dorthin stapften wir durch Dunkelheit und Ameisen, die sich aufgeschreckt in unsere Füße verbissen. Sicher oben im Baumhaus angekommen verkrochen wir uns schnell auf die Matratzen und lauschten den Geräuschen der Nacht – insbesondere den Rufen des sogenannten Baumschliefers.

Einer Erzählung nach war das kleine Säugetier zu eitel, um Noah auf die Arche zu folgen. Seine Kletterkünste halfen ihm zunächst noch, dem steigenden Wasserpegel der Sintflut zu entkommen. Ingendwann realisierte es jedoch seine ausweglose Situation und rief „Noah“ um Hilfe. Die lauten nächtlichen Rufe erinnern heute noch an seine glückliche Rettung.

Nach der kurzen Nacht waren wir am nächsten Morgen bereit für die zweite Attraktion im Kakum Nationalpark: Ein Baumwipfelpfad führt in rund 40 Meter Höhe durch die nebelverhangenen Baumkronen.

Elmina

Als erste europäische Festung in Afrika südlich der Sahara zeugt das Elmina Castle von dem einschneidenden Einfluss durch Kolonialmächte. Auf einer Führung durch die Fischereistadt lernten wir jedoch auch andere Seiten Elminas kennen: Auch wenn die Mehrheit heute christlich ist, sind in Elmina 77 Gottheiten beheimatet. Aus Respekt vor der Meeresgottheit fahren Fischer übrigens bis heute dienstags nicht aus. Viele schreiben dem Himmel zudem Männlichkeit zu, während die Erde weiblich sei. Wenn Regen fällt, werde „Mutter Erde“ befruchtet und Leben könne entstehen.
Eine weiter Tradition in Elmina ist das Bakaue Festival. Zu Beginn der jährlichen Fischsaison im Juli wirft der oberste Priest drei Mal ein Netz im Hafen aus. Die Menge an Fischfang sage demnach vorher, wie reich die kommenden Monate würden. Dieses Jahr wurde leider nur ein einziger Fisch gefangen, glücklicherweise lief es bisher trotzdem ganz gut.

Nzulezu

Der heilige Schrein in Nzulezu – an dieser Stelle verschwand damals der heilige Geist.

Noch weiter westlich entlang der Küste befindet sich das Stelzendorf Nzulezu. Das Dorf mit rund 500 Einwohner*innen, welches so viel wie „Wasseroberfläche“ bedeutet, wurde von Siedler*innen aus dem heutigen Mauritanien gegründet. Sie folgten einem heiligen Geist gen Süden, bis dieser vor ihnen im Wasser verschwand.

An dieser Stelle gründeten sie das Dorf Nzulezu, das durch seine angeschiedene Lage besten Schutz bietet. Seit 2000 ist es UNESCO Weltkulturerbe.

 

 

 

 

Vegetation auf dem Weg nach Nzulezu.

In einer Umfage durch die Vereinten Nationen berichteten die Einwohner*innen von den Vorteilen, die der tägliche Tourismus in das Dorf bringt – und dass Corona auch hier einschneidende (ökonomische) Folgen hatte. Dennoch fühlten wir uns bei der wortwörtlichen „Besichtigung“ des Wohnortes nicht ganz wohl und genossen viel mehr die Hin- und Rückfahrt: Mit dem Boot fuhren wir durch spiegelglattes Wasser und eine Landschaft, die ich unprofessionell am ehesten als „Schwammregenwald“ bezeichnen würde. Farne und Palmen wuchsen aus dem mineralreichen, schwarzen Wasser hervor und bildeten undurchdringbare Wege – durch die exakte Spiegelung alles doppelt.

Meine Partner:    weltwärts      bezev e.V.     Norsaac

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