Ein FSJ in Ghana Folge 31: Jahresrückblick

Ein FSJ in Ghana Folge 31: Jahresrückblick

Am Eingang zum Immigration Office erinnert dieses Schild noch immer an die Corona-Pandemie. Inzwischen gilt die Maskenpflicht jedoch nicht mehr.

Willkommen in 2023! Erneut ist ein ganzes Jahr vorüber und in den vergangenen 365 Tagen ist mal wieder super viel passiert. Wie ihr dem Titel unschwer entnehmen könnt, möchte ich diese Gelegenheit deshalb für eine Jahreszusammenfassung nutzen – dies soll allerdings kein persönlicher Rückblick, sondern vielmehr eine Übersicht über die meistdiskutierten Themen in Ghana werden. 

Da ich selbst leider nicht immer so viel Zeit für nationale (und globale) Nachrichten fand, wie ich gerne hätte, musste ich nähere Informationen für diesen Text online nachlesen. Falls ihr danach ebenfalls mehr über ghanaische Nachrichten erfahren möchtet, findet ihr alles tagesaktuell bei großen Nachrichtenhäusern wie beispielsweise TV3, GNA oder GhanaToday. 

COVID-19

Der Corona-Test bei meiner Einreise am Flughafen, Sperrung von See- und Landwegen sowie die obligatorische Mund-Nasen-Maske in öffentlichen Räumen sind nur einige Beispiele, wie Ghana die globale Pandemie im eigenen Land eindämmte. Aufgrund zunehmend sinkender Fallzahlen sowie einer besseren Verfügbarkeit des Impfstoffes wurden die Restriktionen jedoch zum 28. April aufgehoben. 

Auch als Non-Citizen konnte ich mir gleich am ersten Tag im Land eine Ghana Card ausstellen lassen.

SIM-Registrierung

Um Identitätsverschleierung, Betrug und dem informellen Sektor vorzubeugen, sollten zwischen Oktober und März letzten Jahres alle SIM-Karten mit der Ghana Card registriert werden. Diese nationale ID-Karte gilt seit einigen Jahren als gesetzliches Ausweisdokument für Ghanaer*innen. Um die Identität zu verifizieren, scannen Mitarbeiter der entsprechenden Telekommunikationsfirmen per Handykamera den Handabdruck, entnehmen Informationen aus der Ghana Card und machen ein biometrisches Foto. 

Trotz dieses recht unbürokratischen Systems musste die Frist zwei Mal nach hinten verschoben werden; viele Einwohner*innen haben keine eigene Ghana Card, es fehlte an öffentlicher Aufklärung und teilweise waren Kapazitäten überlastet. Somit hatten selbst nach der finalen Frist am 30. September geschätzte 2 Millionen Personen ihre SIM-Karte nicht registriert und können seitdem nur sporadisch auf mobile Daten zugreifen sowie Anrufe machen. Die National Communication Authority steht wegen dieser harten Frist in der Kritik und aktuell auch vor Gericht.

Überall in Ghana findet man sogenannte MoMo-Vendors, bei denen man dezentral Guthaben kaufen oder auf das mobile Konto zugreifen kann.

E-levy

Um diese Steuer auf mobile Transaktionen zu verstehen, möchte ich erst bargeldloses Bezahlen in Ghana erklären: Neben dem Bankensystem gibt es sogenanntes Mobile Money, oder abgekürzt MoMo. Dabei wird auf der (registrierten) SIM-Karte ein Konto eingerichtet, auf das man über eine kurze Tastenkombination zugreifen kann. So lässt sich sehr einfach Geld verschicken oder bei einem der zahlreichen Vendors überall in der Stadt einzahlen/abheben.

Schon zuvor wurden auf Abhebungen sowie auf Transaktionen zu registrierten Unternehmen Gebühren erhoben, seit Mai gilt zusätzlich die umstrittene E-levy. Dieser gingen lange Parlamentsdiskussionen, Kampagnen und sogar eine Klage gegen die Regierung voraus. Letztendlich wurde die Transaktionssteuer von 1,75% ab einem Freibetrag von täglichen 100 Cedi jedoch eingeführt. Als Begründung dienten die steigenden Preise und der geringe Haushalt der Regierung. 

Terrorismus

Auch wenn Ghana als eine sichere Republik in Westafrika gilt, fürchtet es eine zunehmende terroristische Bedrohung aus benachbarten Staaten. In Burkina Faso, Togo und Nigeria vermehrten sich letztes Jahr die Berichte von terroristischen Angriffen und es gibt Hinweise, dass terroristische Gruppen Zuflucht in Ghana suchen. 

Als Antwort darauf hat die Regierung die Kampagne „See something – Say something“ gestartet; dabei werden die Bürger*innen dazu angehalten, verdächtige Aktivitäten den Sicherheitsdiensten zu melden. Außerdem wurden finanzielle Mittel für Reintegration sowie Prävention bereitgestellt, unter anderem, um die Grenzkontrollen zu verstärken und mehr Sicherheitspersonal auf Überlandstraßen und nachts in den Städten zu stationieren.

Inflation und internationaler Währungsfond

Das wohl meistdiskutierte Thema war jedoch die Inflation, welche im November einen Höchststand von 50,3 Prozent erreichte und für viel Kritik am Präsidenten Nana Akufo-Addo sorgte (in meinem Blogeintrag Folge 26: Inflation in Ghana geht es noch mehr um Ursachen und Auswirkungen der Inflation). 

Zusätzlich zu einem nationalen Schulaustauschprogramm sah sich die Regierung deshalb gezwungen, in Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfond (IWF) zu treten. Ende Dezember umfassten die Verhandlungen ein 3 Milliarden US-Dollar schweres Kreditprogramm, dies muss aber noch vom IWF verifiziert werden. 

Schon im Vorhinein hat sich der Cedi in internationalen Wechselkursen wieder größtenteils stabilisiert, wodurch auch Tank- und Importpreise langsam sinken. Viele führen diese Entwicklung auf den vorläufigen Vertrag mit dem IMF (International Monetary Fund) zurück. Allerdings bewerten lange nicht alle die Verhandlungen als positiv, viele kritisieren sie als ineffektive und nicht nachhaltige Maßnahme, die nur Ghanas Abhängigkeiten verstärke. Die Arbeitsgesellschaften drohten zudem mit Streiks, falls die Rententöpfe wie geplant angezapft werden würden. 

National Cathedral

Der Bau einer Nationalen Kathedrale für staatliche Beerdigungen und Inaugurationen bildete ein zentrales Wahlversprechen des Präsidenten und mit Unterstützung der Kirchen konnten auch schon 20 Prozent des Projekts beendet werden. Im Hinblick auf die Inflation verhinderte die Opposition allerdings die Finanzierung des Projektes mit einem Gesamtvolumen von rund 250 Millionen US-Dollar. Nichtsdestotrotz wurden Gelder genehmigt und der Finanzminister musste sich im Parlament vor der Anklage verfassungswidriger Zahlungen rechtfertigen. 

Fußballweltmeisterschaft

Und zum Schluss der Sport: Im März gewann Ghana denkbar knapp gegen Nigeria und qualifizierte sich so für die Fußballweltmeisterschaft. Trotz hoher Hoffnungen, dem Besuch des Präsidenten und einem Sieg gegen Südkorea schieden die „Black Stars“ aber gegen Portugal und Uruguay aus. 

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