Branchenreport Einzelhandel

Branchenreport Einzelhandel

Der Einzelhandel gehört mit drei Millionen Arbeitnehmern zu den beschäftigungsstärksten Branchen in Deutschland. Seine Mitarbeiter stellen tagtäglich die Versorgung der Menschen mit Waren des täglichen Bedarfs und anderen Gütern sicher. Sie leisten dabei gute Arbeit. Das gilt auch für die Personalverantwortlichen der Branche, die in dem Spagat zwischen Kundenerwartungen und Mitarbeiterwünschen sowie betrieblichen Erfordernissen jeden Tag dafür Sorge tragen, dass die Mitarbeiter die notwendigen Rahmenbedingungen für die Erfüllung ihrer Arbeitsaufgaben vorfinden. Und es werden jedes Jahr mehr, denn der Einzelhandel baut ständig weiter Arbeitsplätze auf und bietet damit weitere Beschäftigungschancen.

Der Einzelhandel präsentiert sich den Kunden und Verbrauchern mit einem breiten, laufend erneuerten Warenangebot. Diese Waren – die Spanne reicht von modischen Artikeln (z. B. Bekleidung, Schuhe) über Glas, Porzellan, Keramik sowie Schmuck und Kosmetika, technischen Gebrauchsgütern einschließlich Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, Lebensmitteln und Möbeln/Küchen bis hin zu Heimwerker- und Hobbybedarf – werden von Fachgeschäften, Discountern, SB-Warenhäusern, Supermärkten, Warenhäusern, Kaufhäusern, Verbrauchermärkten, Boutiquen, Versandhäusern, Online-Händlern u. a. angeboten, präsentiert, verkauft.

Sowohl multinationale Konzerne als auch familiengeführte Fachgeschäfte prägen den Einzelhandel in Deutschland. Die Spanne reicht

  • beim Umsatz von rund 60 Mrd. Euro bis zu rund 250.000 Euro pro Jahr,
  • bei der Beschäftigtenzahl von mehr als 200.000 bis zum reinen inhabergeführten Geschäft mit nur wenigen Beschäftigten,
  • bei den Ausbildungsunternehmen von etwa 15.000 Auszubildenden bis zu einem Auszubildenden je Unternehmen.

Vergütung

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Im Bereich der Vergütung gewährleistet der hohe Anwendungsgrad der Tarifverträge ein angemessenes Mindestvergütungsniveau:

  • Das tarifliche Monatsentgelt in der wichtigsten Tarifgruppe (Verkaufstätigkeiten) beläuft sich in allen Tarifregionen (2016) auf mehr als 2.400 Euro.
  • Gezahlt werden 13,25 Tarifgehälter (inkl. tarifliches Urlaubsgeld und tarifliches Weihnachtsgeld).
  • Die tarifliche Wochenarbeitszeit beträgt 37,5 Wochenstunden (West) bzw. 38,5 Wochenstunden (Ost). Arbeit ab 18.30 Uhr wird zusätzlich mit 20 Prozent Zuschlag belohnt, ab 20 Uhr mit 50 % Zuschlag, Arbeit an verkaufsoffenen Sonntagen mit 100 % Zuschlag.
  • Die Tarifverträge des Einzelhandels sehen eine durch die Arbeitgeberseite finanzierte tarifliche Altersvorsorge in Höhe von 300 Euro jährlich vor. Der Arbeitnehmer kann darüber hinaus tarifliches Entgelt umwandeln und wird dann zusätzlich noch mit einem Betrag in Höhe von zehn Prozent des umgewandelten Entgelts durch den Arbeitgeber gefördert.

Arbeitszeiten

Die Arbeitszeiten unterscheiden sich sehr deutlich von denen im industriellen Bereich oder in der Verwaltung. So sind die Geschäfte meist zwar an sechs Werktagen geöffnet. Die Arbeitszeitsysteme im Einzelhandel stellen jedoch im Regelfall sicher, dass eine Beschäftigung von Arbeitnehmern im Durchschnitt nur in Form einer 5-Tage-Woche erfolgt. Dies wird beispielsweise durch rollierende Arbeitszeitsysteme sichergestellt. Zwar sehen die Ladenöffnungsgesetze in den meisten Bundesländern auch die Möglichkeit einer Ladenöffnung während der Nachtzeit vor, doch werden diese Möglichkeiten nur ausnahmsweise genutzt. Für die Mitarbeiter in den Verkaufsstellen des Einzelhandels ist daher meistens zwischen 18 und 20 Uhr Arbeitsschluss. Anders als im industriellen Bereich gibt es somit im Regelfall weder (diskontinuierliche) Nachtschicht noch Sonntagsarbeit.

Ausbildung: Der Start zur Karriere im Handel

Qualifizierung wird groß geschrieben im Einzelhandel. Über 150.000 Auszubildende und intensive Weiterbildungsleistungen der Unternehmen und der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unterstreichen dies. Und bei den vielfältigen Wandlungsprozessen im Einzelhandel muss es auch so sein, dass lebensbegleitendes Lernen hohe Bedeutung hat.

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Grundlage für jede Karriere im Einzelhandel ist eine gute Ausbildung – entweder in einem der über 30 Ausbildungsberufe des dualen Ausbildungssystems oder in einem handelsorientierten Studiengang. Auch wenn aufgrund der zunehmenden Komplexität der Handelsprozesse und der wachsenden Internationalisierung vieler Handelsunternehmen der Akademikeranteil im Handel steigt, gilt nach wie vor, dass die praktische Berufserfahrung, die fundierte Kenntnis der Aufgaben am Point of Sale unerlässlich sind, um eine Karriere im Handel zu starten. Daher gehört der Handel nach wie vor zu den Wirtschaftsbereichen, in denen das Wort von der „Karriere mit Lehre“ absolut zutrifft: Viele Führungskräfte bis in die ganz hohen Positionen hinein und natürlich viele selbstständige Händler haben ihre Berufslaufbahn mit einer fundierten Berufsausbildung und anschließender Fortbildung im Handel begonnen.
Der Einzelhandel bildet entsprechend dem differenzierten Qualifikationsbedarf in einer großen Zahl von Berufen aus. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Gestalter/Gestalterin für visuelles Marketing – für die Warenpräsentation und die Verkaufsraumgestaltung
  • Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement, seit dem 1.8.2014 der Nachfolgeberuf für Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation undBürokaufmann/Bürokauffrau – insbesondere für die Bereiche Personal und Controlling
  • Fachkraft für Lagerlogistik und Fachlagerist/Fachlageristin für die Lager- und Logistikbereiche
  • Fachinformatiker/Fachinformatikerin, Informatikkaufmann/Informatikkauffrau – Fachbereich Handel und IT-System-Elektroniker/in – für die wichtigen IT-Aufgabenfelder des Handels
  • Drogist/Drogistin – für Drogeriefachmärkte
  • Florist/Floristin – für den Verkauf von Blumen und die Gestaltung von Blumenpräsenten
  • Tankwart/Tankwartin – für technisch geprägte Aufgaben an Tankstellen
  • Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel – für Großhandelsfunktionen im Handel
  • Automobilkaufmann/Automobilkauffrau – für kaufmännische Aufgaben im Verkauf von Automobilen und Autoteilen
  • Buchhändler/Buchhändlerin – für den Verkauf von Büchern, Medien und Zubehör
  • Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk – für den Bedienbereich in Lebensmittelsupermärkten
  • Fachmann/Fachfrau für Systemgastronomie – für Gastronomiebereiche in Handelsunternehmen
  • Koch/Köchin – auch für die Mitarbeiterkantinen in den Unternehmenszentralen
  • Kosmetiker/Kosmetikerin – bei kosmetisch orientiertem Ergänzungsangebot in Parfümerien
  • Bodenleger/Bodenlegerin – für Service- und Dienstleistungen in Einrichtungsmärkten
  • Fahrradmonteur/Fahrradmonteurin – für die Pflege und Reparatur von Fahrädern und E-Bikes in Fahrradgeschäften
  • Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice – für Auslieferung und Montage in Möbel- und Einrichtungshäusern sowie Küchenstudios
  • Fotomedienfachmann/Fotomedienfachfrau -für Kundenberatung und Verkauf im Fotofachhandel
  • Musikfachhändler/Musikfachhändlerin – für Kundenberatung und Verkauf im Musikfachhandel

Die wichtigsten Ausbildungsberufe des Einzelhandels sind aber seit vielen Jahren

  • Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel mit derzeit rund 58.700 Auszubildenden und
  • Verkäufer/Verkäuferin mit derzeit fast 41.600 Auszubildenden.

Fast drei Viertel aller Auszubildenden des Einzelhandels erlernen diese beiden Berufe. Sie bereiten auf die vielfältigen Fach- und Führungsaufgaben in den Vertriebsbereichen des Einzelhandels vor. Verkauf und Kundenberatung, Anwendung und Auswertung von Warenwirtschaftssystemen, Warenpräsentation, Marketingaktivitäten, Bearbeitung des Wareneingangs, Weiterentwicklung der Warensortimente, Kaufmännische Steuerung und Kontrolle sind wesentliche Handlungsbereiche für Verkäufer und Kaufleute im Einzelhandel. Beide Ausbildungsberufe sowie Berufspraxis im Einzelhandel bilden die wichtigste Voraussetzung für die Zulassung zu einer Aufstiegsfortbildungsprüfung in den beiden zentralen Fortbildungsberufen des Einzelhandels – Geprüfte/r Handelsfachwirt/-in und Geprüfte/r Handelsassistent/-in-Einzelhandel (Ende 2014 abgelöst durch den Fortbildungsberuf Geprüfte/r Fachwirt/-in für Vertrieb im Einzelhandel).

Der Karrierestart

Der Einzelhandel zählt zu den ausbildungsstärksten Wirtschaftssektoren. Er ist besonders auf das Leistungspotenzial der beruflich Qualifizierten angewiesen. Karriere mit Lehre ist im Handel nach wie vor an der Tagesordnung. Die Ausbildungsquote der Branche liegt seit Jahren über dem Durchschnitt. Auch die Beteiligung der Handelsunternehmen an der Ausbildung liegt oberhalb der gesamtwirtschaftlichen Quote, wie die Ausbildungsbetriebsquote ausweist.

Die Jahre des Zuwachses an Ausbildungsplätzen im Einzelhandel sind aber vorerst vorbei: Zwischen 2007 und 2014 sank die Auszubildendenzahl um 7,5 % auf 146.139, obwohl die Beschäftigtenzahl in dieser Zeit um 11,4 % gestiegen ist. Das Ergebnis: Auch die Ausbildungsquote ging von 7,7 % (2007) auf 6,4 % (2014) zurück. Der Rückgang an neuen Ausbildungsverträgen im Einzelhandel betrifft nahezu alle Ausbildungsberufe, die schwerpunktmäßig im Handel ausgebildet werden.

Neue Ausbildungsverträge in ausgewählten Berufen 2015

Kaufmann/-frau im Einzelhandel 26.223
Verkäufer/-in 24.618
Fachkraft für Lagerlogistik 10.182
Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk 7.443
Fachlagerist/-in 5.625
Automobilkaufmann/-kauffrau 4.608
Drogist/-in 1.407
Florist/-in 1.200
Gestalter/-in für visuelles Marketing 690
Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice 501
Buchhändler/-in 450
Kosmetiker/-in 318
Bodenleger/-in 234
Fahrradmonteur/-in 228
Tankwart/-in 63
Fotomedienfachmann/-frau 48
Musikfachhändler/-in 24

Eine gute Ausbildung bietet zwar einen guten Start in das Berufsleben. Sie reicht aber schon lange nicht mehr aus, um 40 oder 45 Jahre lang beruflichen Erfolg zu haben. Lebensbegleitende Weiterbildung ist für jeden unumgänglich, um die schneller werdenden Veränderungen im Arbeitsleben bewältigen und gestalten zu können. Nur mit Weiterbildung wird die eigene Beschäftigungsfähigkeit erhalten und der berufliche Aufstieg vorbereitet.

Was erwarten die Unternehmen von Bewerbern?

1. Schulische Vorbildung

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Für keinen der Berufe im dualen Ausbildungssystem ist ein bestimmter Mindest-Schulabschluss vorgegeben: Jeder Ausbildungsberuf steht bei entsprechender Eignung grundsätzlich sämtlichen Schulabgängern offen. Dennoch haben sich gewisse Schwerpunkte herausgebildet: Die Anforderungen der Berufe und die Wünsche von Betrieben wie Jugendlichen haben Einfluss. In den zentralen Einzelhandelsberufen Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel und Verkäufer/-in werden vorwiegend Realschulabsolventen und Hauptschulabgänger ausgebildet. Wer den Hauptschulabschluss nicht geschafft hat, hat nur in Ausnahmefällen eine Chance auf einen Ausbildungsplatz im Einzelhandel.

Im Beruf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel werden recht häufig und gern auch Abiturienten bzw. Hochschulzugangsberechtigte zur Ausbildung eingestellt. Zudem gibt es mit den sog. Abiturientenqualifizierungsgängen besondere Qualifizierungswege, in denen auf dem Weg zum Fortbildungsabschluss Fachwirt für Vertrieb im Einzelhandel oder Handelsfachwirt auch der Ausbildungsabschluss Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel erworben wird.

Neue Auszubildende 2016 nach Schulabschluss

Hauptschulabschluss Realschulabschluss Abitur
Kaufmann im EH 28,3 % 48,1 % 20,5 %
Verkäufer 50,2 % 37,5 % 7,1 %

2. Qualifikation und Interessen

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Wichtig sind für die Unternehmen des Einzelhandels insbesondere folgende Qualifikationen bzw. Eigenschaften:

  • Kontaktfreude, freundliches Auftreten, Offenheit für Neues,
  • gepflegtes und umgängliches Auftreten,
  • Spaß an Kundenberatung, Kommunikationsfähigkeit,
  • Serviceorientierung, Teamorientierung,
  • Grundkompetenzen wie Beherrschung der Grundrechenarten (inkl. Dreisatz und Prozentrechnen) und der deutschen Sprache,
  • Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit,
  • Mobilitätsbereitschaft,
  • Flexibilität, Denken in Zusammenhängen,
  • Bereitschaft zum lebensbegleitenden Lernen,
  • Freude am Umgang mit Waren (der verschiedensten Art, also z. B. Mode, Lebensmittel, Sportartikel, Pflanzen, Technik, Parfümerie, Spielwaren usw.),
  • Leistungsorientierung,
  • körperliche Fitness,
  • je nach Standort und Kundenstruktur auch Fremdsprachenkenntnisse und vor allem auch
  • Interesse am Beruf, am Wirtschaftszweig und am Handelsunternehmen.

Vielfach ist der persönliche Eindruck des Unternehmens vom Bewerber bzw. von der Bewerberin deutlich wichtiger als einzelne Schulnoten.

Abiturientenausbildungsgänge, Studium

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Der Einzelhandel bietet leistungsorientierten jungen Leuten mit Hochschulreife sehr interessante Ausbildungswege an, die eine besonders interessante Alternative zum Hochschulstudium darstellen:

1. Berufsintegrierte Bildungsgänge

  • zum Handelsfachwirt/zur Handelsfachwirtin oder
  • zum Fachwirt/in für Vertrieb im Einzelhandel

Innerhalb von zweieinhalb bis drei Jahren kann man so ergänzend zum Ausbildungsabschluss und zur AEVO-Prüfung in einem einzigen Bildungsgang bereits auch den Fortbildungsabschluss als wichtige Eintrittskarte für Führungspositionen im Einzelhandel erwerben.

2. Berufsakademien, duale Studiengänge, Hochschulstudium

Zahlreiche Handelsunternehmen kooperieren auch mit Berufsakademien und Fachhochschulen, um in Bachelorstudiengängen Führungsnachwuchskräfte auszubilden. Ein sechs- bis achtsemestriges Studium wird im dualen Studium mit einer betrieblich-praxisorientierten Ausbildung kombiniert. Und für eine größer werdende Zahl an Arbeitsplätzen im Handel ist auch ein betriebswirtschaftliches Hochschulstudium zum Bachelor (an einer Universität oder Fachhochschule) besonders hilfreich.

Ausgewählte Ausbildungsberufe und Studiengänge mit Link zu Filmen:

Weiterbildung im Einzelhandel

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Der Handel hat daher seine Weiterbildungsleistungen in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. Gut die Hälfte der Handelsunternehmen führte 2014 Weiterbildungsmaßnahmen durch oder ermöglichte es Beschäftigten, sich weiterzubilden (IAB-Betriebspanel). So besagt eine aktuelle Studie über „Digitalisierung am Arbeitsplatz“ (im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales erstellt von IAB, ZEW und Universität Köln):

  • 86 % der Beschäftigten im Handel setzen Informations- und Kommunikationstechnik am Arbeitsplatz ein.
  • Für 80 % der Beschäftigten im Handel hat sich in den letzten fünf Jahren die technologische Ausstattung am Arbeitsplatz geändert.
  • 52 % der Beschäftigten im Handel sagen, dass sich durch die technologischen Neuerungen die eigene Arbeitsleistung erhöht hat.
  • Nur 9 % der Handelsbeschäftigten glauben, dass ihr Arbeitsplatz in den nächsten zehn Jahren durch Maschinen überflüssig wird.

Karriere mit Lehre

Im Handel können engagierte und leistungsorientierte junge Menschen bereits nach wenigen Jahren beruflicher Bildung und Praxis attraktive Karrierepositionen, zum Beispiel Abteilungsleiter/in oder Filialleiter/in, erreichen. Grundlage ist ein guter Ausbildungsabschluss, der durch einen Fortbildungsabschluss und betriebsinterne Weiterbildung ergänzt und erweitert wird.

So verzahnen Handelsunternehmen Ausbildungs- und Fortbildungsberufe zu Laufbahnmodellen, um klare Entwicklungsperspektiven zu markieren. Denn die Branche setzt traditionell sehr stark auf beruflich qualifizierte Mitarbeiter. Auch unter den Führungskräften finden sich trotz steigender Akademikerbeschäftigung weit mehr beruflich als hochschulisch Qualifizierte.

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Dies kann im Rahmen der im Handel so beliebten Abiturientenprogramme, die in einem kompakten dreijährigen Qualifizierungsweg einen Ausbildungsabschluss (zumeist Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel) und einen Fortbildungsabschluss (Handelsfachwirt/in oder Fachwirt/in für Vertrieb im Einzelhandel – zuvor Handelsassistent/in-Einzelhandel) sowie zumeist auch die Ausbildereignungsprüfung (AEVO) ermöglichen, gleich zu Beginn der beruflichen Entwicklung geschehen. Deutlich mehr als 5.000 junge Menschen nutzen diesen Qualifizierungsweg, der von immer mehr Handelsunternehmen angeboten und zusammen mit Bildungszentren des Handels durchgeführt wird. Es gibt aber noch einen zweiten Weg: Im Anschluss an die Ausbildung etwa im Beruf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel folgt zunächst eine Phase der beruflichen Praxis, begleitet von der sogenannten Anpassungsweiterbildung. Erst einige Zeit später folgt dann die Vorbereitung auf die Fortbildungsprüfung.

Für aufstiegsorientierte Beschäftigte stehen im Handel verschiedene Fortbildungsberufe zur Verfügung, die gleichwertig zum hochschulischen Bachelor sind. Dies belegt die Zuordnung sowohl des Bachelors als auch der Fortbildungsberufe auf dem Niveau sechs des Deutschen und des Europäischen Qualifikationsrahmens (DQR bzw. EQR). In der Praxis, in der es weniger auf einen bestimmten Abschluss als vielmehr auf die berufliche Kompetenz ankommt, konkurrieren diese beiden Qualifizierungswege miteinander.

Nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelte Prüfungen:

  • Geprüfte/r Handelsfachwirt/in – die mit rund 6.000 Prüflingen im Jahr am stärksten nachgefragte Fortbildungsprüfung
  • Geprüfte/r Fachwirt/in für Vertrieb im Einzelhandel – Nachfolger des Handelsassistenten Einzelhandel – die Fortbildungsprüfung für Führungskräfte in vertrieblichen Aufgabenfeldern des Einzelhandels
  • Geprüfte/r Fachwirt/in für E-Commerce – die voraussichtlich ab 2018 angebotene Fortbildungsprüfung für die Wahrnehmung gehobener kaufmännischer Fach- und Führungsaufgaben in E-Commerce-Bereichen
  • Stärker funktionsorientierte Fortbildungsprüfungen wie Personalfachwirt/in, Fachwirt/in für Marketing, Controller/in, Fachwirt/in für Einkauf, Meister für Lagerlogistik.

Karriereschritte nach der Ausbildung

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Wichtige Karrierestationen im Einzelhandel sind (zwischen den unterschiedlichen Unternehmenstypen und -größen gibt es Abweichungen hinsichtlich der Bezeichnungen und Hierarchiestufen):

  • Erstverkäufer, Erstverkäuferin
  • Substitut, Substitutin (auch stellvertretende/r Abteilungsleiter/-in); Teamleiter/-in
  • Verkaufsstellenleiter, Verkaufsstellenleiterin
  • Filialleiter, Filialleiterin oder Marktmanager/-in
  • Abteilungsleiter, Abteilungsleiterin
  • Bezirksleiter, Bezirksleiterin
  • Gebietsverkaufsleiter/-in
  • Einkäufer, Einkäuferin; Werbeleiter, Werbeleiterin; Personalleiter, Personalleiterin
  • Geschäftsführer, Geschäftsführerin
  • selbstständige/r Unternehmer, Unternehmerin

Der Handel 2030: Ein Blick in die Zukunft

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Handel ist Wandel – der Spruch ist zwar alt, trifft es aber immer noch. Mit zunehmender Digitalisierung hat der Wandel in der Arbeitswelt des Handels eine neue Dimension erreicht: Der Online-Handel mit Endverbrauchern – der sog. B2C-E-Commerce – wächst stabil weiter und hat im Non-Food-Bereich zum Teil bereits einen Marktanteil von etwa einem Viertel und mehr erreicht. Beispiele sind die Sortimentskategorien Elektronik und Technik (32 %), Spiel und Sport (29 %) sowie Büro und Co. (24 %).

Von zunehmender Bedeutung sind Kunden, die sowohl Online wie Offline einkaufen. Sie sind kaufkräftiger und erwarten auf allen Einkaufskanälen ein vergleichbares Niveau an Übersichtlichkeit und Service. Die mit digitalen Medien aufgewachsenen Generationen werden bald die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Sie nutzen Smartphones und Tablets besonders intensiv und sind ohne digitale Anwendungen nur schwer vom Handel erreichbar. Sie haben andere Bedürfnisse (z. B. Nachhaltigkeit, Convenience), stehen häufig unter Zeitstress und möchten rasch, nahtlos und kanalübergreifend bedient werden

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Auch wenn der Online-Handel weiterwachsen wird: Er wird den stationären Handel nicht als Haupteinkaufsstätte ablösen. Selbst unter den sogenannten „Digital Natives“, den Internetnutzern zwischen 18 und 24 Jahren, sagen 61 % der Befragten, sie würden am liebsten im stationären Handel einkaufen. Dieser Trend wird durch aktuelle Studien zur Arbeitslandschaft der Zukunft – bis etwa 2030 – bestätigt:

Der Handel sieht sich laut einer Studie von PWC/WiFOR über den demografischen Wandel im Jahr 2030 konfrontiert mit einem zu großen Angebot an Hilfskräften. Auf den drei darüber liegenden Qualifikationsebenen der Fachkräfte, der gehobenen Fachkräfte und der akademischen Berufe dagegen kommt es zu relativen Engpässen, die bei 7 Prozent (Fachkräfte, 11 Prozent (akademische Berufe) und 13 Prozent (gehobene Fachkräfte) liegen könnten. Als die quantitativ am stärksten besetzten Engpassberufe des Handels werden von PWC/WifOR Verkaufskräfte (88.000) und Bürokräfte im Rechnungswesen (34.000) benannt. Die Autoren der Studie erwarten, dass sich die Zahl der Akademiker im Handel zwischen 2008 und 2030 verdoppeln wird. Allerdings wachse die Nachfrage des Handels nach Akademikern stärker als das Angebot, so dass es in diesem Qualifikationsbereich zum größten relativen Engpass kommen werde. Die Technisierung und Digitalisierung des Handels – stationär wie online – stelle höhere Anforderungen an die Qualifikationen der Mitarbeiter.

Links zu interessanten Seiten über Bildung im Handel

www.zbb.de – Zentralstelle für Berufsbildung im Handel (zbb)

www.helden-des-handels.de – Infos für junge Leute zu Ausbildung und Karriere im Handel aus Baden-Württemberg (Handelsverband Baden-Württemberg)

www.hbe-live.de – Infos für junge Leute zu Ausbildung und Karriere im Handel aus Bayern (Handelsverband Bayern)

www.handelswissen.de – Wissensportal für den deutschen Handel