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Ihre Rechte (und Pflichten) als Azubi

„Im ersten Jahr hab‘ ich die Halle gefegt, im Zweiten aufgeräumt und vor der Prüfung durfte ich dann auch mal das Werkzeug sortieren“ – so oder ähnlich haben es die meisten schon mal gehört.

Tatsache ist: Rechte und Pflichten eines Auszubildenden sind klar geregelt; schikanieren oder missbrauchen lassen muss sich niemand. Festgelegt ist dies alles im Berufsbildungsgesetzt (BBiG). Es geht im Wesentlichen um die § 13 (Mitwirkungspflicht des Auszubildenden) und § 14 (Ausbildung gemäß Ausbildungsziel – Pflichten des Ausbildenden). Wir wollen hier jetzt kein Fern-studium Jura anbieten, aber eine kleine Übersicht kann sicher nicht schaden. Fangen wir mit dem angenehmeren Teil an!

Ihre Rechte als Azubi…

Tätigkeiten, die nichts mit der Ausbildung zu tun haben, sind nicht zulässig. Tagelange Botengänge gehören ebenso wenig zur Ausbildung wie ständige Räum-, Sortier- oder Putztätigkeiten. Darunter fällt auch das Kaffeekochen im Büro. Aber Achtung: Natürlich kann Ihr Ausbilder von Ihnen verlangen, dass Sie Ihren Arbeitsplatz in Ordnung halten, benötigtes Material nach Gebrauch wieder wegräumen und benutzte Werkzeuge reinigen oder kleinere Reparaturen selbst ausführen. Die Reinigung des gesamten Betriebes gehört aber definitiv nicht dazu. Und dass private Besorgungen für Vorgesetzte oder Kollegen Ihre rein private Entscheidung sind, versteht sich eigentlich von selbst.

Material, dass Sie für Ihre Ausbildung benötigen, muss Ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dies können z.B. Werkzeuge, Geräte und Werkstoffe sein, aber auch Fachbücher, die Berichtshefte sowie Schreib- und Zeichenmaterial. Im Gegenzug sind Sie verpflichtet, damit sorgsam umzugehen und es schonend zu behandeln – lassen Sie sich im Zweifel also zweimal erklären, wie der Farbkopierer wirklich bedient wird.

Generell sind Sie nicht verpflichtet, Tätigkeiten auszuführen, die Ihre körperlichen Fähigkeiten übersteigen oder für die Sie nicht qualifiziert sind. Dazu gehören auch Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen. Vorsicht, wenn Sie „mal eben“ den Lieferwagen nur ein Stück vorrollen lassen sollen – ohne Fahrerlaubnis lassen Sie die Finger vom Lenkrad. Das ständige und unnötige Wiederholen immer gleicher Tätigkeiten ist ebenfalls nicht zulässig. Verboten sind außerdem Akkord- und Fließbandarbeit.

Sie haben Anspruch auf geeignetes Ausbildungspersonal, d.h. Ausbilder müssen durch eine Abschlussprüfung der entsprechenden Fachrichtung und ausreichend Berufserfahrung qualifiziert sein. Bis zum August 2003 waren zusätzlich pädagogische Kenntnisse nachzuweisen.

Während einer dualen Ausbildung sind Sie berufsschulpflichtig. Für die Unterrichtszeiten muss Ihr Betrieb Sie freistellen. Zum Unterricht gehören auch die Pausen sowie die benötigte Zeit für den Weg zwischen Betrieb (nicht Wohnort!) und Berufsschule. Ein „Nacharbeiten“ der Berufsschulzeiten im Betrieb ist also generell unzulässig. Falls Sie keinen Blockunterricht haben (also z.B. ganze Berufsschulwochen), haben Sie im Idealfall in Ihrem Ausbildungsvertrag eine Klausel, die regelt, ob und bis wann Sie nach dem Unterricht noch im Betrieb erscheinen müssen.

Der jeweilige Ausbilder sollte auf Sie einen kompetenten Eindruck machen. Wenn Sie auf Fragen keine zufriedenstellenden Antworten bekommen, wenn Ihnen weder Sinn noch Zweck einer bestimmten Tätigkeit erklärt werden oder Sie das Gefühl haben, dass Sie mit Problemen bei einer Aufgabe allein gelassen werden, sprechen Sie einfach einmal mit der Personalabteilung oder der Ausbildungsleitung Ihres Ausbildungsbetriebes. Aber Vorsicht: Nicht gleich auf den Putz hauen oder lautstark beschweren – hier ist Ihr Fingerspitzengefühl gefragt!

…und Ihre Pflichten

Generell gilt: Sie sind zur aktiven Mitwirkung verpflichtet! Wer sich also nur passiv „beschallen“ lässt, bekommt schnell ein Problem.

„Wir sind doch hier nicht beim Bund!“

Falsch: Anweisungen, die mit Ihrer Ausbildung zu tun haben, müssen Sie natürlich Folge leisten. Und die können vom Abteilungsleiter, der Kollegin aus dem Arbeitsschutz oder vom Gesellen sein, der Ihnen gerade zeigt, wie man richtig einen Nagel einschlägt – solange es Ihre Ausbildung betrifft (und nicht gegen die guten Sitten oder gar Gesetze verstößt): Machen Sie es einfach.

Jeder Betrieb hat Regeln:

Arbeitsschutz, Sicherheitsbestimmungen, Rauchverbote und Kleiderordnungen, Hausordnungen und Hygienevorschriften. Gleichgültig, ob Sie das im Einzelfall nun für sinnvoll halten oder nicht: Halten Sie sich daran!

Stichwort Berichtsheft:

Wird gern am Ende der Ausbildung auf den letzten Drücker zusammengestoppelt – sollte aber nicht sein. Sie sind verpflichtet, die „schriftlichen Ausbildungsnachweise“ ordnungsgemäß zu führen und regelmäßig (also nicht einmal jährlich) vorzulegen. Im Gegenzug bekommen Sie in der Regel während Ihrer Ausbildungszeit dazu Gelegenheit – das müssen Sie also nicht in Ihrer Freizeit erledigen.

Stolperfalle Persönlichkeitsrechte:

Wie Sie z.B. Ihre Haare tragen, ist natürlich grundsätzlich Ihre Angelegenheit. Wenn die Frisur aber Sicherheitsvorschriften beeinträchtigt oder Ihre Ausbildung unnötig erschwert, sieht das schon ganz anders aus. Und natürlich kann Ihr Ausbildungsbetrieb auch bestimmen, mit welchem Erscheinungsbild insgesamt (also Kleidung, Haarschnitt, Tattoos, Piercings etc.) Sie Kundenkontakt haben – Stichwort Erscheinungsbild des Betriebes. Also: Keine Diskussion anfangen; hier sitzen Sie in der Regel am kürzeren Hebel.

Top Secret:

Sie sind auch als Auszubildender zur Verschwiegenheit verpflichtet. Interna wie Preise, Konditionen, Kalkulationen oder Lieferantenlisten sind ebenso vertraulich zu behandeln wie Betriebs-abläufe, nicht öffentliche Geschäftskennzahlen oder technisches Fachwissen. Der Tratsch aus der Betriebskantine gehört im Zweifel auch dazu. Und wer Negatives über den Betrieb auf Facebook postet, darf sich natürlich nicht wundern, wenn der Arbeitgeber dies zum Anlass einer Abmahnung macht oder sogar den Ausbildungsvertrag kündigt.

Darf ich nebenbei Jobben?

Während Ihrer Ausbildung kann Ihnen der Ausbildungsbetrieb jede Nebentätigkeit untersagen. Ihren lukrativen Schülerjob als Zeitungsausträger müssen Sie also aufgeben – auch wenn das aus Ihrer Sicht Ihre Ausbildung überhaupt nicht beeinträchtigt. Achtung: „Das merkt doch keiner“ ist hier nicht angesagt. Fliegen Sie auf, droht die fristlose Kündigung. Bekommt das Finanzamt Wind davon, gibt es ebenfalls Ärger – Sie sind schließlich kein Schüler mehr, sondern arbeiten im Zweifel „schwarz“. Und dann bekommen Sie massive Probleme. Und bei einem Unfall streiten sich Ihre Unfallversicherung, die Berufsgenossenschaft und Ihr Nebenjobbetrieb auf Ihre Kosten darum, wer NICHT zahlt.

Die Bewerbung per Email – „Sie haben Post“

Natürlich, so ziemlich jeder ist heute drin im Internet – wenn nicht mit einem eigenen Zugang, dann bei Freunden, in der Schule oder übers Internetcafé. Und alle glauben, sie kennen sich aus. Aber bei einer elektronischen Bewerbung lauern doch ein paar Stolperfallen.

Für die elektronische oder auch Email-Bewerbung gelten grundsätzlich die gleichen oder ähnliche Kriterien wie für die klassische Bewerbungsmappe per Post. Was weiter vorn zu Form, Inhalt, Struktur und Stil gesagt wurde, hat auch im Netz seine Gültigkeit. Auch wenn man vor allem bei internen Mails und in Foren und Chats mitunter den Eindruck gewinnen kann, dass Höflichkeit, guter Stil und ein gewisser Umgangston im Netz nicht nötig wären:

Das Gegenteil ist der Fall! Also verzichten Sie nicht auf eine Begrüßung, auf ganze Sätze, auf Logik und eine Grußformel zum Abschluss Ihrer Email. Natürlich haben Smileys ;-), Abkürzungen aus dem SMS-Jargon oder sogar animierte GIFs wie hüpfende Herzchen in einer Bewerbung überhaupt nichts verloren! Und: Fassen Sie sich kurz – knapp und schnell zu erfassen sollte eine Email immer sein (alles, was länger als zwei bis drei Absätze ist, gehört in die Anlagen).

Achtung: Obwohl die digitale Welt zum Copy-Paste verführt, erkennt ein erfahrener Personaler sofort, wenn er eine „Massensendung“ erhält. Derartige Mails nehmen sehr oft den gleichen Weg wie die Reklame im häuslichen Briefkasten: ungelesen in den Papierkorb. Ohne auf das Unternehmen abgestimmte Unterlagen geht also, wie bei der klassischen Mappe per Post, nichts.

Die eine oder andere Regel sollten Sie dann noch zusätzlich beachten: Ganz wichtig ist der möglichst genau identifizierte Empfänger! Die Adresse post_schlachterei_schulze@gmx.de ist völlig in Ordnung, denn die Schlachterei Schulze wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht über Hunderte von Mitarbeitern (und damit potentiellen Email-Empfängern) verfügen und hat auch nicht in jedem Fall eine eigene Website oder einen eigenen Mailserver. info@worldwidetrade.com ist da schon sehr viel kritischer: Jetzt kommen theoretisch tausende Mitarbeiter in allen Filialen weltweit in Frage, die vielleicht Ihre Bewerbung erhalten – das kann im dümmsten Fall auch das Containerterminal in Hongkong sein. Also: Unbedingt den richtigen Empfänger mit seiner persönlichen Adresse in Erfahrung bringen. Geht das nicht (manche Firmen geben diese Adressen gar nicht heraus), ist personalabteilung@handels-ag.de als Notlösung auch akzeptabel.

„Neue Mail von Schnuckelchen eingetroffen“

Das geht gar nicht. Genauso wichtig wie der möglichst genau identifizierte Empfänger ist Ihre eigene Absenderadresse. „Schnecke_1982“, „Kickers-Freak“ oder „Holsten-Hummel“ sorgen vielleicht für kurze Heiterkeit in der Personalabteilung, bringen Sie unter allen Bewerbungen aber garantiert nicht ganz nach oben auf den Stapel. Besorgen Sie sich eine neutrale und seriöse Emailadresse bei einem der großen Provider – Sabine.Beispiel@web.de ist eindeutig und unverfänglich. Vergessen Sie Ihre Signatur, also den vollständigen Absender mit Adresse und Telefonnummer nicht. Natürlich steht das nochmals auf dem Lebenslauf und dem Anschreiben – bequemer ist es aber für alle, wenn direkt in der Email steht, von wem sie kommt.

Viele kostenlose Mailprovider hängen übrigens ganz automatisch an jede Ihrer Mails Werbung – prüfen Sie ganz einfach mit einem Freund, wie Ihre Mail beim Empfänger ankommt oder Sie schicken sich selbst einmal eine Mail (empfiehlt sich übrigens auch mit jeder Bewerbung – als Test, ob auch alles so ankommt, wie vorgesehen). Für ein paar € im Jahr ist in der Regel ein besseres Angebot (mehr Speicher etc.) bei jedem Provider im Angebot – ohne angehängte Werbung. Noch bevor die Mail geöffnet wurde, ist neben dem Absender der Betreff oder Bezug zu erkennen. Helfen Sie dem Empfänger! „Bewerbung um einen Ausbildungsplatz“ ist das Mindeste – besser ist zusätzlich die Kennziffer aus der Stellenanzeige, der Ausbildungsberuf sowie bei großen Unternehmen der Standort.

Da so ziemlich jede Bewerbungsmail irgendwann doch ausgedruckt wird, um kopiert oder abgelegt zu werden, ist die Form sehr wichtig. Also erstellen Sie auf jeden Fall alle Teile der Bewerbung mit der gleichen Sorgfalt, als würden Sie sie ausgedruckt verschicken. Die eigentliche Email besteht dann nur aus wenigen Zeilen, mit denen Sie Ihre eigentliche Bewerbung ankündigen. Außerdem sollten Sie mit EINEM Satz den Empfänger neugierig machen, Ihre Anlagen überhaupt zu öffnen (also z.B. den Hauptgrund nennen, warum Sie genau der richtige Kandidat / die richtige Kandidatin für den freien Ausbildungsplatz sind). Nutzen Sie auf jeden Fall die Betreff-Zeile in Ihrem Mailprogramm. 50 oder auch 100 oder sogar mehr eMails pro Tag sind für einen ganz normalen Angestellten im Büro keine Seltenheit – wenn dann Ihre Bewerbung erst geöffnet werden muss, um überhaupt zu erfahren, um was es geht, haben Sie schlechte Karten.

Datenmengen – Big ist beautiful?

Auch in Zeiten von Flatrates und DSL-Anschlüssen sind viele Emailserver, vor allem in Firmen, in Bezug auf die transferierten Datenmengen beschränkt. Also: Alle Dateianhänge komprimieren oder gleich in einer geringen Auflösung abspeichern – 72 DPI reichen völlig aus. Und Ihr Bewerbungsfoto soll zwar einen guten Eindruck machen, aber niemand will von dieser Datei ein Poster drucken. Also speichern sie das Bild in einem Dateiformat wie JPEG, in einer Auflösung von max. 72 DPI und Größe, dass es nicht mehrere MByte hat. Oder bestellen Sie es gleich für Emails – die Profis im guten Fotostudio wissen dann, was Sie benötigen. Ihre gesamte Bewerbungsmail sollte mit allen Anhängen 1 bis max. 2 MB nicht überschreiten.

Dateiformate – Wird schon passen?

Zwar arbeiten weltweit über 90% aller Firmen mit den Produkten von Windows – aber eben nicht alle. Und das Hauptproblem der elektronischen Post bekämpfen mehr oder weniger intelligente und effektive Spamfilter. Nun mögen viele dieser Spamfilter Dateianhänge an Emails in den Formaten .doc, .xls oder besonders .exe überhaupt nicht. Ergebnis: Im besseren Fall wird der Empfänger auf den (vorerst) blockierten Eingang einer potenziell gefährlichen Email hingewiesen – ein toller Start Ihrer Bewerbung! Im schlechteren Fall filtert bereits der zentrale Server im Keller des Unternehmens Ihre liebevoll zusammengestellte Bewerbung aus und sie kommt nie an. Außerdem haben Sie keinen Einfluss darauf, über welche Fonts und Schriften der Empfänger auf seinem Rechner verfügt – wenn er Ihren sorgfältig gestalteten Lebenslauf ausdruckt und das Programm die von Ihnen gewählte Schrift durch eine andere ersetzt, kann das optische Ergebnis eine Katastrophe sein.

In der Regel virenfrei, mit relativ wenig Speicherplatzbedarf, international gültiger Standard und vom Empfänger weder inhaltlich noch im Aussehen zu verändern ist das PDF-Format. Gelesen werden können PDF-Dateien vom Acrobat Reader, den es an jeder Ecke im Internet kostenlos zum Download gibt. Word- oder Excel-Dateien umwandeln oder direkt PDF-Dateien erstellen können Sie z.B. mit dem Programmpaket Open Office, das ebenfalls kostenfrei im Netz erhältlich ist. Alle gängigen Scanprogramme bieten das Erstellen von PDF-Dokumenten an. Und verzichten Sie auch auf ZIP-Anhänge – das notwendige Programm zur Dekomprimierung ist längst nicht auf jedem Rechner installiert; außerdem kann diese Funktion aus Sicherheitsgründen auch von der IT-Abteilung des Unternehmens grundsätzlich blockiert sein.

Nomen est Omen?

Nun schicken Sie Ihre Bewerbung zwar als hübsches Paket – eine kurze Email mit möglichst wenig Anhängen. Aber das bleibt nicht zwangsläufig so. Ihr Foto kommt schon vorab der guten Ordnung halber in das Personalarchiv, Ihren Lebenslauf möchte sich der Prokurist nach dem Meeting noch einmal ganz in Ruhe ansehen und die Noten aus Ihren Zeugniskopien erfasst die Personalabteilung schon einmal für eine Statistik – kurz gesagt: Irgendwann werden Ihre Email und die Anhänge vielleicht getrennt. Nun können Sie Ihr JPEG nicht auf der Rückseite beschriften. Wenn die Bestandteile Ihrer Bewerbung jetzt total kryptische Bezeichnungen bzw. Dateinamen haben, haben Sie schon wieder schlechte Karten. Also benennen Sie die Dateien klar und unmissverständlich: „Max-Mustermann.PDF“ geht nicht so leicht verloren und kann auch nach ein paar Wochen wieder einwandfrei zugeordnet werden. Und: Besser ein Dateianhang als ein Dutzend! Personaler sind bequem – nicht jeder öffnet jeden Anhang und sortiert für sich dann noch Zeugnisse und Bescheinigungen.

Irre wichtig! / Brandeilig! / Höchstpersönlich!

Verzichten Sie darauf, Ihre Bewerbung als „Priorität hoch“ oder „Eilig“, „Wichtig“ oder „Vertraulich“ zu kennzeichnen – das wirkt in der Regel überheblich oder anbiedernd. Verschlüsseln Sie Ihre Email nicht – wer weiß, ob der Empfänger über die Technik und das Know How zum Entschlüsseln verfügt. Lassen Sie auch die Finger von der Option „Lesen / Öffnen der Nachricht bestätigen“ – dies kann unter Umständen für den Empfänger sichtbar sein und derart kontrollieren lässt sich nun wirklich niemand gern. Und speichern Sie Ihre komplette Bewerbung mit Anhängen – damit Sie nicht den Überblick verlieren (spätestens beim Vorstellungsgespräch sollten Sie ganz genau wissen, bei wem und wie und warum Sie sich beworben haben).

Eine Checkliste als PDF zum Download gibt es hier.

Die größten Fehler bei der Bewerbung

Rechtschreibfehler, falsch recherchierte Ansprechpartner, zu große Dateien: Laut Personalverantwortlichen bringen sich bis zu 75 % aller Bewerber mit gravierenden formellen Fehlern selbst um ihre Erfolgschancen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Online-Stellenmarktes www.kalaydo.de unter knapp 300 Personalverantwortlichen.

„Viele Bewerber unterschätzen offenbar, wie viel die Sorgfalt in ihren Unterlagen zum Erfolg beitragen kann“, erläutert Matthias Olten, Leiter des Stellenmarktes von kalaydo.de, die Umfrage-ergebnisse. „Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass nicht wenige Bewerber eher auf Masse als auf Klasse setzen und ihre Bewerbungen geradezu am Fließband produzieren. Die Umfrage zeigt jedoch, dass eine gute und sorgfältig angefertigte Bewerbung ein entscheidender Vorteil sein kann“, so der Personalexperte. Die Resultate der Umfrage sind alarmierend: Die Quote fehlerhafter Bewerbungen liegt demnach bei durchschnittlich 39 %. Mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, die Fehlerquote liege zwischen 25 und 50 %. Fast ein Viertel der Personalverantwortlichen hält sogar 50 bis 75 % aller Bewerbungen für fehlerhaft.

Was sind die größten Fehler bei der schriftlichen Bewerbung?

Rechtschreibfehler: 85,2 %
Fehlende Kenntnis der ausgeschriebenen Stelle oder des Unternehmens: 57,0 %
Falsch recherchierte Ansprechpartner: 54,4 %
Unpassendes Bewerbungsfoto: 52,6 %
Schlechte / unpassende Formulierungen: 50,7 %
Textpassagen, die offensichtlich aus einem Bewerbungshandbuch abgeschrieben sind: 38,5 %
Anschreiben ohne Begründung: 33,0 %

Und die größten Fehler in Online-Bewerbungen?

Unvollständige Anlagen (Lebenslauf etc.): 70,7 %
Zu große Dateien: 58,9 %
Unseriöse Mail-Adressen (z.B. 123kalle@…): 56,3 %
Schlecht formatierte Dokumente: 52,2 %
Verwendung falscher Dateiformate: 50,7 %
Verwendung von Abkürzungen (z.B. MfG): 41,5 %

Der Lebenslauf – Alles auf einen Blick

Schon irgendwie fies: Sie sollen Ihr ganzes bisheriges Leben auf einem Blatt unterbringen. Tabellarisch, ohne Schnörkel und Ausschmückungen, ohne Fußnoten oder Erklärungen. Und zeitlich sortiert soll es auch noch sein; strukturiert sowieso. Und warum der ganze Aufwand? Damit der Empfänger auf der sprichwörtlich ersten Blick erkennt, mit wem er es zu tun hat. Viele Personaler werfen (nur) den ersten Blick auf dieses Blatt – vor dem Anschreiben, den Zeugnissen und dem ganzen Rest der Bewerbungsmappe. Also: Diese Blatt ist WICHTIG! Ein sauber strukturierter und in sich schlüssiger Lebenslauf sorgt dafür, dass Ihre ganze Bewerbung gelesen wird.

Man unterscheidet zwei Arten von Lebensläufen: Die „deutsche“ Version ist chronologisch aufgebaut, startet also mit Ihrer Geburt und endet mit dem aktuellen Stand, also z.B. der Klasse oder dem Semester, in dem Sie sich gerade befinden. Vorteil: Der Empfänger liest in der gewohnten Zeitabfolge. Nachteil (für Sie): „Lücken“ (siehe unten) sind auf den ersten Blick zu erkennen. Und: Die zu Beginn einer Ausbildung wichtigsten Punkte, nämlich Schulbildung und erreichte oder angestrebte Abschlüsse, stehen erst am Ende.

Alternativ können Sie Ihren Lebenslauf nach dem „amerikanischem“ Muster aufbauen: Hier ist die Chronologie quasi rückwärts – Sie beginnen mit dem aktuellen Status und gehen dann zurück bis zur Geburt. In dieser Version werden unterschiedliche Informationen außerdem thematisch vorsortiert; also beispielsweise nach (Schul)-bildung, Hobbies oder Interessen, Auslandsaufenthalte, besondere Qualifikationen, Praktika, (Ferien-) Jobs, freiwillige Engagements usw.

Beide Versionen sind grundsätzlich tabellarisch abgefasst. In beide Fassungen gehören Name, komplette Anschrift, Familienstand, Geburtsort und -datum. Machen Sie konkrete Angaben, also nicht: „2002 bis 2003:  Praktikum als Modedesignerin im Atelier Schönschnitt“ (das können nämlich 2 Monate oder auch 24 Monate sein), sondern „Oktober 2002 bis März 2003“ – dann weiß jeder Leser Bescheid. Angaben zu den Eltern sind nicht mehr zeitgemäß, können aber hilfreich sein, wenn z.B. ein Elternteil in der gleichen oder einer ähnlichen Branche tätig war oder ist. Und der Lebenslauf wird auf jeden Fall aktuell datiert und unterschrieben.

„Lücken“ im Lebenslauf?

Bevor sich ein Personalchef selbst Gedanken macht, was Sie wohl 9 Monate zwischen Schul­abschluss und Beginn der Wehrdienstzeit gemacht haben oder warum Sie 10 Jahre bis zum Abschluss der 8. Klasse benötigt haben, füllen Sie diese Lücken! Entweder Sie sind ganz einfach ehrlich: Eine wiederholte Klasse ist eine wiederholte Klasse – überlegen Sie sich für das Vorstellungsgespräch eine möglichst plausible Begründung. Oder Sie verwenden einen Lebenslauf in der „amerikanischen“ Version – dann fallen Löcher zumindest nicht auf den ersten Blick auf. Grundsätzlich gilt: Für ausgedehnte Ferien z.B. nach dem Stress der Abiprüfung wird jede Personalabteilung Verständnis haben. Ab drei Monaten sollte das „Rumgammeln“ aber irgendwie positiv verpackt werden – wenn Sie die Zeit im Ausland verbracht haben, haben Sie sich doch bestimmt auch mit Land & Leuten beschäftigt, oder?

Generell ist das Verständnis für „Brüche“, für unübliche Auszeiten und nicht mehr stromlinienförmige Lebensläufe in den letzten Jahren gestiegen. Auch wenn längst nicht jeder eine Karriere vom Hausbesetzer zum Außenminister hinlegt, ist doch nicht mehr jedes Jahr Rucksackurlaub in Australien ein Karrierehindernis; entscheidend ist, was Sie daraus machen und wie Sie es verpacken. Mehr dazu, was im Lebenslauf erlaubt ist (und was nicht), finden Sie hier.

Grundsätzlich gilt: Der Lebenslauf ist kein „Anhang“ Ihrer Bewerbung, sondern, wie das Anschreiben, Teil Ihrer BeWERBUNG! Also nutzen Sie ihn, um ein möglichst positives, sympathisches und für die angestrebte Stelle stimmiges Bild Ihrer Persönlichkeit zu vermitteln – schließlich kennt das Unternehmen Sie (bisher) nicht persönlich.

Eine Checkliste als PDF zum Download gibt hier.

Das Bewerbungsfoto – „say cheese“

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte – ­knapper lässt sich das Gewicht Ihres Bewerbungsfotos nicht beschreiben.Bevor in der Personalabteilung jemand Ihr Anschreiben liest, wird Ihr Bild betrachtet. Das hat nichts mit Oberflächlichkeit aller Personalverantwortlichen zu tun, sondern ist entwicklungsgeschichtlich im menschlichen Gehirn angelegt und nicht zu ändern. Dass ein Foto aus dem Automaten absolut tabu ist, versteht sich von selbst. Auch der bestgelungene Urlaubsschnappschuss hat in der Bewerbungsmappe nichts zu suchen.

Bewerbungsfotos lassen Sie beim Profi machen – das Geld ist gut angelegt! Der Fachmann wird Ihnen dann sagen und zeigen, wie Sie am besten sitzen, welcher Gesichtsausdruck der passende ist, wohin Sie schauen sollten usw. Professionelle Studios fotografieren digital – das Retuschieren z.B. eines Pickels ist üblich und kein Problem. Und neben hochwertigen Abzügen für die Bewerbungsmappe bekommen Sie dort auch digitale Fotos für die elektronische Bewerbung per Mail, idealerweise im JPEG-Format und mit einer Auflösung von 72 dpi (Näheres im Kapitel „Die Bewerbung Online“).

Ein paar Worte zum Outfit (dies gilt auch für das Vorstellungsgespräch): Wählen Sie die Kleidung für den Termin beim Fotographen, die Sie auch während Ihrer Ausbildung tragen werden (ausgenommen natürlich Berufe, in denen Sie Berufskleidung gestellt bekommen). Am besten nehmen Sie gleich zwei Oberteile (Hemd oder Bluse, Pullover oder Sakko) in hell und dunkel zum Fototermin mit – dann hat der Fotograf alle Möglichkeiten, Sie im besten Licht erscheinen zu lassen (Outfit und Fotohintergrund stimmt der Profi nämlich auf Sie ab). Ausführlicher beleuchten wir das Thema Outfit im Kapitel „Das Vorstellungsgespräch“.

Vermeiden Sie jedes Extrem – keinen interessiert, ob Sie VfB-Fan, Gothic-Anhänger oder Freizeit-Punk sind. Auch die Frisur sollte, soweit möglich, eher zurückhaltend sein. Nichts spricht gegen etwas Gel im Haar – auch bei den Herren der Schöpfung. Aber vier Stacheln in Neongrün sollten es nun wirklich nicht sein. Und die Damenwelt sollte zurückhaltend beim Griff in den Kosmetikkoffer sein – Sie bewerben sich ­schließlich nicht bei DSDS. Dass Sie ausgeschlafen, mit gewaschenen Haaren und die Herren frisch rasiert antreten, versteht sich von selbst.

Wie finden Sie das richtige Fotostudio? Das Angebot „Bewerbungsfotos“ hat nahezu jeder Fotograf auf seiner Homepage – weil es jede Menge Bedarf gibt. Unser Tipp: Vorbeischauen und beraten lassen: Wird gefragt, wofür genau Sie die Fotos benötigen? Wird erklärt, wie der Termin abläuft? Sind die Kosten transparent (auch für später benötigte weitere Abzüge)? Gefallen Ihnen die Bewerbungsfotos, die das Studio bereits gemacht hat? Ist Ihnen der Fotograf überhaupt sympathisch? Wenn nicht: Weitersuchen – ein gutes Foto ist extrem wichtig (und nicht ganz billig).

Dazu „Bewerbungspapst“ Jürgen Hesse:

„Personalentscheider beklagen, dass sie rund 80 % der eingehenden Bewerbungen sofort zur Seite legen – unter anderem, weil das Bewerbungsfoto nicht den Anforderungen entspricht! Achten Sie also auf ein überzeugendes, ansprechendes Bild, das Sie so zeigt, wie Sie vom Unternehmen wahrgenommen werden möchten. Und investieren Sie im Zweifel lieber ein paar Euro für ein professionelles Bild vom Fotografen – anstatt die Bikini-Fotos aus dem letzten Urlaub zu verwenden!“