Ein FSJ in Ghana Folge 6: Gesundheit und Co

Ein FSJ in Ghana Folge 6: Gesundheit und Co

Auf dem Weg zum Krankenhaus hat Vincent mich noch untersucht – der Blutdruck war okay, mein Puls aber bei 129

Beginnend mit diesem Beitrag werde ich nach und nach verschiedene Aspekte meines Lebens in Tamale näher vorstellen. Weil ich es nach nur drei Wochen geschafft habe, mich mit Malaria zu infizieren, starte ich heute mit allem rund um Gesundheit.

Zuerst möchte ich aber darauf hinweisen, dass jeglicher Inhalt der vergangenen und insbesondere der folgenden Beiträge aus meiner Perspektive entsteht. Das bedeutet einerseits, dass meine Schilderungen nur für mich und mein Umfeld gelten und sich nicht auf ganz Ghana oder gar Afrika übertragen lassen. Und zweitens ist meine Wahrnehmung natürlich durch meine Sozialisation und Vorurteile geprägt.

Ich versuche möglichst, Bewertungen und stereotypisch geprägte Darstellungen zu vermeiden. Nichtsdestotrotz bitte ich euch, die Beiträge aufmerksam zu lesen, zu hinterfragen und zu reflektieren.

Malaria

Das wirksamste Mittel gegen Malaria ist Prophylaxe: lange Kleidung, Spray, Dämmerung meiden… Auch wenn ich nach bestem Gewissen vorgesorgt und sogar die Prophylaxe-Tabletten (mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit für relativ schwere Nebenwirkungen) genommen habe, habe ich mich aber trotzdem infiziert.

Am Mittwoch war ich zuerst ganz schlapp und appetitlos, dann habe ich noch Gliederschmerzen, Fieber und Schwindel bekommen. In einer Apotheke habe ich daher einen Schnelltest durchgeführt, der jedoch negativ war. Zuhause bin sofort ins Bett, aber Schlaf konnte ich mit über 39°C Temperatur und Schmerzen leider nicht wirklich finden.

Am nächsten Tag bin ich dann logischerweise nicht zur Arbeit, sondern am Nachmittag gemeinsam mit einem Freund ins Krankenhaus. Meine Blutprobe war nun doch positiv, glücklicherweise hatte ich aber nur wenige Parasiten im Blut. Aus diesem Grund und mithilfe der Medikamente konnte ich am Montag schon wieder ins Büro, auch mein Kontroll-Test war negativ.

Das war allein meine morgendliche Portion an Malaria-Tabletten, Vitaminen und Schmerztabletten

Das Tamale Teaching Hospital funktioniert übrigens so, dass man bei der Anmeldung eine Karte ausgestellt bekommt, auf der alle Leistungen registriert und im Vorhinein an Schaltern bezahlt werden. Die Kosten für meine Behandlung werden übrigens am Ende über die Krankenversicherung von weltwärts abgerechnet. Mit der Karte konnte ich außerdem meine Tabletten direkt auf dem Krankenhausgelände kaufen.

Bei mir verlief Malaria recht unkompliziert – allerdings habe ich das mal als Anlass genommen, mich ein bisschen über die häufigste Infektionskrankheit der Welt zu informieren. Erst im Oktober diesen Jahres wurde ein erster Impfstoff gegen Malaria empfohlen. Insgesamt haben sich allein 2019 laut WHO etwa 230 Millionen Menschen infiziert, davon starben über 400.000.

Covid-19

Corona ist natürlich ein großes Thema, zu dem ich viele Fragen gestellt bekomme. Stand heute (16. November 2021) sind in Ghana laut WHO insgesamt gut 130.000 Fälle registriert worden und 1.200 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Etwa 830.000 Menschen verfügen bisher über den vollen Impfschutz, das macht rund 2,7% der gesamten Bevölkerung aus.
Diese Zahlen kann und möchte ich allerdings gar nicht einordnen. Stattdessen erzähle ich lieber, wie ich die Situation wahrnehme: Zu Beginn der Pandemie war hier ein Lockdown, meine Gastschwester Vanessa war beispielsweise zehn Monate im Homeschooling. Inzwischen sind die viele Maßnahmen zwar gefallen, aber in öffentlichen Gebäuden wie der Kirche, Schulen oder Supermärkten werden noch Masken getragen – die meisten Aktivitäten finden allerdings sowieseo draußen oder in gut durchlüfteten Räumen statt. Masken werden auch überall verkauft, Tests sind kostenlos verfügbar. Sowohl meine Gasteltern, als auch alle Kolleg*innen, mit denen ich bisher über Covid-19 gesprochen habe, haben den vollen Impfschutz.

Alles andere

Zur Nahrungsumstellung kann ich nur sagen: bisher hatte ich keinerlei Probleme mit der Verdauung. Sowohl meine importierte Wärmeflasche als auch der Pfefferminztee waren zum Glück noch nicht in Verwendung.

Auch mit der klimatischen Umstellung komme ich gut zurecht und wurde erst einmal ein bisschen rot. Um mich vor der starken Sonneneinstrahlung zu schützen trage ich lange Kleidung und creme mich täglich mit Sonnencreme 50+ ein. Auch wenn Sonne und Hitze manchmal anstrengend sind, bin ich sehr glücklich über diesen nachgeholten Sommer.

Besonders zum Ende der Regenzeit im Oktober war es noch sehr warm. Nachts wusste ich deshalb manchmal nicht, ob es einfach heiß ist oder mein Arm gerade einschläft. Die naheliegende Lösung dafür ist natürlich der Deckenventilator, der sich in den meisten Räumen ständig dreht. Allerdings sind Schweiß und Wind wirklich eine gute Kombi für Erkältungen…

Stay hydrated

Und schließlich noch ein sogenanntes Water-Sachet

Aufgrund des Klimas ist es extrem wichtig, ausreichend zu trinken; mein täglicher Wasserbedarf liegt bei drei bis vier Litern. Meistens trinke ich aus sogenannten Sachets, quadratischen Plastikbeuteln mit einem halben Liter Inhalt, die preiswerter und praktischer als die ebenfalls erhältlichen Wasserflaschen sind.

Das Verwenden der Sachets braucht allerdings ein wenig Übung, zumindest ich habe es nicht auf Anhieb hinbekommen (Wasserflecken trocknen hier immerhin schnell). Um zu trinken hält man den Beutel an einer Ecke und beißt vorsichtig ein Loch hinein, ohne dabei auf den Beutel zu drücken. Anfangs habe ich dann immer den gesamten halben Liter auf einmal getrunken, inzwischen habe ich aber gelernt, dass ich den Beutel auch einfach mit der Öffnung nach oben hinstellen kann.

Meine Partner:

weltwärts      bezev e.V.     Norsaac

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