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Die wichtigsten Versicherungen für Azubis und Studenten

Die Schulzeit ist vorbei, die Frage „Ausbildung oder Studium?“ entschieden. Wenn das Ausbildungsjahr oder das erste Semester beginnt, ist für viele junge Leute der Zeitpunkt gekommen, sich auf eigene Füße zu stellen und auszuziehen. Muss man sich jetzt auch selbst versichern?

Volljährige, unverheiratete Kinder sind in der Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Hausratversicherung während der Erstausbildung bei ihren Eltern kostenlos mitversichert. An der Mitversicherung ändert auch ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder ein Bundesfreiwilligenjahr nichts. Unerheblich ist zudem, ob die Dienste direkt nach dem Schulabschluss, während oder direkt nach der Ausbildung absolviert werden. In der Haftpflichtversicherung sind zusätzlich der Freiwillige Wehrdienst, ein einjähriges Work & Travel-Programm oder eine einjährige Au-pair-Tätigkeit miteingeschlossen. Natürlich dürfen die Mitversicherten in dieser Zeit kein eigenes Einkommen haben: Bafög, Lehrlingsgehalt oder der typische Studentenjob, um ein bisschen Taschengeld dazu zu verdienen, spielen keine Rolle.

Auch die typische Studentenbude ist durch die Hausratversicherung der Eltern mitversichert. Und selbst wenn man sich nach Abschluss der Erstausbildung auf eigene Füße stellt und eine eigene Wohnung einrichtet, besteht die kostenlose Mitversicherung noch ein halbes Jahr weiter. Ereignet sich während der Mitversicherungszeit allerdings ein Schaden, ist die Entschädigung auf einen gewissen Prozentsatz der Versicherungssumme begrenzt.

Aber irgendwann wird es Ernst – Und dann gilt: Wissen ist Macht. Wer sich zum Beispiel vor dem Gespräch mit dem Vertreter über Leistungen und Prämien im Internet informiert oder sich mehrere Angebote per Post kommen lässt, ist schon einmal nicht schlecht gewappnet. Vorsicht vor „Rundum-Sorglos-Paketen“: Sie enthalten oft lukrative, aber nicht wirklich notwendige Versicherungen und sind schlechter auf ihr Preis-/Leistungsverhältnis zu überprüfen. Und es macht keinen Sinn, alle Versicherungen über einen Makler oder eine Gesellschaft abzu­schließen – Mengenrabatte gibt es bei diesen Geschäften nicht; wer vergleicht und getrennt unterschreibt, kann viel Geld sparen.

Das muss einfach sein:

Krankenversicherung

Ist für Auszubildende Pflicht – trotzdem besteht inzwischen die Möglichkeit, sich seine gesetzliche Kasse auszusuchen. Die Leistungen sind weitgehend gesetzlich festgeschrieben, aber die Beitragssätze variieren – ein Vergleich lohnt sich! Azubis müssen sich spätestens 14 Tage nach Beginn einer Ausbildung für eine Kasse entschieden haben. Nach dieser Frist meldet der Betrieb den Auszubildenden bei der Kasse an, bei der er zuletzt war.

Studenten haben es da einfacher: Sie können problemlos über ihre Eltern mitversichert bleiben. Sind die Eltern in einer gesetzlichen Krankenversicherung, ist dies bis zum Alter von 25 Jahren (zzgl. der Zeit für Wehr- oder Ersatzdienst) möglich. Wer älter ist, kann bei den gesetzlichen Kassen einen einheitlichen Studententarif zum Preis von monatlich 64,77 € zzgl. Pflegeversicherung abschließen. Wichtig: Mit dem 30. Geburtstag oder dem 14. Fachsemester endet in der Regel die studentische Krankenversicherung.

Sind die Eltern privat versichert, muss entschieden werden, ob diese Versicherung für das gesamte Studium fortgesetzt wird; ein Wechsel zu einer gesetzlichen Kasse ist vor Ende des Studiums dann nicht möglich. Wichtig: Die Kasse unbedingt schriftlich über die Aufnahme eines Studiums informieren (generell sollten alle Mitteilungen schriftlich erfolgen – eine telefonische Absprache mit dem freundlichen Sachbearbeiter ist Jahre später in den wenigsten Fällen zu beweisen).

Globetrotter, die den Ausbildungsstart noch hinauszögern, oder Studenten, die ein paar Semester im Ausland studieren, sollten zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Denn die gesetzliche Krankenkasse zahlt nur für erforderliche Behandlungen in europäischen und einigen fernen Ländern. Die private Zusatzversicherung hingegen übernimmt die Kosten weltweit – und dann auch für den Rücktransport.

Privathaftpflichtversicherung

Egal, ob Sie die Mingvase Ihrer Freundin zerdeppern, Ihnen bei der gut gemeinten Umzugshilfe der Plasmafernseher Ihres Nachbarn aus den Händen rutscht oder Sie als Radfahrer einen Verkehrsunfall verursachen – alles Fälle für die Privathaftpflicht, die immer dann einspringt, wenn Sie aus Versehen einen Schaden bei einer anderen Person verursachen.

Da vor allem Personenschäden schnell in die Hunderttausende gehen können, ist diese Versicherung ein absolutes Muss für jeden! In der Regel sind sowohl Azubis während ihrer ersten Ausbildung als auch Studenten bei den Eltern mitversichert – fragen Sie zur Sicherheit (schriftlich!) bei Ihrer Versicherung nach, ob eine Familienversicherung besteht. Achtung: Wer nach dem Abitur eine mehrmonatige Auszeit nimmt und dann erst sein Studium beginnt, riskiert im Zweifel seinen Versicherungsschutz – das Studium schriftlich anzumelden, schützt davor.

Die private Haftpflichtversicherung gilt übrigens auch für die Zeit des Bundesfreiwilligendienstes (BFD).

Berufsunfähigkeitsversicherung  (BU)

Rund 40 % der heute 20-Jährigen werden nach aktuellen Prognosen im Laufe ihrer Karriere berufsunfähig. Die Berufsunfähigkeit zählt zu den am meisten unterschätzten Risiken. Viele denken hier immer noch an die klassischen Arbeitsunfälle, dabei sind beispielsweise Depressionen, ein Burn-out-Syndrom oder Rücken- und Gelenkschmerzen viel häufigere Ursachen. Jeder vierte Berufstätige stellt im Laufe seines Lebens einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente – junge Leute in der Ausbildung oder zu Beginn des Berufslebens ohne oder mit nur sehr geringen Ansprüchen an die Rentenkasse sollten dieses Risiko also auf keinen Fall unterschätzen.

Wegen Krankheit oder Gebrechen nicht arbeiten zu können, ist also ein existenzielles Risiko für nahezu jeden. Wie hoch das Risiko einer Berufsunfähigkeit ist, hängt unter anderem vom ausgeübten Beruf ab. Je jünger man in diese Versicherung einsteigt, umso günstiger sind die Beiträge – ausschlaggebend sind unter anderem Vorerkrankungen und der allgemeine Gesundheitszustand. Vorsicht: Wer bei diesen Angaben „schummelt“, riskiert seinen Versicherungsschutz – auch da kann es um Hunderttausende gehen! Wer auf Nummer Sicher gehen will, füllt die entsprechenden Formulare gemeinsam mit seinem Arzt aus.

Mit Beiträgen zwischen 300 und über 1.000 € pro Jahr ist diese Versicherung nicht billig. Und der Vertrag ist extrem komplex, da er sehr stark auf die individuellen Bedürfnisse und abzusichernden Risiken eingeht. Es lohnt sich, sich Angebote mehrerer Versicherungen machen zu lassen.

Die Experten von Finanztest raten dazu, sich schon in jungen Jahren um eine Berufs­unfähigkeits­versicherung zu kümmern, etwa zum Ausbildungs- oder Studien­beginn. Wer früh abschließt, hat zwei Vorteile: Er ist jung und oft noch gesund – das macht den Schutz relativ günstig, denn Lebens­alter und Gesund­heits­zustand wirken sich stark auf den Preis aus. Hier geht es zum Test der Angebote speziell für junge Menschen (Stand September 2018).

Aktuelle Muster-Tarife finden Sie zum Beispiel auf www.stiftung-warentest.de, die solche Versicherungen regelmäßig testet, Checklisten hält z. B. www.finanztest.de bereit.

Wichtig beim Abschluss einer BU:

1. Frühzeitig absichern: Je jünger Versicherte beim Einstieg in die Versicherung sind, desto günstiger fällt in der Regel der Versicherungsbeitrag aus. Denn mit zunehmendem Alter steigt oft die Anzahl der diagnostizierten Krankheiten. Sind Erkrankungen bereits vorhanden, gestaltet sich eine Absicherung generell deutlich schwieriger. Dennoch ist hier Ehrlichkeit ratsam: Denn wer bisherige Erkrankungen nicht korrekt angibt, riskiert seinen Versicherungsschutz.

2. Nachversicherungsgarantie: Wer diese mit abschließt, kann seinen Berufsunfähigkeitsschutz ohne erneute Gesundheitsprüfung nachträglich aufstocken. Die Höhe des Versicherungsschutzes sollte jeweils an sich ändernde Lebens- und Finanzsituationen angeglichen werden.‘

3. Verzicht auf abstrakte Verweisungen: In diesem Fall kann der Versicherer die versicherte Person nicht auf eine andere Tätigkeit verweisen, wenn der aktuelle Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

4. „Sechs-Monate-Prognose“: Üblicherweise gilt jemand als berufsunfähig, der mindestens sechs Monate lang seinem Beruf zu mindestens 50 % nicht nachgehen kann. Bei einer vertraglich fixierten „Sechs-Monate-Prognose“ erfolgen die Rentenzahlungen bereits ab dem ersten Monat.

5. Angebote für junge Menschen: Für Jugendliche und junge Erwachsene gibt es häufig spezielle Angebote – fragen Sie nach! Mit diesen Tarifen können sich Berufsanfänger ihre Risikoabsicherung bedarfsgerecht, zeitlich flexibel und vergünstigt zusammenstellen und gleichzeitig Vermögen für später aufbauen.

Nicht verwechseln sollten Sie die Berufsunfähigkeits- mit der Unfallversicherung. Die Unfallversicherung ist eine mögliche Ergänzung, aber kein Ersatz. Auch sie sollte nur nach eingehender persönlicher Beratung abgeschlossen werden – empfiehlt sich vor allem für Menschen, die z. B. Extremsportarten betreiben. Generell zahlt die Unfallversicherung nur bei dauerhafter Invalidität nach einem Unfall – über 90% aller Anträge auf Berufsunfähigkeit sind jedoch krankheitsbedingt.

Hier kommt es drauf an:

Hausratversicherung

Mit der ersten eigenen Wohnung kommt schnell das Thema „Hausratversicherung“ auf. Und eigentlich jeder hat sie. Nur: Welcher Auszubildende hat in der ersten Wohnung schon Designer-Möbel, Perserteppiche und Hutschenreuther Porzellan? Andererseits kommt mit Laptop, Stereoanlage und der CD-Sammlung schnell ein nettes Sümmchen zusammen. Kurz gesagt: Das ist individuell unterschiedlich und muss jeder selbst entscheiden.

Achtung: Wer in eine WG zieht, sollte sich informieren, ob bereits eine gemeinsame Hausratversicherung besteht. Wenn nämlich jeder Mitbewohner der Wohngemeinschaft über das heutzutage übliche Paket an Unterhaltungselektronik verfügt, lohnt sich die geteilte Prämie allemal. Wer die WG jedoch nur als Zweitwohnsitz anmeldet, ist weiterhin über seine Eltern versichert. Eine gute Entscheidungshilfe: Kann ich es mir finanziell leisten, meine gesamte Einrichtung (also nicht nur die Möbel, sondern auch den Schrankinhalt wie z.B. Klamotten und Geschirr) zu ersetzen? Wenn nicht, ist eine Hausratversicherung sinnvoll.

Rechtsschutzversicherung

Rechtsstreitigkeiten kosten schnell viel Geld. Eine Rechtsschutzversicherung unterstützt Sie daher finanziell dabei, Ihre Ansprüche auch vor Gericht durchzusetzen. Aber: Die Rechtsschutzversicherung bezahlt nicht jeden Rechtsstreit. Deshalb sollten Sie genau prüfen, ob eine Rechtsschutzversicherung für Sie sinnvoll ist.

Eine Rechtsschutzversicherung erleichtert Ihnen den Zugang zum Recht, macht manch einen Prozess finanziell erst möglich. Sie übernimmt Kosten für Rechtsstreitigkeiten bis zur vereinbarten Versicherungssumme. Aber: Einige wichtige Risiken versichern die Anbieter nicht oder nur unzureichend. Ob eine Rechtsschutzversicherung für Sie sinnvoll ist, sollten Sie deshalb genau prüfen.

Wenn Sie sich für eine Rechtsschutzpolice entscheiden, ist wichtig, dass zum Vertragsbeginn noch kein Rechtsstreit vorliegt oder absehbar ist. Die Ursache für einen Rechtsstreit darf grundsätzlich erst nach Ablauf einer Wartefrist von meistens drei Monaten ab Vertragsbeginn eintreten.

Und: Greifen Sie nicht unbedingt zum Rundumschutz. Mit einzelnen Rechtsschutzpakten wie „Privat“, „Beruf“, „Verkehr“ sowie „Eigentum und Miete“ lässt sich der Versicherungsschutz bedarfsgerecht zusammenstellen.

Kfz-Versicherung

Wer als Fahranfänger die Tarife der Kfz-Versicherung abfragt, bekommt oft einen Schock: Nicht selten übersteigt die Jahresprämie den Wert des ersten Autos. Günstiger wird es, wenn man das Auto (oder Motorrad) die ersten Jahre über Vater oder Mutter (ggfls. als Zweitfahrzeug) versichert – einfach einmal bei der Versicherung nachfragen. Nach einigen (hoffentlich schadensfreien) Jahren meldet man dann den Vertrag einfach um. Tipp: Einige Versicherungen bieten Rabatte für Absolventen eines Fahrsicherheitstrainings (bietet u.a. der ADAC an) – auch hier lohnt eine Nachfrage.

Alles andere kann warten!

Wenig BAföG oder geringes Gehalt als Auszubildender – trotzdem eigenes Geld! Studium und Ausbildung, zumal in Verbindung mit der ersten eigenen Wohnung, bedeuten auch Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. Und natürlich möchten Sie das erste eigene Geld auch ausgeben – in der Regel nicht für weitere Versicherungsprämien oder Sparverträge.

Also: Die (private) Altersvorsorge kann warten! Eine Kapitallebensversicherung kann auch nach durchschnittlich drei Jahren Ausbildung noch abgeschlossen werden, ohne immense Einbußen zu riskieren. Generell ist diese Form der Altersvorsorge mit einigen Nachteilen behaftet: Man bindet sich vertraglich über 30 oder 40 Jahre – meist bis zum Eintritt ins Rentenalter. Bekommt man Probleme, die monatlichen Beiträge zu zahlen, bleibt nur die Möglichkeit, die Versicherung beitragsfrei zu stellen – was sich natürlich negativ auf die Auszahlung auswirkt. Oder man muss sogar kündigen – und bekommt oft weniger heraus, als man eingezahlt hat. Insgesamt also ein unflexibles und inzwischen auch in Bezug auf die Verzinsung nicht sehr attraktives Produkt.

Und eine Risiko-Lebensversicherung ist nur sinnvoll, wenn bereits eine Familie zu versorgen ist. Besser also, dieses Geld für den Konsum zu nutzen, als sich bereits in jungen Jahren überzuversichern und dringend notwendige Ausgaben über Kredite zu finanzieren! Aber: Spätestens mit 30 ist es Zeit, an die private Vorsorge zu denken – danach wird es nämlich immer teurer, seinen Lebensstandard im Ruhestand sicherzustellen; Stichwort „Zinseszinseffekt“. Mit Riester-Rente und Sparplänen gibt es aber jede Menge auch staatlich geförderter Alternativen zur Lebensversicherung. Besonders empfehlenswert sind für viele Finanzexperten ETFs.

Was sind ETFs und wie funktionieren sie?

Zitat Finanztip: „Ein ETF ist ein Nachbau eines Börsenindex: Im einfachsten Fall nimmt eine Fondsgesellschaft das Geld der Anleger und kauft dafür all jene Wertpapiere, die im Index enthalten sind. Meist handelt es sich um Aktien oder Anleihen. Nehmen wir als Beispiel den deutschen Aktienindex Dax: Dieser Index zeigt an, wie viel die 30 größten Unternehmen in Deutschland wert sind. Ein ETF, der den Dax abbildet, würde nun genau diese 30 Aktien nachkaufen – und sich dann genauso im Wert entwickeln wie der Dax.

Anleger investieren „in den Markt“

Ein Aktienindex fasst oft diejenigen Unternehmen zusammen, die an der Börse am meisten wert sind – also deren Börsenkurs multipliziert mit der Anzahl an Aktien den größten Betrag ergibt (Börsenwert). Das sind gleichzeitig die bei der breiten Masse an Investoren beliebtesten Unternehmen. Man spricht daher auch davon, dass ein Aktienindex „den Markt abbildet“.  Das Ziel eines ETF ist es, genau die Rendite zu erzielen, die der Index erzielt. Ein ETF versucht damit gerade nicht, durch gezielte Auswahl einzelner Aktien klüger und besser zu sein als die breite Masse der Investoren. Mit einem ETF können Sie einfach und günstig am Marktgeschehen teilhaben, Sie folgen der Mehrheit.

Welche Aktien im Index landen, wird mehrmals jährlich überprüft. Ändert sich die Zusammensetzung des Index, bessert auch der ETF nach.

ETFs sind unschlagbar günstig

Diese Strategie bringt ETFs einen großen Vorteil ein: Sie kosten deutlich weniger als Fonds, bei denen ein Fondsmanager Aktien einzeln aussucht (sogenannte aktive Fonds). Nicht nur zahlen Sie deutlich weniger bis gar keine Provision für die Vermittlung (den Kauf) von ETFs. Auch die laufenden Kosten machen im besten Fall nur ein Siebtel der Kosten aktiver Fonds aus. Im ETF bleibt also von Vornherein mehr von der eigentlichen Wertentwicklung erhalten.“

Es gibt jede Menge Angebote im Markt für kostenlose Depots, bei denen ein Sparplan auf ETFs schon ab 25 € monatlich abgeschlossen werden kann – keine Kosten, keine Arbeit wie aktiver Kauf oder regelmäßiger Check der Börsenkurse.

Mehr zum Thema ETFs gibt es hier.

Eine sehr gute (allerdings nicht kostenlose) telefonische oder persönliche Beratung zu allen Fragen rund um das Thema Versicherungen bieten die Verbraucherzentralen – im Internet finden Sie unter www.verbraucherzentrale.de die Adressen und Kontakt daten für jedes Bundesland.

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Was passiert im Assessment-Center? Jeder gegen jeden?

Nicht selten setzen Unternehmen bei der Personalauswahl ein Assessment-Center (AC) ein (von englisch to assess = beurteilen, auf Deutsch etwa Beurteilungszentrum). Nicht immer werden Sie zu einem Assessment-Center eingeladen – Auswahl- oder Bewerberseminar sind ebenfalls gängige Namen.

Aber was passiert dort? Und warum?

Kurz gesagt: Man setzt Sie unter Druck. Allein oder in der Gruppe bekommen Sie unterschiedlichste Aufgaben gestellt, die im Kern nur eines gemeinsam haben: Sie sind in der Regel überhaupt nicht oder in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht vollständig zu lösen. Und was soll das? Stress erzeugen. Im AC wird simuliert, wie Sie sich unter Stress verhalten und reagieren. Die gestellten Aufgaben rücken dabei in den Hintergrund – wie viel Quadratwurzeln Sie in 5 Minuten ziehen oder welche amerikanischen Bundesstaaten sie auf einer Landkarte eintragen können, ist nebensächlich. Die Beobachter, die sich übrigens immer im Hintergrund halten, interessieren ganz andere Dinge: Wie verhalten Sie sich, wenn Sie eine Aufgabe nicht lösen können? Wie reagieren Sie, wenn Sie feststellen, dass die Zeit knapp wird oder merken, dass Sie einen Fehler gemacht haben? Es geht also darum, wie Sie mit Problemen und Druck umgehen – egal, ob Sie allein im AC sind oder in einer Gruppe.

Bei Gruppenübungen lauten die Punkte, auf die die Beobachter achten: Wie kommt die Gruppe zu einer Lösung? Wird demokratisch diskutiert? Oder zwingt ein Teilnehmer dem Rest seine Meinung auf? Wer bestimmt die Diskussion und wer hält sich im Hintergrund? Wer trägt zur Problemlösung bei und wer stört nur mit seinen Beiträgen? Wer ändert ständig seine Meinung und wer ist überhaupt nicht zu überzeugen? Wer übernimmt welche Rolle in der Gruppe?

Eine beliebte Übung ist z.B. die Postkorb-Aufgabe („Sortieren Sie diese Eingangspost nach „Wichtig“, „Unwichtig“, „Sofort erledigen“ und „Liegen lassen“): Wie viel Post Sie am Ende der (immer zu knappen) Zeit sortiert haben, ist fast Nebensache. Aber: Wie sind Sie vorgegangen? Systematisch? Alphabetisch? Nach dem Zufallsprinzip? Haben Sie sich an Ihr System gehalten? Oder in der Hektik den roten Faden verloren? Haben Sie vielleicht mittendrin Ihr System geändert? Oder alles wieder zusammengeworfen, um von vorn anzufangen?

Es gibt einige gern eingesetzte Mittel, um Stress während des AC aufzubauen oder den Druck weiter zu erhöhen – hier einige Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Das Thema, auf dass Sie sich 20 min für eine Präsentation vorbereitet haben, wird direkt vor der Präsentation durch ein neues ersetzt
  • Aus 10 min Präsentationszeit werden 3 min
  • Statt Beamer und PC haben Sie nur ein Flipchart
  • Mitten im Rollenspiel / in der Gruppendiskussion werden die Standpunkte vertauscht – Sie müssen aus dem Stehgreif die exakt gegenteilige Position vertreten

Kaum ein AC gleicht dem anderen – das hängt mit der Vielzahl von Methoden und Übungen, aber auch mit der Anzahl der Testpersonen und den vom Unternehmen favorisierten Kriterien und Erkenntnissen über die Kandidaten zusammen.

Wesentliche Bestandteile:

  • strukturierte Interviews
  • Gruppenaufgaben, oft mit anschließender Präsentation der Ergebnisse
  • die oben geschilderte Postkorbübung oder ähnliche Simulationen
  • Rollenspiele (sie sind Kunde oder Verkäufer oder…)
  • Präsentationsaufgaben, einzeln oder in Kleingruppen,
  • schriftliche Persönlichkeits- und Leistungstests mit Zeitlimits

Dauert das AC länger und wird von einer Mittagspause unterbrochen oder mit einem gemeinsamen Essen abgeschlossen, gehört das Essen zum Test! Hier geht es zwar nicht um den Stress beim Kampf mit der Hummerzange – Ihre Tischmanieren werden aber genauso aufmerksam registriert wie Ihr Small-Talk. Also definitiv der falsche Zeitpunkt, jetzt über andere Teilnehmer abzulästern oder den ganzen Test als solchen in Frage zu stellen.

Worauf achten die Beobachter?

Wie gesagt, die Allgemeinbildung oder das Fachwissen stehen nicht im Mittelpunkt. Die psychologisch geschulten Beobachter achten auf Ihre zwischenmenschlichen Kommunikationsfähigkeiten, auf bereits erkennbare Führungsqualitäten, auf die Selbstdarstellung und Ihre Interaktion mit anderen.

Wesentliche Kriterien sind:

  • Verhandlungsgeschick
  • Rhetorische Fähigkeiten
  • Belastbarkeit
  • Flexibilität
  • Einfühlungsvermögen
  • Ausdauer
  • Initiative
  • Problemorientierung

Sie sehen, es geht um Sie als Person oder Persönlichkeit – aus dem Abschlusszeugnis sind diese Fähigkeiten oder Charakterzüge nicht herauszulesen. Und damit kommen wir zur Kernfrage:
Wie kann ich mich vorbereiten?

Die natürliche Reaktion eines Menschen auf starken Stress ist Flucht oder Angriff – dieser Instinkt ist angeboren. Auf genau diesen Reflex setzt ein AC im Prinzip – und dagegen können Sie erst einmal überhaupt nichts tun. Die oben genannten Kriterien, auf die bei einem AC geachtet wird, können Sie allerdings innerhalb einer gewissen Bandbreite trainieren – egal ob Ausdauer, Belastbarkeit oder Ihre Rhetorik. Innerhalb einer gewissen Bandbreite bedeutet, dass noch so viel Training aus einem introvertierten und schüchternen Menschen keine „Rampensau“ macht, die aus dem Stehgreif zum umjubelten Mittelpunkt jeder Reisegruppe wird. Und wer sich selbst für die Krönung der Schöpfung hält, kann zwar an seinem Einfühlungsvermögen und seiner Fähigkeit zur Selbstkritik arbeiten – zum zurückhaltenden Vermittler in sensiblen Situationen ist es aber ein sehr weiter Weg.

Unsere Tipps für Teilnehmer:

  • Ruhig bleiben. Der Stress ist gewollt, der Zeitdruck Teil der Methode – alle Aufgaben zu lösen ist schlicht unmöglich.
  • Nicht schauspielern. Es geht um Ihren Charakter und um Ihre Persönlichkeit – Teile von Ihnen, die zu Ihnen „dazugehören“. Bleiben Sie natürlich – alles andere entdecken die Beobachter sowieso.
  • Keine Panik. Die anderen Teilnehmer haben den gleichen Stress – Sie sind also sicher nicht der einzige, der „unter Strom steht“.
  • Nicht „festbeißen“: Kommen Sie bei einer Aufgabe überhaupt nicht weiter, nehmen Sie die nächste in Angriff statt verzweifelt nach einer Lösung zu suchen – so sammeln Sie auf jeden Fall mehr Punkte. Sollten Sie am Ende noch Zeit haben, können Sie die „fiese Nuss“ immer noch knacken.
  • Cool bleiben: Lassen Sie sich bei den Diskussionen nicht von der Gruppendynamik mitreißen – es geht um den Weg zur Lösung. Ob die Lösung von Ihnen kommt, ist nebensächlich. Konkret bedeutet das, dass die gestellte Aufgabe sinnlos sein kann (Wie viel Zeit hat der Weihnachtsmann am Heiligabend pro Kind?) – konzentrieren Sie sich lieber auf die Schritte, die zu einer (theoretischen) Lösung führen könnten.
  • Höflich bleiben: Im Eifer des Gefechts nicht die Fassung verlieren. Sie stehen unter Stress, die Zeit wird knapp und nur Sie haben die Lösung erkannt? Trotzdem bleiben Sie ruhig und lassen auch die anderen zu Wort kommen.
  • Fair und neutral bleiben: Natürlich sind die anderen Teilnehmer Wettbewerber um einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz. Verzichten Sie trotzdem auf offene Konfrontation – die Auswahl übernimmt das Unternehmen noch früh genug. Wer sich bereits während des AC als kleiner Macchiavelli erweist, kommt nicht weit.

Weiterführende Hilfe

Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte: Es gibt jede Menge guter Bücher zum Thema, wir empfehlen z.B. „Assessment Center – Souverän agieren und gekonnt überzeugen“ von Silke Hell, als Taschenbuch (€ 9,50, 170 Seiten) erschienen im dtv Deutschen Taschenbuch Verlag. Manche Volkshochschulen bietet Kurse zum Thema Bewerbertraining und Vorstellungsgespräch an – das hilft nicht nur beim Assessment Center. Unter www.planet-beruf.de bietet die Agentur für Arbeit eine Menge Tipps, Checklisten, Videos und weitere Informationen zum Thema Bewerbung, Vorstellung und AC an – zum Teil sogar mit interaktiven Übungen.

Spannend und hilfreich sind auch sogenannte Self Assessment-Center. Wie der Name schon sagt, bieten Sie die Möglichkeit, ohne echten Stress virtuelle Erfahrungen über sich selbst zu sammeln – ohne echte Beobachter oder Gruppenteilnehmer. Einfach einmal „Self Assessment“ googeln – die ersten 3 Dutzend Treffer kommen dann von den Universitäten (wie z.B. www.studiengangstest.de mit gleich einem Dutzend Studiengängen).  Auf www.cyquest.de findet sich eine Vielzahl kostenloser und unverbindlicher Self-Assessment-Center und Karriereportale unterschiedlichster Unternehmen von der der Allianz über Commerzbank, Deloitte, Edeka, Peek & Cloppenburg, PWC, und Lufthansa bis zu Unilever  (Stand: April 2019) – klicken und Ausprobieren ist angesagt!

Und da wir schon im Netz sind, eine Warnung zum Schluss: Gerade Standards wie die Postkorbübung werden im Internet als Übungspakete angeboten – einzeln oder im Set, neutral, angeblich branchenspezifisch oder sogar von bestimmten Unternehmen. Unabhängig davon, dass die Wahrscheinlichkeit, exakt auf die angebotene Version auch im AC zu stoßen, recht gering ist – für die zum Teil happigen Preise bekommen Sie mindestens ein sehr gutes Buch, das dann den gesamten Komplex abdeckt und nicht nur eine Einzelübung.

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Das Vorstellungsgespräch – Jetzt kommt`s drauf an

„Und laden wir Sie ganz herzlich zu einem persönlichen Gespräch am kommenden Donnerstag…“ Geschafft! Geschafft? Was kann denn jetzt noch schief gehen? Allerhand. Auf den ersten Jubel und die Begeisterung über diese gute Nachricht folgen häufig Unsicherheit, Zweifel oder sogar nackte Panik – je nach Typ und Charakter. Machen Sie sich ein paar Dinge klar:

  1. Das Unternehmen hat Sie nicht eingeladen, um Sie in die Pfanne zu hauen! Sie haben die ersten Auswahlverfahren erfolgreich überstanden und jetzt will man Sie näher kennenlernen. Und das geht nun einmal am besten in einem persönlichen Gespräch.
  2. Ihre Gesprächspartner sind sich im Klaren darüber, dass Sie sich um einen Ausbildungsplatz bewerben und nicht um den Vorstandsposten – niemand wird also Wunderdinge von Ihnen erwarten.
  3. Sie gehen zu einem Vorstellungsgespräch – nicht zu „Wer wird Millionär?“. Sie können sich also vorbereiten.

Also: kein Grund zur Panik – man will Sie besser kennenlernen. Aber nicht Ihre intimsten Geheimnisse ausforschen.

Wissen ist Macht:

Das Vorstellungsgespräch dient dem Betrieb wie gesagt dazu, einen besseren Eindruck von Ihnen zu bekommen. Mit anderen Worten: Man kann sich durchaus vorstellen, Sie einzustellen, ist sich aber noch nicht ganz sicher. Auf das Unternehmen, seine Produkte oder Dienstleistungen, Ihre besonderen Gründe für Ihre Bewerbung und z.B. die Konkurrenz haben Sie sich bereits vor der Bewerbung vorbereitet – frischen Sie diese Informationen auf oder überprüfen Sie sie noch einmal, z.B. im Internet. Im Vorstellungsgespräch geht es außerdem um Sie als Persönlichkeit: Wie verhalten Sie sich? Sind Sie eher offensiv oder zurückhaltend? Können Sie sich gewählt und verständlich ausdrücken? Beherrschen Sie die Grundregeln der Höflichkeit? Wissen Sie, was sie wollen oder ist der Termin für Sie nur einer unter vielen? Können Sie zuhören? Sind Sie vorbereitet, motiviert und strukturiert oder lassen Sie sich einfach überraschen, was auf Sie zukommt? Sie müssen in diesem Gespräch für sich werben und sich verkaufen – aber nicht den Showmaster geben. Seien Sie natürlich, bleiben Sie ruhig – bei guter Vorbereitung besteht kein Grund zur Panik (Millionen junger Menschen vor Ihnen haben diese Gespräche bereits erfolgreich überstanden – warum sollten ausgerechnet Sie es nicht schaffen?).

Vorbereitung:

Bestätigen Sie den Termin. Ein paar Zeilen per Mail („Vielen Dank für die Einladung zum Vorstellungsgespräch am/um. Ich freue mich auf das Gespräch!“) oder telefonisch zeigen, dass Sie am Thema dran sind. Und geben dem Unternehmen die Sicherheit, dass die Einladung auch bei Ihnen angekommen ist. Verschieben Sie den Termin möglichst auf gar keinen Fall! Der Betrieb wird bei einer Verschiebung ableiten, welche Prioritäten Sie (derzeit) setzen – und da sollte der Ausbildungsplatz natürlich ganz oben stehen. Dass Sie den Termin nicht verpassen, versteht sich von selbst. Das Gespräch beginnt für Sie gedanklich (und praktisch) spätestens am Vortag. Eine durchgefeierte Nacht und der anschließende „Dicke Kopf“ sind nicht die ideale Vorbereitung auf dieses wichtige Gespräch. Also rechtzeitig ins Bett und ausschlafen – ohne Schlafmittel. Auch den Besuch beim Lieblingsgriechen um die Ecke sollten Sie sich verkneifen – nicht jeder mag eine Knoblauchfahne.

Kleider machen Leute:

Über 50 % des ersten Eindrucks werden von der äußeren Erscheinung bestimmt, ca. ein Drittel von Klang und Tonfall der Stimme, der magere Rest vom Inhalt des Gesagten. Eigentlich jedes Outfit, daß die Zugehörigkeit zu einer Gruppierung oder eine bestimmte Einstellung oder Haltung zeigt oder auch nur vermuten lässt, ist nicht angebracht. Ob es sich dabei um das VfB-Fan­-Outfit, schwarze Lederjeans, die angesagte Streetwear oder Bomberjacke und Springerstiefel handelt – ab damit in den Schrank! Und auch Highheels, bauchfreie Tops oder Miniröcke sind nicht geeignet.

Das Unternehmen sieht in Ihnen einen (zukünftigen) Repräsentanten – entsprechend sollten Sie sich kleiden (und stylen). Je nach Branche oder angestrebtem Beruf sind die Anforderungen recht unterschiedlich: Banken, Versicherungen, Anwaltskanzleien und viele verkäuferische Berufe bzw. Tätigkeiten mit direktem Kundenkontakt haben eher konservative Erwartungen. Anzug oder eine Kombination aus Sakko und Hose, (natürlich gebügeltes) Hemd mit Krawatte bzw. Kostüm und Bluse sind die richtige Wahl. Und je höher der angestrebte Abschluss bzw. die Karriereaussichten sind, umso eher sollten Sie Ihr Outfit an das zukünftige berufliche Umfeld anpassen – MBA-Abschluss und Latzhose passen einfach nicht zusammen.

Auf der anderen Seite erwartet niemand, dass Sie ein Vorstellungsgespräch für eine handwerkliche Ausbildung im Maßanzug antreten – eine Hose in Kombination mit Hemd oder Pullover bzw. ­dezentem Sweatshirt (Reklame für Bushido machen Sie besser woanders!) ist schon in Ordnung. Vorsicht bei Jeans: Traditionell geschnitten und sauber ist eine Jeans akzeptiert – dies gilt aber weder für Baggytrousers noch für übertriebenen „used-Look“ oder z.B. jede Menge Stickereien. Ein Tipp: Schauen Sie sich einmal an einem normalen Arbeitstag an, in welcher Kleidung die Mitarbeiter Ihrer zukünftigen Firma zur Arbeit erscheinen oder wie die Firma ihr Personal im Internet oder in Broschüren darstellt; so bekommen Sie einen ersten Eindruck vom Dresscode.

Dass es in kreativen Branchen oder Unternehmen wie Medien, Werbeagenturen oder Onlineprovidern lockerer oder toleranter zugeht, ist übrigens ein Gerücht: Wer dort wie ein Pausenclown, übertrieben modisch gekleidet oder extrem durchgestylt antritt, verbessert seine Chancen keinesfalls. Jeder Personalchef wird sich fragen: „Was wollen Sie betonen bzw. erreichen?“ Oder noch schlimmer: „Was wollen Sie verstecken?“ bzw. „Wovon wollen Sie ablenken?“ Ganz wichtig: Verkleiden Sie sich nicht! Wer noch nie in seinem Leben eine Krawatte gebunden hat, wird sich im Anzug mit Weste und nagelneuen, aber drückenden Schuhen nicht wirklich wohlfühlen – und das sieht man Ihnen dann an. Wählen Sie dann besser einen Kompromiss: Jeans und Jackett, ggfls. ohne Krawatte, können auch eine Alternative sein. Und lassen Sie Ihren Konfirmationsanzug im Schrank – Ihr Outfit muss nicht den letzten Trend aus Mailand widerspiegeln, sollte aber halbwegs aktuell sein (und natürlich passen).

Grundsätzlich gilt, dass natürlich alles sauber und gepflegt ist, also nicht nur frisch gewaschen, sondern gebügelt, Schuhe geputzt usw. Beim Haarstyling ist weniger mehr, ebenso bei Parfum und Aftershave. Das Thema Mundgeruch haben wir schon angesprochen (werfen Sie im Zweifel vor dem Termin einen Kaugummi oder ein Pfefferminzbonbon ein). Gegen den Stress und das Muffensausen direkt vor dem Gespräch hilft angeblich eine Kippe – zumindest den Rauchern. Aber dann stinken Sie – für einen Nichtraucher – wie ein voller Aschenbecher. Besser, Sie unterdrücken diesen Drang bis nach dem Termin. Zurückhaltung ist auch beim Schmuck angesagt und, für die Damen, beim Griff in den Schminkkoffer. Wird ein Knopf im Ohr oder ein dezenter Ring heutzutage auch bei einem Mann akzeptiert, sollten alle sichtbaren Piercings, soweit möglich, entfernt werden. Gegen sichtbare Tätowierungen (Gesicht, Hals, Hände und Unterarme) sowie dauerhafte Piercings und Brandings fällt uns allerdings auch nichts ein – mit der Karriere als Nachrichtensprecher wird es in diesem Fall wohl nichts.

Sonst noch was?

Zum Vorstellungsgespräch bringen Sie auf jeden Fall einen Satz Kopien Ihrer kompletten Bewerbungsunterlagen, die Einladung zum Gespräch, die Telefonnummer der Firma, Schreibzeug und Ihr (aufgeladenes) Handy mit. Nicht schaden kann ein Textmarker, Taschentücher, ein Taschenrechner sowie ein paar Kaugummis. Und das Ganze in einer Mappe oder Aktentasche – nicht in einer Plastiktüte oder sogar lose in der Hand.

Anreise:

Dass Sie auf gar keinen Fall zu spät kommen, ist ebenfalls eine Selbstverständlichkeit. Informieren Sie sich rechtzeitig über die genaue Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen Fahrzeug (dazu gehört auch die Parkplatzsituation). Fahren Sie die Strecke vorher ab, wenn Sie sich unsicher sind (im Berufsverkehr; nicht am Sonntagnachmittag). Zugverspätungen, verpasste Busse oder der überraschende Stau auf der B-Sonstnochwas werden als Entschuldigung kaum akzeptiert – schließlich hätten Sie sich ja rechtzeitig informieren können. Also planen Sie ausreichend Luft ein und fahren Sie entsprechend früher los – gehetzt und „auf der letzten Rille“ anzukommen ist schließlich auch nicht ideal. Etwas anderes sind „Naturkatastrophen“ wie unerwarteter Schneefall, die den gesamten Verkehr lahmlegen. Aber: Melden Sie sich in diesem Fall – ein kurzer Anruf aus dem Stau schafft bei allen Beteiligten Klarheit und ist mehr als höflich.

Es geht los:

Vorstellungsgespräche folgen mehr oder weniger einem immer gleichen „roten Faden“. Zu Beginn werden Sie begrüßt – grüßen Sie zurück. Streckt man Ihnen eine Hand entgegen, greifen Sie zu. Bedanken Sie sich für die Einladung zum Gespräch. Das Gespräch beginnt mit Small Talk – gegenseitiger Vorstellung der anwesenden Personen, das Wetter, Ihrer Anreise. Achten Sie auf die ­Namen der Personen, die Ihnen vorgestellt werden – haben Sie einen Namen nicht oder nicht richtig verstanden, fragen Sie sofort nach! Fast alle Menschen reagieren extrem empfindlich, wenn Sie falsch angesprochen werden – Mitarbeiter in Personalabteilungen sind auch nur Menschen. Mitunter folgt dann eine Präsentation des Unternehmens – machen Sie sich Notizen, wenn Sie Fragen dazu haben.

Und erkundigen Sie sich, wann diese Fragen beantwortet werden. Grundsätzlich ist das Bewerbungsgespräch ein möglichst aktiver ­Dialog – Sie müssen und sollen zwar eine Menge Fragen beantworten, zeigen jedoch (mit den richtigen) eigenen Fragen, dass Sie sich Gedanken gemacht haben bzw. dem Gespräch aufmerksam folgen.

Der dann folgende Teil dient zum einen der Information, zum anderen will Ihr zukünftiger Arbeitgeber wissen, ob Sie gut vorbereitet sind. Auch wenn Sie Ihren Werdegang, Ihre schulische Situation, das familiäre Umfeld und z.B. Ihre Hobbies bereits im Lebenslauf angegeben haben, erläutern Sie das auf entsprechende Fragen noch einmal. Bleiben Sie dabei knapp und präzise – Sie sollten weder demütig „katz­buckeln“ noch auf den Putz hauen wie Lottokönig Karl.

Die „Knackpunkte“ – jetzt kommt es drauf an!

Jetzt beginnt das eigentliche Vorstellungsgespräch, man stellt Ihnen Fragen wie „Warum wollen Sie… werden?“, Warum wollen Sie diesen Beruf ausgerechnet in unserem Betrieb lernen?“ oder „Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?“. Überlegen Sie sich rechtzeitig Antworten auf diese Fragen – sie kommen garantiert. Bleiben Sie immer dabei sachlich und ehrlich – man will unter anderem erfahren, ob und wie Sie sich selbst einschätzen (können). Versuchen Sie, jeder Schwäche möglichst eine Stärke gegenüber zu stellen.

Und prüfen Sie (sich), welche Stärken und Schwächen einen Bezug zum angestrebten Job haben – Ihre Schwäche für Nutellabrot ist nicht von Relevanz (aber Ihre Stärken und Schwächen haben Sie ja bereits vor der Entscheidung für einen bestimmten Berufszweig analysiert, oder?).

Achtung: Männer neigen bei der Selbsteinschätzung eher zu Übertreibung, während sich Frauen eher zurückhalten – versuchen Sie, dies möglichst zu berücksichtigen. Spätestens jetzt müssen Sie auch „Dellen“ in Ihrem Lebenslauf erklären oder geradebügeln – Tipps dazu finden Sie im Kapitel „Bewerbung“.

„Haben Sie noch Fragen?“

Zum Ende des Gespräches werden Sie garantiert gefragt, ob Sie selbst noch etwas wissen wollen. Ja, wollen Sie – aber nur, wenn es wirklich offene Punkte sind. Natürlich ist es sinnvoll, sich bereits vor dem Gespräch ein paar interessante Fragen zum Unternehmen selbst oder zur Ausbildung zu überlegen. Stellen Sie diese Fragen aber nur, wenn sie nicht bereits beantwortet sind – sonst wird man Ihnen schnell mangelnde Aufmerksamkeit unterstellen. Und verzichten Sie auf Belanglosigkeiten – wann der ­Arbeitstag Morgens beginnt und wie die Pausenregelung ist, ­erfahren Sie noch früh genug.

Im Zweifel fragen Sie einfach, wie es jetzt weitergeht bzw. wann Sie wieder vom Unternehmen hören werden. Zum Ende des Gesprächs bedanken Sie sich noch einmal und verabschieden sich.

Ein paar Tipps & „Stolperfallen“

Jemanden zu unterbrechen, ist generell unhöflich. Antworten Sie präzise, aber weder zu ausschweifend noch nur mit „Ja“ oder „Nein“. Reden Sie nicht zu schnell – Sie haben ausreichend Zeit und wollen ja nicht den Eindruck erwecken, dass Ihnen die Situation insgesamt unangenehm ist, oder? Sollten Sie gefragt werden, ob Sie nervös sind, antworten Sie ehrlich. „Ja, ein bisschen schon“ nimmt Ihnen jeder ab und niemand übel, während „Nein, überhaupt nicht“ kaum glaubwürdig ist, wenn Sie gerade Ihre Fingernägel bis auf das Nagelbett abknabbern. Auf die Frage, ob Sie sich auch bei anderen Unternehmen beworben haben, sollten Sie einige ausgewählte Firmen parat haben. Es wird niemanden überraschen, dass Sie nicht „alles auf eine Karte“ bzw. einen einzigen Ausbildungsplatz setzen. „Schon mehr als 100, und zwar bei so ziemlich jeder Firma in meiner Stadt“ ist aber die eindeutig falsche Antwort auf diese Frage.

Angebotene Zigaretten oder sogar alkoholische Getränke lehnen Sie höflich ab, dies ist ein Test, ob Sie eventuell schon tagsüber einem Gläschen nicht abgeneigt sind. Sollten Sie in Ausnahmefällen mit Fragen zu Ihrer Religion, politischen Einstellung oder sogar ­sexuellen Orientierung überrascht werden, will man Sie provozieren. Versuchen Sie eine schlagfertige (aber nicht freche!) Antwort zu geben – „Ich kann bestimmt auch als Anhänger der Monarchie ein guter Bankkaufmann werden“ ist so ziemlich das Äußerste, was Sie auf derartige Fragen erwidern sollten. Beendet ist der Termin erst mit Verlassen des Firmengeländes. Wer sich bereits im Fahrstuhl eine Zigarette anzündet, kann den ganzen guten Eindruck binnen Sekunden zunichtemachen.

Übung macht den Meister:

Scheuen Sie sich nicht, das Bewerbungsgespräch mit einem Freund oder den Eltern regelrecht zu trainieren! Zum einen bekommen Sie ein Feedback, ob Ihre Argumentation und Antworten „sitzen“ und Sie dabei glaubwürdig wirken. Zum anderen gewinnen Sie einfach an Sicherheit, wenn Sie diese für Sie neue Situation regelrecht „durchspielen“ – jeder Schauspieler macht vor der ersten Vorstellung nichts anderes. Das hört sich erst mal blöd an, funktioniert aber – versuchen Sie es einfach einmal!

Eine Checkliste als PDF zum Download finden Sie hier.

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Der „frisierte“ Lebenslauf – Was ist erlaubt und was nicht?

Es muss gar nicht die zusammenkopierte Promotion sein – im Lebenslauf sind die Grenzen zwischen geschickter Selbstdarstellung und verbotener Täuschung fließend. Und das betrifft nicht nur Prominenz oder leitende Angestellte – auch die Bewerbung um einen Ausbildungs- oder Studienplatz muss beim „Feintuning“ ehrlich bleiben. Doch was ist erlaubt, was wird noch toleriert und was ist verboten?

Erlaubt sind Notlügen – selbst das Bundesarbeitsgericht räumt dieses Recht ein. Wer z.B. längere Zeit krank war, darf dies verschweigen oder umschreiben. Aber Achtung: ist die Krankheit noch aktuell oder steht sie in direktem Zusammenhang mit dem angestrebten Job, gilt es, ehrlich zu sein. Falsche Angaben zu Konfession, politischer Einstellung, Krankheiten allgemein, der Mitgliedschaft in Gewerkschaften, der Familienplanung oder auch Vorstrafen sind generell zulässig. Auch hier ist jedoch der Einzelfall entscheidend: Wer sich als für eine Ausbildung zum Bankkaufmann bewirbt, hat schlechte Karten, wenn eine nicht angegebene Vorstrafe wegen Unterschlagung herauskommt – das ist dann nämlich ein Grund für eine fristlose Kündigung.

Toleriert wird das Feintuning des Lebenslaufes: Wer weniger positive Aspekte oder Abschnitte umschreibt, ohne zu lügen, hat keine Konsequenzen zu fürchten. Gerade „ungenutzte“ Zeiten, sei es das pure Nichtstun oder auch längere Arbeitslosigkeit, sollten sogar umschrieben werden, da sie in einem Lebenslauf sofort negativ auffallen. Also machen Sie sich im Zweifel bereits vorher Gedanken, was Sie in den nächsten 6 Monaten zwischen Abitur und Studium neben Faullenzen noch anfangen – ein Kurs an der Volkshochschule oder ein gemeinnütziges Engagement muss kein Fulltime-Job sein und lässt sich doch viel besser darstellen. Und ein Sprach- oder PC-Kurs in dieser Zeit lässt sich unter „Fähigkeiten“ gleich ein zweites Mal in der Bewerbung verwerten. Vor allem Berufsanfänger sollten Begriffe wie „Sabbatical“ und Formulierungen wie „Umorientierung“ aber auf jeden Fall vermeiden – kein Personalchef sucht Nachwuchs, der bereits nach der Schule ausgebrannt ist oder nicht weiß, was er will. Kleinere Löcher lassen sich verstecken, wenn man den Lebenslauf nur mit Monaten und Jahren versieht oder gleich thematisch sortiert, also amerikanisch, aufbaut.

Was ist mit „Ehrenrunden“ und abgebrochenen Ausbildungen oder Studiengängen? Wer z.B. eine Klasse wiederholt hat, muss dies nicht ausdrücklich erwähnen. Allerdings wird jeder Mitarbeiter einer Personalabteilung schnell darauf kommen, dass die schulische Laufbahn verlängert wurde. Besser ist es allemal, diese an sich negative Tatsache zumindest zu erklären: Ein Umzug, eine längere Krankheit oder ein anderes einschneidendes Erlebnis (aber nichts erfinden!) sorgen für Verständnis. Das gleiche gilt für eine abgebrochene Ausbildung: Hauptsache, es gibt einen nachvollziehbaren Grund – dann ist das nicht so schlimm. Und im Lebenslauf steht natürlich nicht: „Mai 2010: Studium der Medizin im IV. Semester abgebrochen“. Sondern: „September 2008 bis März 2010: Vier Semester Medizinstudium, Schwerpunkt Allgemeinmedizin“ – Begriffe wie Abbruch, ohne Abschluss, vorzeitig beendet sollten Sie nach Möglichkeit vermeiden.
Wer Hobbys positiv zu Fähigkeiten umformuliert, ist ebenfalls auf der sicheren Seite – nichts spricht dagegen, Aktivitäten im Verein, die Begeisterung für Computer oder das Mitspielen in einer Band positiv darzustellen. Vorsicht ist bei (vermeintlichen) Risikosportarten geboten: Freeclimbing, Drachenfliegen oder Downhill Biken lassen in mancher Personalabteilung sofort die Alarmglocken schrillen – Stichwort Ausfall wegen Verletzung. Schwimmen, Joggen oder Tennis sind weniger kritisch und signalisieren trotzdem sportliche Aktivität (= gesunder Mitarbeiter!).

Eine echte Grauzone sind Sprachkenntnisse: Wenn Sie keinen offiziellen bzw. anerkannten Test wie TOEFL, Cambridge Certificate oder einen LCCI-Test (jeweils mit Zertifikat!) absolviert haben, gibt es kaum exakte Kriterien – was „Grundkenntnisse“ oder „verhandlungssicher“ genau bedeutet, ist immer Interpretationssache. Moderate Übertreibungen sind daher keine Täuschung. Und ob Sie bei Ihrer sechsmonatigen Rundreise durch Australien wirklich Land & Leute kennen gelernt und Kultur & Sprache gepaukt haben oder nur mit einer Dose Bier am Strand lagen, ist kaum überprüfbar. Aber: Sofern Sprachkenntnisse einen konkreten Bezug zur angestrebten Ausbildung haben, müssen Sie damit rechnen, dass z.B. das Vorstellungsgespräch plötzlich auf Englisch oder Französisch geführt wird – wer dann in seiner Bewerbung zu hoch gepokert hat, ist in der Regel aus dem Rennen. Besser: Sofern die Zeit es zulässt, darauf hinweisen, dass man Defizite durch Kurse und Schulungen bis zur Einstellung abarbeitet. Was im Übrigen nicht nur für Fremdsprachen gilt: Das Angebot, sich aktuell fehlende Qualifikationen zu erarbeiten, kommt immer gut an.

Unzulässig ist das Verfälschen von Fakten: Wer z.B. Praktika erfindet, verlängert oder mit völlig neuen Inhalten versieht, begeht eine Täuschung. Dies gilt auch für alle Qualifikationen, die mit Abschluss einer Prüfung erworben werden: Wer stundenlang schwimmen kann, aber keinen Freischwimmer absolviert hat, hat de facto kein Freischwimmerzeugnis. Und das Frisieren von Prüfungen, Zeugnissen oder Abschlüssen ist tabu. Da gibt es auch vom Gesetzgeber kein Pardon: Der Tatbestand lautet Betrug, eine Vorstrafe und die fristlose Entlassung sind die möglichen Konsequenzen. Außerdem kann der betrogene Arbeitgeber z.B. die komplette Ausbildungsvergütung zurück fordern oder sogar Schadenersatz verlangen.

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Die Bewerbungsmappe – Der erste Eindruck zählt

Leider ist es heutzutage keine Seltenheit, dass auf einen ausgeschriebenen Ausbildungsplatz Hunderte, bei großen Firmen sogar tausend oder mehr Bewerbungen eintreffen. Die Bewerbungsunterlagen, egal ob „klassisch“ schriftlich oder elektronisch, werden so zum Schlüsselfaktor jeder erfolgreichen (oder auch erfolglosen) Bewerbung. Denn der erste Eindruck, den Ihre Bewerbung macht, ist nicht mehr zu korrigieren. Zunächst gilt es also, eine ganze Menge formaler Anforderungen zu erfüllen bzw. handwerkliche Fehler zu vermeiden.

Die Optik

Alle Unterlagen gehören in eine Bewerbungsmappe. Es versteht sich von selbst, dass diese Mappe sauber und ohne Eselsohren oder Flecken ist und nur in absoluten Ausnahmefällen ein zweites Mal verwendet wird. Ob Kunststoff oder Karton ist eigentlich egal, auf die Farbe kommt es auch nicht an, allerdings verschmutzen helle Mappen schneller als dunkle und gedeckte Farben wirken seriöser als ein schreiendes Pink. Anschreiben und Lebenslauf werden natürlich auf dem PC (oder notfalls der Schreibmaschine) geschrieben und auf weißem, unliniertem Papier besserer Qualität (mindestens 80 gr/qm, im Bürofachhandel weiß man Bescheid) sauber ausgedruckt. Kopien von Zeugnissen u.a. sollten ebenfalls von guter Qualität sein, kontrastreich und gut lesbar, aber ohne dunkle Schatten, Ränder oder Schlieren. Verwenden Sie unbedingt eine spezielle Bewerbungsmappe – gelochte Unterlagen in einem Schnellhefter fallen durch.

Selbst erstellte Unterlagen wie Anschreiben und Lebenslauf sollten einheitlich gestaltet sein. Linker und rechter Rand je 3 cm, oben und unten je 4 cm sind ein guter Anhalt. Auf dem PC sind jede Menge Schriften – lassen Sie die Finger davon. Die Schrift muss seriös aussehen und gut lesbar sein – mit einer „Arial“ oder „Times New Roman“ sind Sie im grünen Bereich. 11 oder 12 Punkt sind gut lesbare Schriftgrößen, mit der Sie noch genug Informationen auf einer DIN A 4-Seite unterbringen. Bleiben Sie auf jeden Fall bei einer Schriftart und -größe. Wenn Sie etwas betonen oder herausheben wollen, unterstreichen Sie diese Punkte – Finger weg von „fett“, „kursiv“ oder sogar beidem! Viele Textverarbeitungsprogramme wie Word bieten inzwischen auch Gestaltungsmöglichkeiten wie Blocksatz oder zentrierter Satz – das hat in einer Bewerbung nichts verloren. Schreiben Sie normal linksbündig, wie es auch mit einer Schreibmaschine möglich wäre – Sie gestalten schließlich kein Buch und keine Zeitschrift. Und die Schrift ist grundsätzlich schwarz – auch wenn Sie einen Farbdrucker besitzen.

Der Inhalt

„Bitte schicken Sie Ihre vollständigen Unterlagen unter Angabe der Kennziffer an Herrn Müller, Personalabteilung“ – so oder so ähnlich steht es in den meisten Anzeigen. In Ihre Bewerbungsmappe gehören (mindestens) in folgender Reihenfolge.

Bescheinigungen oder Zertifikate über ergänzende Qualifikationen oder besondere, für die Ausbildung relevante Fähigkeiten gehören nur in die Mappe, wenn sie einen Bezug zur Bewerbung haben – Führerscheine, das Freischwimmerabzeichen oder das Surf-Diplom haben darin nichts verloren. In die Mappe gehören also:

  • Anschreiben
  • Deckblatt mit Foto
  • Lebenslauf
  • Kopie des letzten Schulzeugnisses bzw. der letzten Schulzeugnisse
  • eventuell Bescheinigungen von Kursen und Praktika

Arbeitsproben machen in der Regel bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz keinen Sinn. Und: Originale gehören niemals in die Mappe; verwenden Sie immer Kopien!

Formales

Tippfehler, Korrekturen, Rechtschreib- oder Zeichensatzfehler bringen Ihnen bereits die ersten Minuspunkte! Ihr Absender sollte komplett sein – dazu gehört auch eine Telefonnummer für Rückfragen. Eine Festnetznummer macht immer noch einen seriöseren Eindruck, als nur eine Handynummer anzugeben. Und auch an Ihre eMail-Adresse sollten Sie ein paar Gedanken verschwenden (mehr dazu im Abschnitt „Die elektronische Bewerbung“). Eine falsche oder unvollständige Firmenadresse, Firmierung (GmbH? AG? GmbH & Co. KG?) oder ein fehlender oder falsch geschriebener Ansprechpartner in der Adresse haben schon unzählige Bewerbungsmappen direkt in den Papierkorb gespült – informieren Sie sich im Internet, in Telefonbüchern, fragen Sie telefonisch oder persönlich nach und lassen Sie sich Namen zur Sicherheit buchstabieren. Bekommen Sie gar keinen Ansprechpartner heraus, nehmen Sie, vor allem bei großen Unternehmen, den Zusatz „Personalabteilung“ in der Adresse auf – dann landet Ihre Mappe zumindest nicht beim Fuhrparkleiter oder in der Einkaufsabteilung. Und natürlich verschicken Sie Ihre Unterlagen in einem stabilen Umschlag (mit Papprücken) und ausreichend frankiert (im Zweifel selbst zur Post bringen und wiegen lassen). Den Absender auf dem Umschlag nicht vergessen!

Das Anschreiben

In die Betreffzeile gehört die Kennziffer, das Zeichen oder was auch immer die Firma in der Anzeige (oder Online) angegeben hat. Entweder, um einfach die Zuordnung der Bewerbung in einem großen Betrieb mit vielen offenen Stellen zu erleichtern oder um die Resonanz einer Anzeige in mehreren Zeitungen zu überprüfen. Dazu der Hinweis „Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zum …“. Bei Anzeigen ohne Kennziffer geben Sie im Betreff an, wo und wann Sie die Anzeige gelesen haben („Ihre Anzeige in JOB & CHANCEN Frühjahr 2016“). Als Anrede gibt es eigentlich keine Alternative zu „Sehr geehrter Herr…“ bzw. „Sehr geehrte Frau…“. Nur wenn Sie keinen direkten Ansprechpartner in Erfahrung bringen konnten, muss eben „Sehr geehrte Damen und Herren“ genügen.

Was dann folgt, ist im wahrsten Sinne des Wortes, Ihre BEWERBUNG. Also werben Sie für sich! Beginnen Sie mit „Ich bewerbe mich um…“ – nicht „Ich möchte / könnte / würde mich gern bewerben…“ (mehr dazu weiter unten). Erklären Sie, warum gerade diese Anzeige Sie angesprochen hat, warum gerade dieser Ausbildungsberuf Sie besonders interessiert, warum Sie Ihr Berufsleben ausgerechnet bei diesem Betrieb beginnen möchten. Dazu sollten Sie natürlich möglichst viel über das Unternehmen und seine Produkte oder Angebote ­wissen. Also: Freunde, Bekannte, Verwandte, Lehrer ausfragen, im Verein umhören, im Internet surfen… machen Sie sich schlau. Sie müssen im Anschreiben klarmachen, warum Sie die genau passenden Interessen, Fähigkeiten und die Begeisterung bieten, die Sie von möglichst allen anderen Wettbewerbern um diese Stelle unterscheidet. Beenden Sie Ihr Anschreiben mit einer positiven Aussage – „Über ein persönliches Gespräch mit Ihnen würde ich mich sehr freuen.“ ist freundlich und aktiv formuliert und macht klar, dass Sie von sich und Ihren Fähigkeiten überzeugt sind und hoffen, dass es weitergeht. Übrigens: Auch wenn ein Unternehmen vielleicht zwei oder mehr Ausbildungsberufe anbietet, für die Sie sich interessieren – Sie bewerben sich um eine Stelle. Notfalls müssen Sie für eine Alternative eben eine zweite Bewerbungsmappe schicken.

Unter die Grußformel („Mit freundlichem Gruß / Mit freundlichen Grüßen“; nicht: „Hochachtungsvoll“) gehört dann noch Ihre Unterschrift – nicht abgekürzt, nicht übertrieben dynamisch oder künstlerisch (Sie unterschreiben einen Brief und signieren kein Gemälde!). Verwenden Sie einen blauen oder schwarzen Stift (am besten einen Füller) – rot nutzen Buchhalter für die bekannten roten Zahlen. Und das Datum ist natürlich aktuell – spätestens am nächsten Tag werden die Unterlagen abgeschickt. Aber lassen Sie vorher noch jemand kritisch Korrektur lesen – vier Augen sehen mehr als zwei! Und machen Sie sich einen Satz Kopien der gesamten Unterlagen – damit Sie später noch wissen, wo Sie sich wie beworben haben.

Ehrlich währt am längsten

Klar, Sie befinden sich in einer Konkurrenzsituation. Sie stehen unter Druck. Und Sie wollen alles richtig machen. Aber für die schriftliche Bewerbung gelten die gleichen Grundsätze wie später im Vorstellungsgespräch: Bleiben Sie ehrlich! Natürlich ist die Versuchung groß, die eigenen Fähigkeiten oder Kenntnisse etwas „aufzuhübschen“. Das kommt früher oder später ans Tageslicht – gehen Sie einfach davon aus, dass alle Ihre Angaben überprüft werden, bevor Sie einen Vertrag bekommen. Bleiben Sie authentisch! Es hilft Ihnen nicht, wenn Sie sich in Ihrer Bewerbung in den leuchtendsten Farben als (zukünftigen) besten Verkäufer der Welt darstellen und sich tatsächlich in Gegenwart fremder Menschen eher unwohl fühlen. Suchen Sie in Ihrem „Profil“ (das Sie ja hoffentlich erstellt haben) nach anderen Fähigkeiten, die Sie anführen können.

Seien Sie relevant! Wenn Hobbies, Interessen und Fähigkeiten absolut nichts mit der angestrebten Ausbildung zu tun haben, dann haben Sie in Ihrer Bewerbung auch nichts zu suchen. Wer seine Freizeit mit der Playstation verbringt, sollte dies besser verschweigen. Seien Sie ­interessant! Was können Sie, was andere nicht können? Wie und wo heben Sie sich ab? Das können auch ­Aktivitäten sein, die auf den ersten Blick nichts mit Ihrer Ausbildung zu tun haben: Sie sind der Kassenwart oder haben eine andere Funktion in einem Verein übernommen? Klasse! Sie können mit Menschen umgehen, Sie können andere überzeugen (denn Sie wurden ja gewählt) und andere vertrauen Ihnen sogar ihr Geld an. Fast alle Engagements lassen sich entsprechend positiv „verpacken“ – egal ob im Verein, in der Kirche, in einer Partei, in der Nachbarschaftshilfe, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder bei den Pfadfindern. All dies hebt Sie von den anderen Bewerbern ab. Sie waren für eine gewisse Zeit im Ausland (nicht 14 Tage am Ballermann!)? Prima, Sie haben Ihre Sprachkenntnisse vertieft und interessieren sich für andere Kulturen und Gesellschaften! Sie gehen gern in das Theater oder lesen gern? Auch ok – viele junge Menschen haben daran nämlich gar kein Interesse (mehr). Aber auf die Frage nach dem letzten Buch oder Theaterstück sollten Sie spätestens beim Vorstellungsgespräch vorbereitet sein.

In ist, wer drin ist?

Sie haben ein Profil in einem sozialen Netzwerk oder sogar eine eigene Website? Toll, Sie interessieren sich für das Internet und haben sicher gewisse technische Fähigkeiten, die andere nicht haben. Aber Achtung: SEHR kritisch prüfen, ob der neue Chef (und alle zukünftigen Kollegen und Kolleginnen) Ihr Profil oder Ihre Seite wirklich sehen sollen. Die echt witzigen und womöglich feuchtfröhlichen Fotos oder Videosequenzen der letzten Silvesterfeier können nämlich auch nach hinten losgehen. Dass man der größte Fan von Tokio Hotel ist, bringt einen zumindest nicht weiter; genau so wenig wie eine Seite, die sich ausschließlich um Perserkatzen dreht. Über den Lieblingssportverein kann man schon geteilter Meinung sein. Themen wie Politik oder auch Religion sind in diesem Zusammenhang schlicht tabu. Auf der anderen Seite können auf den ersten Blick rein private Hobbies auf der Website Sie auch entscheidend von anderen Bewerbern abheben: Wer z.B. Formel 1-Fan ist und dieses Thema behandelt, wird nicht nur bei BMW oder Mercedes, sondern auch bei jedem Zulieferer und sogar bei dem einen oder anderen großen Sponsor seinen oder ihren Startplatz im Rennen um einen Ausbildungsplatz deutlich verbessern.

So, jetzt müssen Sie Ihre Überlegungen nur noch kurz und knapp zu Papier bringen (kein Personalverantwortlicher liest gern Romane, wenn eine oder maximal zwei Seiten ausgereicht hätten):

  • Formulieren Sie aktiv und positiv.
  • Kurze Sätze sind besser als lange.
  • Strukturieren und gewichten Sie, was Sie aussagen wollen – und bringen Sie dann einen Gedanken nach dem anderen. Und ein neuer Gedanke, eine neue Aussage oder Information bedeutet auch ein neuer Absatz.
  • Vermeiden Sie den Konjunktiv (könnte / würde / dürfte / hätte).
  • Seien Sie selbstbewusst! Sie haben ja Fähigkeiten, Sie haben dem Unternehmen etwas zu bieten. Also bitten Sie (gedanklich) – aber betteln Sie nicht.

Und wenn Sie vor dem Verfassen Ihrer Bewerbung eine Minute Ihr Spiegelbild anlächeln, wird der ganze Stil Ihres Briefes gleich optimistischer und freundlicher (das funktioniert tatsächlich!).

Auffallen um jeden Preis?

Seien Sie sehr vorsichtig, was eine vermeintlich kreative Bewerbung angeht. Selbst in eher aufgeschlossenen Unternehmen wie Werbe- oder Eventagenturen reagieren die Personalverantwortlichen zurückhaltend auf Ihrer Meinung nach witzige Formulierungen, völlig überraschende Bewerbungsfotos oder die Idee, die gesamte Bewerbung auf eine Schiefertafel zu gravieren. Sie wollen vor allem über sich informieren, nicht unterhalten oder gar Irritationen auslösen. Eine strukturierte und fehlerfreie Bewerbungsmappe mit direktem Bezug zum Unternehmen bzw. der freien Stelle überzeugt auf jeden Fall mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit als der witzigste Einfall. Und eine schwache Mappe können Sie auch mit der ungewöhnlichsten Verpackung nicht ausgleichen – WERBEN Sie für sich, aber machen Sie keine REKLAME!

Eine Checkliste als PDF zum Download gibt es hier.

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