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Die Qual der Wahl – Ausbildung oder Studium?

Das letzte Schuljahr vergeht wie im Fluge. Wer das bedenkt, ist gut beraten, sich frühzeitig mit der Frage zu beschäftigen, wie es denn nach dem Schulabschluss weitergehen soll. Vor allem Gymnasiasten mit der begründeten Erwartung, das Abitur (mit welchem Notenschnitt auch immer) zu schaffen, stehen vor drei Optionen: Beginne ich eine Ausbildung? Oder will ich (an einer Universität oder Fachhochschule) studieren? Oder entscheide ich mich für eine Mischform aus Ausbildung und Studium, für ein sogenanntes Duales Studium? Egal welche Entscheidung man trifft, jede hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Es gilt also die Entscheidung zu treffen, die mit den persönlichen Vorstellungen und Zukunftsplanungen am ehesten übereinstimmt.

Die Ausbildung

Die Ausbildung ist der häufigste Start ins Berufsleben in Deutschland. Die Ausbildung im dualen System erfolgt an zwei Lernorten, dem Betrieb und der Berufsschule. Der praktische Teil der Ausbildung wird den Auszubildenden in den Betrieben vermittelt, den theoretischen Teil übernimmt die Berufsschule. Darüber hinaus ist es vielerorts an Berufsschulen auch möglich, Zusatzqualifikationen zu erwerben. Bei Besuch einer berufsbildenden Schule (Schule mit Berufsabschluss) ist die duale Ausbildung durch den allgemeinbildend/theoretischen Unterricht und den praktischen Werkstattunterricht sichergestellt.

Die Ausbildung in den Betrieben findet an drei bis vier Tagen pro Woche statt, an ein bis zwei Tagen (Länderrechtliche Regelungen: je nach Ausbildungsberuf und Ausbildungsjahr) werden Berufsschultage angeboten. Alternativ wird auch sogenannter Blockunterricht durchgeführt. Das bedeutet, dass der Auszubildende bzw. Lehrling für bis zu acht Wochen am Stück vollständig nur in der Schule ist. Sie wird oft ergänzt durch die überbetriebliche Ausbildung, die in eigenen Werkstätten der Handwerksinnungen und Kammern stattfindet. Diese überbetrieblichen Lehrgänge sollen die Ausbildungsdefizite, die durch die Spezialisierung vieler Betriebe entstanden sind, ausgleichen. Die Dauer solcher Lehrgänge kann drei bis vier Wochen pro Jahr betragen. Einige Lehrgänge sind, je nach Ausbildungsberuf, in der jeweiligen Ausbildungsordnung vorgeschrieben, andere sind freiwillig.

Während der Berufsausbildung ist eine Zwischenprüfung abzulegen, die den Erfolg der bisherigen Ausbildung aufzeigen soll. Diese findet in etwa in der Mitte der Ausbildung statt. Am Ende der Ausbildung steht die Abschlussprüfung, in der die zu Prüfenden ihre berufliche Handlungskompetenz nachweisen müssen. Im Handwerk heißt die Abschlussprüfung traditionell Gesellenprüfung.

Vorteile einer Ausbildung:

  • Einkommen: Wer finanziell schnell auf eigenen Füßen stehen möchte, dem bietet sich eine Berufsausbildung an. Ein Azubi verdient ab dem ersten Tag.
  • Schulabschluss & Noten: Für die meisten Ausbildungsberufe ist ein ordentlicher Realschulabschluss völlig ausreichend; wer ein Abitur vorweisen kann, dem stehen praktisch alle Ausbildungsberufe offen – selbst mit schlechten Noten.
  • Praxis: Eine Berufsausbildung vermittelt genau das, was in dem jeweiligen Beruf gebraucht wird. Anders als in der Schule erklärt sich damit der Sinn theoretischer Ausbildungsbestand-teile sofort, denn der Azubi kann täglich in seinem Betrieb nachvollziehen, das dieses Wissen tatsächlich gebraucht wird.
  • Schneller Start: Der Start ins Berufsleben erfolgt praktisch mit dem ersten Tag, Azubis werden in die betrieblichen Abläufe einbezogen und können sofort loslegen.
  • Übernahme: Bei guten Leistungen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, nach Ausbildungsende übernommen zu werden. Das ist für den Betrieb ja der Sinn: Junge Menschen auszubilden und zu übernehmen, die den Betrieb und seine Abläufe schon genau kennen und das Unternehmen aktiv mit voranbringen.
  • Vorbereitung auf ein Studium: Das sehen die Betriebe nicht immer gern, aber legitim ist es schon – wer nach seiner Ausbildung ein Studium beginnt, der weiß bereits, auf was es in der Praxis ankommt und wo es klemmt. Und wer sein Studium erfolgreich abschließt, der hat bei der Jobsuche die besten Karten, denn diese Mischung aus Praxiserfahrung und Theoriewissen macht aus dem Absolventen eine gesuchte Fachkraft.

Nachteile einer Ausbildung:

  • Gehalt: Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung verdient man zwar nicht schlecht, aber gerade langfristig weniger als mit abgeschlossenem Studium. Und: Die Gehaltsschere geht immer weiter auseinander, je länger man im Berufsleben ist.
  • Aufstiegschancen: Die sind bei Akademikern eindeutig besser. Die Wahrscheinlichkeit einer Beförderung in die Führungsebenen eines Unternehmens ist mit abgeschlossenem Studium ungleich höher.

Das Universitäts-Studium

Universitäten kennzeichnet ihre wissenschaftliche und forschungsorientierte Ausrichtung. Es gibt zwar keinen bis ins letzte geregelten Studienablauf, so dass Sie als Student ein wenig mehr Freiraum bei der Studienorganisation haben. Trotzdem sind die organisatorischen Vorgaben seit der Einführung der Bachelor-/Master-Studiengänge heute sehr viel straffer als früher. Zugangsvoraussetzung ist in der Regel die allgemeine Hochschulreife (Abitur). Mit guten oder sehr guten Noten können Sie grundsätzlich alle Studiengänge belegen; mit einer fachgebundenen Hochschulreife nur die der entsprechenden Fachrichtung. Daneben gibt es für viele Studiengänge bundesweite und/oder hochschulspezifische Zulassungsvoraussetzungen und -Tests.

Vorteile eines Universitäts-Studiums:

  • Profundes Wissen: Wenn es ein Sachgebiet gibt, dass Sie so richtig interessiert, dann sind Sie an einer Universität richtig. Hintergründe, Geschichte, Theorien, Forschung, aktuelle Entwicklungen – an einer Universität wird mit wissenschaftlichem Anspruch gelehrt, und das merkt man.
  • Freiheit: Auch wenn es mit der „Akademischen Freiheit“ in Zeiten von Bachelor und Master nicht mehr wirklich weit her ist – das Studium ist ziemlich verschult geworden – haben Sie an einer Uni immer noch die größten Freiheiten, in welche Richtung Sie Ihr Wissen erweitern möchten. Und sein Leben in einer fremden Unistadt selbst in die Hand zu nehmen, ist ja auch ein faszinierendes Stück Freiheit, nicht?
  • Praktika: Sind das A und O eines Studiums, denn nur so erfahren Sie jenseits der vielen Theorie, welche Richtung Ihnen am besten gefällt.
  • Karriere: Ein Studium wird auch in Zukunft ein Karrieresprungbrett sein, nirgends sonst sind die Aufstiegsmöglichkeiten besser. Und Akademiker werden seltener arbeitslos.
  • Gehalt: Wer ein Studium vorweisen kann, steigt mit einem deutlich höheren Gehalt in den Berufsmarkt ein, als etwa mit einer Berufsausbildung. Da lohnt es sich schon, während des Studiums ein paar Jahre lang den Gürtel enger zu schnallen.
  • Status: Ein akademischer Grad ist nicht allein eine Sache der persönlichen Eitelkeit, sondern ist (siehe oben) neben beruflichen Aspekten auch gesellschaftlich vorteilhaft, denn der persönliche Status steigt. Das wird schon relevant, wenn man eine Wohnung sucht: Vermietern sind Akademiker oft als Mieter lieber.

Nachteile eines Universitätsstudiums:

  • Disziplin und Wille: Ein Studium dauert lange und ist anstrengend. Das hält nur durch, wer neben dem nötigen Grips auch den Willen und die Disziplin mitbringt, das Studium bis zum Abschluss durchzuziehen.
  • Kosten: Mehrere Jahre lang ist Schmalhans Küchenmeister, denn schließlich muss ein Student neben allerlei Gebühren auch seinen Lebensunterhalt bezahlen. Bei monatlichen Kosten zwischen 600 und 1.000 € läppern sich schnell gehörige Kosten zusammen und nebenher zu jobben ist nur eingeschränkt möglich. Auch BAföG und Studienkredite sind nur ein kleiner Trost, denn beides muss man später zurückzahlen.
  • Wenig Praxis: Universitäten vermitteln sehr viel Theorie. Wie diese dann in die Praxis umzusetzen ist, steht allerdings nicht auf dem Lehrplan. Hier sind Praktika sehr wichtig.

Das Fachhochschul-Studium

Fachhochschulen (oder auch Hochschulen der angewandten Wissenschaften, University of Applied Sciences) bilden mit einem stärkeren Praxisbezug aus und bieten hauptsächlich Studiengänge in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Design und Sozialwesen an. Der Ablauf des Studiums ist klar in der Studienordnung definiert. Oft muss vor Studienbeginn auch ein fachspezifisches Praktikum absolviert werden. Zugangsvoraussetzung ist die Fachhochschulreife.

Vorteile eines Fachhochschul-Studiums:

  • Mehr Praxis: Allein schon durch vorgeschriebene Pflichtpraktika ist der Praxisbezug deutlich größer. Und auch der Stoff wird weniger theorielastig vermittelt.
    Unternehmenskontakte: Pflichtpraktika sorgen frühzeitig für Kontakte zu Firmen, die nach Studienende für den Berufseinstieg sehr nützlich sind; auch Diplomarbeiten entstehen häufig im Rahmen von Kooperationen.
  • Struktur: Wer Probleme hat, sich selbst effizient zu organisieren, ist an einer FH goldrichtig, denn das Studium ist stark verschult. Feste Stundenpläne und klar strukturierte Abläufe sorgen dafür, dass auch schlechter organisierte Studenten nicht den Anschluss verlieren.
  • Nur Fachabi: An einer FH ist keine allgemeine Hochschulreife erforderlich, das Fachabi tut´s auch.

Nachteile eines Fachhochschul-Studiums:

  • Image: Noch immer haben FH-Abschlüssen bei vielen Unternehmen nicht den gleichen guten Ruf wie Universitätsabschlüsse. Das spiegelt sich auch im Einstiegsgehalt wider, dass bei FH-Absolventen etwas unter denen von Uni-Absolventen liegt.
  • Kosten: Hier ist kein großer Unterschied zu einer Uni festzustellen, wenn überhaupt. Die Kosten liegen praktisch gleichauf.

Das Duale Studium

Das Duale Studium bezeichnet eine Sonderform, nämlich das berufsbegleitende Studium an der Dualen Hochschule (DH). Die Besonderheit: An einer Dualen Hochschule kann nur studieren, wer einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen vorweisen kann. Duale Studiengänge werden jedoch nicht in allen Fachrichtungen angeboten; am häufigsten sind Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Informatik und Wirtschaftsinformatik.

Vorteile eines Dualen Studiums:

  • Gehalt: Ein Duales Studium beinhaltet immer auch ein Gehalt, das vom ausbildenden Betrieb bezahlt wird. Das bedeutet deutlich mehr finanzielle Spielräume als bei jeder anderen Art zu studieren.
  • Theorie und Praxis: Durch die konkrete Einbindung in ein bestimmtes Unternehmen und sich abwechselnde Theorie- und Praxisphasen besteht ständig ein konkreter Bezug zur realen Arbeitswelt, was vieles verständlicher, sinnvoller und nachvollziehbarer wirken lässt.
  • Zwei für eines: „Dual“ bedeutet, dass nicht nur eine Ausbildung, sondern gleichzeitig ein akademisches Studium absolviert wird. Das heißt: In relativ kurzer Zeit hat man nicht nur einen Berufsabschluss, sondern auch einen Studienabschluss in der Tasche.
  • Übernahme: Das Unternehmen, bei dem Sie ein Duales Studium absolvieren, übernimmt Sie mit höchster Wahrscheinlichkeit – nur aus diesem Grund trägt der Betrieb schließlich die hohen Kosten.
  • Kein Abitur: Aber die Fachhochschulreife sollte es zumindest sein. Damit kommt ein Duales Studium auch für begabte und engagierte Realschulabsolventen in Frage.
    Aufstiegschancen: Wer sein Duales Studium mit Erfolg abschließt, kann mit besten Karriereperspektiven rechnen; Gehalt und Aufstiegschancen sind überdurchschnittlich gut.

Nachteile eines Dualen Studiums:

  • Freizeit: Gibt es nur sehr wenig, Ausbildung und Studium zugleich bedeutet eine Doppelbelastung, die kaum Raum für anderes lässt. Fleiß und Durchhaltevermögen sind unverzichtbar.
  • Festlegung: Das Unternehmen, bei dem Sie ein Duales Studium absolvieren, prägt Sie auf die eigenen Anforderungen und bildet vorrangig für die eigenen Bedürfnisse aus. Das kann ggfls. einen späteren Wechsel erschweren.
  • Nur Bachelor: Der Erwerb eines Masters (oder gar eine Promotion) sind nicht vorgesehen. Für den Start ins Berufsleben muss also ein Bachelor reichen.

Fazit:

Berufsausbildung, Studium an Uni, FH oder ein Duales Studium – die Wahl fällt nicht leicht. Neben Interessensfragen sind auch berufliche Perspektiven, finanzielle Aspekte, Arbeitsplatz-Sicherheit und die eigene Persönlichkeit wichtige Entscheidungsgrößen: Brauche ich (stark) strukturierte Abläufe? Oder kann ich mich über mehrere Jahre selbst motivieren, um ständig am Ball zu bleiben? Der erste Schritt sollte also eine gründliche Selbstanalyse darstellen; erst wenn Sie sich ein ungeschminktes Bild ihrer eigenen Persönlichkeit und ihrer Fähigkeiten gemacht haben, können Sie eine fundierte Entscheidung über Ihre weiteren beruflichen Schritte treffen. Damit Ihre Zukunft nicht zum Glücksspiel wird.

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Was will und was kann ich werden?

Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann. Oder Lokomotivführer. Oder noch besser Influencer oder Fashionblogger? Oder doch nicht? Wie finde ich eigentlich den richtigen Beruf für mich? Was liegt mir und interessiert mich? Und was nicht? Und wer hilft mir bei der Orientierung? Eines gleich vorweg: Die Zeiten einer beruflichen Karriere vom Azubi zum Vorstandsvorsitzenden in ein und demselben Unternehmen sind definitiv vorbei. Wer jetzt eine Ausbildung beginnt, kann davon ausgehen, dass er oder sie den Betrieb auf jeden Fall, den Standort mit hoher und die Branche bzw. den ausgeübten Beruf mit einiger Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens wechseln wird, in der Regel sogar mehrfach. Die richtige Wahl des Ausbildungsberufes bleibt natürlich weiterhin eine wichtige Entscheidung; allerdings lautet das Urteil nicht (mehr) „lebenslänglich“.

1. Selbsteinschätzung:

Am Beginn der Überlegungen über den zukünftigen Beruf steht häufig die Frage „Was interessiert mich?“. Das ist grundsätzlich nicht falsch, allerdings sollten Sie dieses Thema doch etwas umfassender angehen. Hilfreich ist es, einmal eine Art „Datenblatt“ von sich selbst anzulegen. Also eine ehrliche (!) Übersicht der eigenen Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen. Hierbei geht es nicht um die der schulischen Leistungen, als vielmehr um eine Art persönlicher Beschreibung.

Also: Mache ich lieber etwas mit den Händen, mit Materialien und Werkzeug? Oder sitze ich lieber vor dem PC? Faszinieren mich Technik oder Maschinen ganz allgemein? Gehe ich gern mit Menschen um? Kann ich andere gut überzeugen oder sogar begeistern? Mache ich gerne etwas in der Gruppe/im Team? Oder beschäftige ich mich lieber allein? Bin ich eher analytisch veranlagt und löse Probleme nach gründlicher Überlegung möglichst aller Konsequenzen? Oder entscheide ich eher schnell und aus dem Bauch heraus? Habe ich gern Abwechslung und ständig etwas Neues? Oder fühle ich mich wohler, wenn ich mich auf bestimmte Regeln und Abläufe verlassen kann? Prüfen Sie sich selbst kritisch: In welchen Situationen fühlen Sie sich wohl? In welchen eher nicht? Welche Aufgaben übernehmen Sie freiwillig und wovor drücken Sie sich eher?

Wichtige Informationen kann Ihre Freizeit liefern: Was machen Sie gern? Sind Sie ständig mit Freunden unterwegs oder kennen Sie eigentlich nur die Playstation so richtig gut? Sind Sie in einem Verein? Schachspieler oder American Football? Welche Hobbies haben Sie? Warum eigentlich? Was gefällt Ihnen an Ihren Hobbies besonders? Achtung: Es geht bei dieser Analyse nicht um Wünsche, Träume oder Idealvorstellungen, sondern um eine möglichst realistische Einschätzung Ihrer Person. Und es geht auch nicht darum, wie „gut“ oder „schlecht“ Sie sind – am Ende dieser Betrachtung sollte also keine positive oder negative Bilanz stehen nach dem Motto „Es gibt viel mehr, was ich nicht kann oder was mich nicht interessiert“. Zu diesem frühen Zeitpunkt sollten Sie möglichst nicht schon an bestimmte Berufe denken, die Sie interessieren oder die im Freundeskreis gerade angesagt sind. Und auch die schulischen Leistungen oder der (angestrebte) Abschluss sollte (noch) kein Ausschlusskriterium oder eine gedankliche Bremse sein.

Und denken Sie (einmal) nicht ans Geld, also die Verdienstmöglichkeiten! Schon gar kein Kriterium sollte eine möglichst hohe Ausbildungsvergütung sein – die maximal 3 Jahre als Azubi gehen relativ schnell vorüber. Wer nicht erbt (oder im Lotto gewinnt bzw. bei Günther Jauch) wird mindestens 40 Jahre arbeiten (müssen) – wie sich die Gehälter einzelner Berufsbilder in dieser Zeit entwickeln, lässt sich wirklich nicht verlässlich prognostizieren. Selbst ein extrem gutes Gehalt verliert schnell seinen Reiz, wenn es in einem Job oder mit einer Tätigkeit verdient wird, die Ihnen nicht liegt oder die Sie nicht mögen – Lohn ist kein Schmerzensgeld. Natürlich verdient ein Bankkaufmann, zumal mit Studium (die finanziell knappe Studienzeit wird nach dem Abschluss durch höhere Einstiegsgehälter in der Regel wieder ausgeglichen), mehr als ein Landschaftsgärtner. Nach 5 oder 10 Jahren Berufserfahrung werden aber mehr Landschaftsgärtner eine eigene Gärtnerei besitzen als Bankkaufleute eine eigene Bank – raten Sie einmal, wer dann die besseren Einkommensmöglichkeiten hat.

2. Überprüfung von außen:

Als nächsten Schritt lassen Sie diese Selbsteinschätzung von jemand überprüfen. Das kann ein guter Freund/eine gute Freundin sein, die Eltern, ein Lehrer des Vertrauens oder der Trainer im Sportverein – eben jemand, der Sie gut kennt und halbwegs ehrlich zu Ihnen ist. Stellen Sie aber nicht die Frage „Ich möchte Schlachter werden – glaubst Du, ich kann das?“, sondern sprechen Sie darüber, ob Ihr Bild von sich selbst stimmt oder ob andere Sie vielleicht anders wahrnehmen. Bitten Sie um eine Einschätzung Ihrer Person nach ähnlichen Kriterien, aber nicht um die gleichen Antworten. Und streiten Sie nicht – es gibt bei diesem Thema kein richtig oder falsch! Nehmen Sie einen anderen Eindruck oder ergänzende Hinweis als nützliche Hilfe, nicht als Kritik an Ihrer Person an! Und sprechen Sie nicht nur mit einer Person über dieses Thema – je mehr Urteile Sie bekommen, umso besser (nein, wir empfehlen keine Umfrage unter allen Schülern Ihrer Klasse). Stimmen danach Ihre eigene Einschätzung und das Feedback der anderen einigermaßen überein – Glückwunsch! Offenbar kennen Sie sich recht gut.

Und wenn nicht? Fragen Sie sich kritisch, ob Ihre SELBSTeinschätzung ehrlich war. Oder ob Sie nicht vielleicht doch auf einen bestimmten Eindruck, ein „Ziel“ oder ein Ideal hinauswollten. Und fragen Sie Ihre Gesprächspartner, WARUM abweichende Eindrücke bei ihnen entstanden sind – Ihr für Sie logisches Verhalten in einer bestimmten Situation ist für alle anderen vielleicht völlig unlogisch bzw. wird ganz anders verstanden, als es Ihre Absicht war.

3. Abgleich:

Haben Sie ein einigermaßen zutreffendes Profil von sich erstellt, ist die nächste Frage die nach den dazu „passenden“ Berufen. Spätestens an dieser Stelle kommen naturgemäß Eltern, Freunde usw. ins Spiel. Wichtiger als Fragen nach Gehalt, Arbeitszeit oder Karrieremöglichkeiten sind in jedem Fall Themen wie „Was ist der Schwerpunkt der Tätigkeit?“, „Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?“ und „Was wird als Ergebnis eines Tages/einer Woche/eines Monats erwartet?“. Nutzen Sie möglichst viele Möglichkeiten, mit anderen über deren Beruf zu sprechen – die (ehrliche) persönliche Auskunft ist durch nichts zu ersetzen! Allerdings werden Sie es kaum schaffen, auf diese Weise auch nur ansatzweise einen vollständigen Überblick der für Sie in Frage kommenden Berufe zu bekommen. Und es wäre doch ärgerlich, wenn Sie Ihren Traumberuf nur deswegen verpassen, weil Sie ihn schlichtweg nicht kennen, oder? Also ab zur Beratung durch die Fachleute bei der Arbeitsagentur zum:

4. Check beim Profi:

Ein wichtiges Informationsangebot (nicht nur) für die erste Orientierungsphase sollten Sie nicht einfach links liegen lassen. Nämlich das Internetangebot (und natürlich die Filialen vor Ort) der Agentur für Arbeit.

Das Onlineportal www.arbeitsagentur.de bietet zahlreiche Services und Informationen rund um die Themen Berufs- und Studienorientierung, Ausbildung und Studium:

 

Navigator „Schule, Ausbildung und Studium“:

  • Welche Berufe passen zu mir?
  • Mit Bildern spannende Ausbildungsberufe entdecken
  • Mit dem Selbsterkundungstool zum passenden Beruf
  • Mit dem Berufswahltest die Eignung überprüfen

Ich will eine Ausbildung machen

  • Ihre Stärken und Interessen
  • Berufsfelder von Baubranche bis Verwaltung
  • Informationen über den Wunschberuf
  • Praktikum im Wunschberuf
  • Ausbildungsplatzbörse

Ich will studieren

  • Ihre Stärken und Interessen
  • Welches Studium und welche Studiengänge?
  • Selbsterkundungstests
  • Studienfelder von Agrarwissenschaften bis Lehramtsausbildung
  • Studiengänge im Detail
  • Den passenden Studiengang bzw. Studienschwerpunkt und die passende Hochschule finden
  • Alternativen zum Wunschstudiengang
  • Zugangsvoraussetzungen und Regeln zum Studium
  • Bewerbungsverfahren um einen Studienplatz
  • Berufsmöglichkeiten nach dem Studium

Ausbildung oder Studium? Oder beides?

  • Voraussetzungen, Vor- und Nachteile

Tipps zur Ausbildungsplatzsuche

  • Adressen, Tipps und Links

Bewerbung um einen Ausbildungs- oder Studienplatz

  • Für Azubis: Bewerbungsmappe, Auswahlverfahren, Bewerbungstraining und Vorstellungsgespräch
  • Für Studenten: Bewerbungsverfahren und -adressen, Zulassung zum Studium und der Numerus Clausus (NC)

Alternativen für die Zwischenzeit

  • FSJ, FÖJ, BFD, Auslandsaufenthalt, Praktika und Nebenjobs

Berufsberatung

  • Von der Orientierung bis zur Bewerbung – kostenlose und professionelle Hilfe von A bis Z vor Ort

Egal, ob Sie noch gar keine Vorstellung von Ihrer Zukunft haben oder Informationen zu einer bestimmten Ausbildung oder zu einer bestimmten Universität suchen: Mit wenigen Klicks sind Sie am Ziel. Außerdem sind die bisherigen unterschiedlichen Seiten wie BERUFE TV, kursnet.de, abi.de, hochschulstart.de, studienwahl.de sowie z.B. die Ausbildungsplatzbörse der Arbeitsagentur in den jeweiligen Bereichen direkt verlinkt – mit einem Klick gibt es mehr Informationen.

Also: Termin machen, vorher alles notieren, was Sie wissen wollen und dann löchern Sie die Experten mit Ihren Fragen, bis auch der letzte offene Punkt zu Ihrer Zufriedenheit geklärt ist!

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Die wichtigsten Versicherungen für Azubis und Studenten

Die Schulzeit ist vorbei, die Frage „Ausbildung oder Studium?“ entschieden. Wenn das Ausbildungsjahr oder das erste Semester beginnt, ist für viele junge Leute der Zeitpunkt gekommen, sich auf eigene Füße zu stellen und auszuziehen. Muss man sich jetzt auch selbst versichern?

Volljährige, unverheiratete Kinder sind in der Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Hausratversicherung während der Erstausbildung bei ihren Eltern kostenlos mitversichert. An der Mitversicherung ändert auch ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder ein Bundesfreiwilligenjahr nichts. Unerheblich ist zudem, ob die Dienste direkt nach dem Schulabschluss, während oder direkt nach der Ausbildung absolviert werden. In der Haftpflichtversicherung sind zusätzlich der Freiwillige Wehrdienst, ein einjähriges Work & Travel-Programm oder eine einjährige Au-pair-Tätigkeit miteingeschlossen. Natürlich dürfen die Mitversicherten in dieser Zeit kein eigenes Einkommen haben: Bafög, Lehrlingsgehalt oder der typische Studentenjob, um ein bisschen Taschengeld dazu zu verdienen, spielen keine Rolle.

Auch die typische Studentenbude ist durch die Hausratversicherung der Eltern mitversichert. Und selbst wenn man sich nach Abschluss der Erstausbildung auf eigene Füße stellt und eine eigene Wohnung einrichtet, besteht die kostenlose Mitversicherung noch ein halbes Jahr weiter. Ereignet sich während der Mitversicherungszeit allerdings ein Schaden, ist die Entschädigung auf einen gewissen Prozentsatz der Versicherungssumme begrenzt.

Aber irgendwann wird es Ernst – Und dann gilt: Wissen ist Macht. Wer sich zum Beispiel vor dem Gespräch mit dem Vertreter über Leistungen und Prämien im Internet informiert oder sich mehrere Angebote per Post kommen lässt, ist schon einmal nicht schlecht gewappnet. Vorsicht vor „Rundum-Sorglos-Paketen“: Sie enthalten oft lukrative, aber nicht wirklich notwendige Versicherungen und sind schlechter auf ihr Preis-/Leistungsverhältnis zu überprüfen. Und es macht keinen Sinn, alle Versicherungen über einen Makler oder eine Gesellschaft abzu­schließen – Mengenrabatte gibt es bei diesen Geschäften nicht; wer vergleicht und getrennt unterschreibt, kann viel Geld sparen.

Das muss einfach sein:

Krankenversicherung

Ist für Auszubildende Pflicht – trotzdem besteht inzwischen die Möglichkeit, sich seine gesetzliche Kasse auszusuchen. Die Leistungen sind weitgehend gesetzlich festgeschrieben, aber die Beitragssätze variieren – ein Vergleich lohnt sich! Azubis müssen sich spätestens 14 Tage nach Beginn einer Ausbildung für eine Kasse entschieden haben. Nach dieser Frist meldet der Betrieb den Auszubildenden bei der Kasse an, bei der er zuletzt war.

Studenten haben es da einfacher: Sie können problemlos über ihre Eltern mitversichert bleiben. Sind die Eltern in einer gesetzlichen Krankenversicherung, ist dies bis zum Alter von 25 Jahren (zzgl. der Zeit für Wehr- oder Ersatzdienst) möglich. Wer älter ist, kann bei den gesetzlichen Kassen einen einheitlichen Studententarif zum Preis von monatlich 64,77 € zzgl. Pflegeversicherung abschließen. Wichtig: Mit dem 30. Geburtstag oder dem 14. Fachsemester endet in der Regel die studentische Krankenversicherung.

Sind die Eltern privat versichert, muss entschieden werden, ob diese Versicherung für das gesamte Studium fortgesetzt wird; ein Wechsel zu einer gesetzlichen Kasse ist vor Ende des Studiums dann nicht möglich. Wichtig: Die Kasse unbedingt schriftlich über die Aufnahme eines Studiums informieren (generell sollten alle Mitteilungen schriftlich erfolgen – eine telefonische Absprache mit dem freundlichen Sachbearbeiter ist Jahre später in den wenigsten Fällen zu beweisen).

Globetrotter, die den Ausbildungsstart noch hinauszögern, oder Studenten, die ein paar Semester im Ausland studieren, sollten zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Denn die gesetzliche Krankenkasse zahlt nur für erforderliche Behandlungen in europäischen und einigen fernen Ländern. Die private Zusatzversicherung hingegen übernimmt die Kosten weltweit – und dann auch für den Rücktransport.

Privathaftpflichtversicherung

Egal, ob Sie die Mingvase Ihrer Freundin zerdeppern, Ihnen bei der gut gemeinten Umzugshilfe der Plasmafernseher Ihres Nachbarn aus den Händen rutscht oder Sie als Radfahrer einen Verkehrsunfall verursachen – alles Fälle für die Privathaftpflicht, die immer dann einspringt, wenn Sie aus Versehen einen Schaden bei einer anderen Person verursachen.

Da vor allem Personenschäden schnell in die Hunderttausende gehen können, ist diese Versicherung ein absolutes Muss für jeden! In der Regel sind sowohl Azubis während ihrer ersten Ausbildung als auch Studenten bei den Eltern mitversichert – fragen Sie zur Sicherheit (schriftlich!) bei Ihrer Versicherung nach, ob eine Familienversicherung besteht. Achtung: Wer nach dem Abitur eine mehrmonatige Auszeit nimmt und dann erst sein Studium beginnt, riskiert im Zweifel seinen Versicherungsschutz – das Studium schriftlich anzumelden, schützt davor.

Die private Haftpflichtversicherung gilt übrigens auch für die Zeit des Bundesfreiwilligendienstes (BFD).

Berufsunfähigkeitsversicherung  (BU)

Rund 40 % der heute 20-Jährigen werden nach aktuellen Prognosen im Laufe ihrer Karriere berufsunfähig. Die Berufsunfähigkeit zählt zu den am meisten unterschätzten Risiken. Viele denken hier immer noch an die klassischen Arbeitsunfälle, dabei sind beispielsweise Depressionen, ein Burn-out-Syndrom oder Rücken- und Gelenkschmerzen viel häufigere Ursachen. Jeder vierte Berufstätige stellt im Laufe seines Lebens einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente – junge Leute in der Ausbildung oder zu Beginn des Berufslebens ohne oder mit nur sehr geringen Ansprüchen an die Rentenkasse sollten dieses Risiko also auf keinen Fall unterschätzen.

Wegen Krankheit oder Gebrechen nicht arbeiten zu können, ist also ein existenzielles Risiko für nahezu jeden. Wie hoch das Risiko einer Berufsunfähigkeit ist, hängt unter anderem vom ausgeübten Beruf ab. Je jünger man in diese Versicherung einsteigt, umso günstiger sind die Beiträge – ausschlaggebend sind unter anderem Vorerkrankungen und der allgemeine Gesundheitszustand. Vorsicht: Wer bei diesen Angaben „schummelt“, riskiert seinen Versicherungsschutz – auch da kann es um Hunderttausende gehen! Wer auf Nummer Sicher gehen will, füllt die entsprechenden Formulare gemeinsam mit seinem Arzt aus.

Mit Beiträgen zwischen 300 und über 1.000 € pro Jahr ist diese Versicherung nicht billig. Und der Vertrag ist extrem komplex, da er sehr stark auf die individuellen Bedürfnisse und abzusichernden Risiken eingeht. Es lohnt sich, sich Angebote mehrerer Versicherungen machen zu lassen.

Die Experten von Finanztest raten dazu, sich schon in jungen Jahren um eine Berufs­unfähigkeits­versicherung zu kümmern, etwa zum Ausbildungs- oder Studien­beginn. Wer früh abschließt, hat zwei Vorteile: Er ist jung und oft noch gesund – das macht den Schutz relativ günstig, denn Lebens­alter und Gesund­heits­zustand wirken sich stark auf den Preis aus. Hier geht es zum Test der Angebote speziell für junge Menschen (Stand September 2018).

Aktuelle Muster-Tarife finden Sie zum Beispiel auf www.stiftung-warentest.de, die solche Versicherungen regelmäßig testet, Checklisten hält z. B. www.finanztest.de bereit.

Wichtig beim Abschluss einer BU:

1. Frühzeitig absichern: Je jünger Versicherte beim Einstieg in die Versicherung sind, desto günstiger fällt in der Regel der Versicherungsbeitrag aus. Denn mit zunehmendem Alter steigt oft die Anzahl der diagnostizierten Krankheiten. Sind Erkrankungen bereits vorhanden, gestaltet sich eine Absicherung generell deutlich schwieriger. Dennoch ist hier Ehrlichkeit ratsam: Denn wer bisherige Erkrankungen nicht korrekt angibt, riskiert seinen Versicherungsschutz.

2. Nachversicherungsgarantie: Wer diese mit abschließt, kann seinen Berufsunfähigkeitsschutz ohne erneute Gesundheitsprüfung nachträglich aufstocken. Die Höhe des Versicherungsschutzes sollte jeweils an sich ändernde Lebens- und Finanzsituationen angeglichen werden.‘

3. Verzicht auf abstrakte Verweisungen: In diesem Fall kann der Versicherer die versicherte Person nicht auf eine andere Tätigkeit verweisen, wenn der aktuelle Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

4. „Sechs-Monate-Prognose“: Üblicherweise gilt jemand als berufsunfähig, der mindestens sechs Monate lang seinem Beruf zu mindestens 50 % nicht nachgehen kann. Bei einer vertraglich fixierten „Sechs-Monate-Prognose“ erfolgen die Rentenzahlungen bereits ab dem ersten Monat.

5. Angebote für junge Menschen: Für Jugendliche und junge Erwachsene gibt es häufig spezielle Angebote – fragen Sie nach! Mit diesen Tarifen können sich Berufsanfänger ihre Risikoabsicherung bedarfsgerecht, zeitlich flexibel und vergünstigt zusammenstellen und gleichzeitig Vermögen für später aufbauen.

Nicht verwechseln sollten Sie die Berufsunfähigkeits- mit der Unfallversicherung. Die Unfallversicherung ist eine mögliche Ergänzung, aber kein Ersatz. Auch sie sollte nur nach eingehender persönlicher Beratung abgeschlossen werden – empfiehlt sich vor allem für Menschen, die z. B. Extremsportarten betreiben. Generell zahlt die Unfallversicherung nur bei dauerhafter Invalidität nach einem Unfall – über 90% aller Anträge auf Berufsunfähigkeit sind jedoch krankheitsbedingt.

Hier kommt es drauf an:

Hausratversicherung

Mit der ersten eigenen Wohnung kommt schnell das Thema „Hausratversicherung“ auf. Und eigentlich jeder hat sie. Nur: Welcher Auszubildende hat in der ersten Wohnung schon Designer-Möbel, Perserteppiche und Hutschenreuther Porzellan? Andererseits kommt mit Laptop, Stereoanlage und der CD-Sammlung schnell ein nettes Sümmchen zusammen. Kurz gesagt: Das ist individuell unterschiedlich und muss jeder selbst entscheiden.

Achtung: Wer in eine WG zieht, sollte sich informieren, ob bereits eine gemeinsame Hausratversicherung besteht. Wenn nämlich jeder Mitbewohner der Wohngemeinschaft über das heutzutage übliche Paket an Unterhaltungselektronik verfügt, lohnt sich die geteilte Prämie allemal. Wer die WG jedoch nur als Zweitwohnsitz anmeldet, ist weiterhin über seine Eltern versichert. Eine gute Entscheidungshilfe: Kann ich es mir finanziell leisten, meine gesamte Einrichtung (also nicht nur die Möbel, sondern auch den Schrankinhalt wie z.B. Klamotten und Geschirr) zu ersetzen? Wenn nicht, ist eine Hausratversicherung sinnvoll.

Rechtsschutzversicherung

Rechtsstreitigkeiten kosten schnell viel Geld. Eine Rechtsschutzversicherung unterstützt Sie daher finanziell dabei, Ihre Ansprüche auch vor Gericht durchzusetzen. Aber: Die Rechtsschutzversicherung bezahlt nicht jeden Rechtsstreit. Deshalb sollten Sie genau prüfen, ob eine Rechtsschutzversicherung für Sie sinnvoll ist.

Eine Rechtsschutzversicherung erleichtert Ihnen den Zugang zum Recht, macht manch einen Prozess finanziell erst möglich. Sie übernimmt Kosten für Rechtsstreitigkeiten bis zur vereinbarten Versicherungssumme. Aber: Einige wichtige Risiken versichern die Anbieter nicht oder nur unzureichend. Ob eine Rechtsschutzversicherung für Sie sinnvoll ist, sollten Sie deshalb genau prüfen.

Wenn Sie sich für eine Rechtsschutzpolice entscheiden, ist wichtig, dass zum Vertragsbeginn noch kein Rechtsstreit vorliegt oder absehbar ist. Die Ursache für einen Rechtsstreit darf grundsätzlich erst nach Ablauf einer Wartefrist von meistens drei Monaten ab Vertragsbeginn eintreten.

Und: Greifen Sie nicht unbedingt zum Rundumschutz. Mit einzelnen Rechtsschutzpakten wie „Privat“, „Beruf“, „Verkehr“ sowie „Eigentum und Miete“ lässt sich der Versicherungsschutz bedarfsgerecht zusammenstellen.

Kfz-Versicherung

Wer als Fahranfänger die Tarife der Kfz-Versicherung abfragt, bekommt oft einen Schock: Nicht selten übersteigt die Jahresprämie den Wert des ersten Autos. Günstiger wird es, wenn man das Auto (oder Motorrad) die ersten Jahre über Vater oder Mutter (ggfls. als Zweitfahrzeug) versichert – einfach einmal bei der Versicherung nachfragen. Nach einigen (hoffentlich schadensfreien) Jahren meldet man dann den Vertrag einfach um. Tipp: Einige Versicherungen bieten Rabatte für Absolventen eines Fahrsicherheitstrainings (bietet u.a. der ADAC an) – auch hier lohnt eine Nachfrage.

Alles andere kann warten!

Wenig BAföG oder geringes Gehalt als Auszubildender – trotzdem eigenes Geld! Studium und Ausbildung, zumal in Verbindung mit der ersten eigenen Wohnung, bedeuten auch Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. Und natürlich möchten Sie das erste eigene Geld auch ausgeben – in der Regel nicht für weitere Versicherungsprämien oder Sparverträge.

Also: Die (private) Altersvorsorge kann warten! Eine Kapitallebensversicherung kann auch nach durchschnittlich drei Jahren Ausbildung noch abgeschlossen werden, ohne immense Einbußen zu riskieren. Generell ist diese Form der Altersvorsorge mit einigen Nachteilen behaftet: Man bindet sich vertraglich über 30 oder 40 Jahre – meist bis zum Eintritt ins Rentenalter. Bekommt man Probleme, die monatlichen Beiträge zu zahlen, bleibt nur die Möglichkeit, die Versicherung beitragsfrei zu stellen – was sich natürlich negativ auf die Auszahlung auswirkt. Oder man muss sogar kündigen – und bekommt oft weniger heraus, als man eingezahlt hat. Insgesamt also ein unflexibles und inzwischen auch in Bezug auf die Verzinsung nicht sehr attraktives Produkt.

Und eine Risiko-Lebensversicherung ist nur sinnvoll, wenn bereits eine Familie zu versorgen ist. Besser also, dieses Geld für den Konsum zu nutzen, als sich bereits in jungen Jahren überzuversichern und dringend notwendige Ausgaben über Kredite zu finanzieren! Aber: Spätestens mit 30 ist es Zeit, an die private Vorsorge zu denken – danach wird es nämlich immer teurer, seinen Lebensstandard im Ruhestand sicherzustellen; Stichwort „Zinseszinseffekt“. Mit Riester-Rente und Sparplänen gibt es aber jede Menge auch staatlich geförderter Alternativen zur Lebensversicherung. Besonders empfehlenswert sind für viele Finanzexperten ETFs.

Was sind ETFs und wie funktionieren sie?

Zitat Finanztip: „Ein ETF ist ein Nachbau eines Börsenindex: Im einfachsten Fall nimmt eine Fondsgesellschaft das Geld der Anleger und kauft dafür all jene Wertpapiere, die im Index enthalten sind. Meist handelt es sich um Aktien oder Anleihen. Nehmen wir als Beispiel den deutschen Aktienindex Dax: Dieser Index zeigt an, wie viel die 30 größten Unternehmen in Deutschland wert sind. Ein ETF, der den Dax abbildet, würde nun genau diese 30 Aktien nachkaufen – und sich dann genauso im Wert entwickeln wie der Dax.

Anleger investieren „in den Markt“

Ein Aktienindex fasst oft diejenigen Unternehmen zusammen, die an der Börse am meisten wert sind – also deren Börsenkurs multipliziert mit der Anzahl an Aktien den größten Betrag ergibt (Börsenwert). Das sind gleichzeitig die bei der breiten Masse an Investoren beliebtesten Unternehmen. Man spricht daher auch davon, dass ein Aktienindex „den Markt abbildet“.  Das Ziel eines ETF ist es, genau die Rendite zu erzielen, die der Index erzielt. Ein ETF versucht damit gerade nicht, durch gezielte Auswahl einzelner Aktien klüger und besser zu sein als die breite Masse der Investoren. Mit einem ETF können Sie einfach und günstig am Marktgeschehen teilhaben, Sie folgen der Mehrheit.

Welche Aktien im Index landen, wird mehrmals jährlich überprüft. Ändert sich die Zusammensetzung des Index, bessert auch der ETF nach.

ETFs sind unschlagbar günstig

Diese Strategie bringt ETFs einen großen Vorteil ein: Sie kosten deutlich weniger als Fonds, bei denen ein Fondsmanager Aktien einzeln aussucht (sogenannte aktive Fonds). Nicht nur zahlen Sie deutlich weniger bis gar keine Provision für die Vermittlung (den Kauf) von ETFs. Auch die laufenden Kosten machen im besten Fall nur ein Siebtel der Kosten aktiver Fonds aus. Im ETF bleibt also von Vornherein mehr von der eigentlichen Wertentwicklung erhalten.“

Es gibt jede Menge Angebote im Markt für kostenlose Depots, bei denen ein Sparplan auf ETFs schon ab 25 € monatlich abgeschlossen werden kann – keine Kosten, keine Arbeit wie aktiver Kauf oder regelmäßiger Check der Börsenkurse.

Mehr zum Thema ETFs gibt es hier.

Eine sehr gute (allerdings nicht kostenlose) telefonische oder persönliche Beratung zu allen Fragen rund um das Thema Versicherungen bieten die Verbraucherzentralen – im Internet finden Sie unter www.verbraucherzentrale.de die Adressen und Kontakt daten für jedes Bundesland.

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Was passiert im Assessment-Center? Jeder gegen jeden?

Nicht selten setzen Unternehmen bei der Personalauswahl ein Assessment-Center (AC) ein (von englisch to assess = beurteilen, auf Deutsch etwa Beurteilungszentrum). Nicht immer werden Sie zu einem Assessment-Center eingeladen – Auswahl- oder Bewerberseminar sind ebenfalls gängige Namen.

Aber was passiert dort? Und warum?

Kurz gesagt: Man setzt Sie unter Druck. Allein oder in der Gruppe bekommen Sie unterschiedlichste Aufgaben gestellt, die im Kern nur eines gemeinsam haben: Sie sind in der Regel überhaupt nicht oder in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht vollständig zu lösen. Und was soll das? Stress erzeugen. Im AC wird simuliert, wie Sie sich unter Stress verhalten und reagieren. Die gestellten Aufgaben rücken dabei in den Hintergrund – wie viel Quadratwurzeln Sie in 5 Minuten ziehen oder welche amerikanischen Bundesstaaten sie auf einer Landkarte eintragen können, ist nebensächlich. Die Beobachter, die sich übrigens immer im Hintergrund halten, interessieren ganz andere Dinge: Wie verhalten Sie sich, wenn Sie eine Aufgabe nicht lösen können? Wie reagieren Sie, wenn Sie feststellen, dass die Zeit knapp wird oder merken, dass Sie einen Fehler gemacht haben? Es geht also darum, wie Sie mit Problemen und Druck umgehen – egal, ob Sie allein im AC sind oder in einer Gruppe.

Bei Gruppenübungen lauten die Punkte, auf die die Beobachter achten: Wie kommt die Gruppe zu einer Lösung? Wird demokratisch diskutiert? Oder zwingt ein Teilnehmer dem Rest seine Meinung auf? Wer bestimmt die Diskussion und wer hält sich im Hintergrund? Wer trägt zur Problemlösung bei und wer stört nur mit seinen Beiträgen? Wer ändert ständig seine Meinung und wer ist überhaupt nicht zu überzeugen? Wer übernimmt welche Rolle in der Gruppe?

Eine beliebte Übung ist z.B. die Postkorb-Aufgabe („Sortieren Sie diese Eingangspost nach „Wichtig“, „Unwichtig“, „Sofort erledigen“ und „Liegen lassen“): Wie viel Post Sie am Ende der (immer zu knappen) Zeit sortiert haben, ist fast Nebensache. Aber: Wie sind Sie vorgegangen? Systematisch? Alphabetisch? Nach dem Zufallsprinzip? Haben Sie sich an Ihr System gehalten? Oder in der Hektik den roten Faden verloren? Haben Sie vielleicht mittendrin Ihr System geändert? Oder alles wieder zusammengeworfen, um von vorn anzufangen?

Es gibt einige gern eingesetzte Mittel, um Stress während des AC aufzubauen oder den Druck weiter zu erhöhen – hier einige Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Das Thema, auf dass Sie sich 20 min für eine Präsentation vorbereitet haben, wird direkt vor der Präsentation durch ein neues ersetzt
  • Aus 10 min Präsentationszeit werden 3 min
  • Statt Beamer und PC haben Sie nur ein Flipchart
  • Mitten im Rollenspiel / in der Gruppendiskussion werden die Standpunkte vertauscht – Sie müssen aus dem Stehgreif die exakt gegenteilige Position vertreten

Kaum ein AC gleicht dem anderen – das hängt mit der Vielzahl von Methoden und Übungen, aber auch mit der Anzahl der Testpersonen und den vom Unternehmen favorisierten Kriterien und Erkenntnissen über die Kandidaten zusammen.

Wesentliche Bestandteile:

  • strukturierte Interviews
  • Gruppenaufgaben, oft mit anschließender Präsentation der Ergebnisse
  • die oben geschilderte Postkorbübung oder ähnliche Simulationen
  • Rollenspiele (sie sind Kunde oder Verkäufer oder…)
  • Präsentationsaufgaben, einzeln oder in Kleingruppen,
  • schriftliche Persönlichkeits- und Leistungstests mit Zeitlimits

Dauert das AC länger und wird von einer Mittagspause unterbrochen oder mit einem gemeinsamen Essen abgeschlossen, gehört das Essen zum Test! Hier geht es zwar nicht um den Stress beim Kampf mit der Hummerzange – Ihre Tischmanieren werden aber genauso aufmerksam registriert wie Ihr Small-Talk. Also definitiv der falsche Zeitpunkt, jetzt über andere Teilnehmer abzulästern oder den ganzen Test als solchen in Frage zu stellen.

Worauf achten die Beobachter?

Wie gesagt, die Allgemeinbildung oder das Fachwissen stehen nicht im Mittelpunkt. Die psychologisch geschulten Beobachter achten auf Ihre zwischenmenschlichen Kommunikationsfähigkeiten, auf bereits erkennbare Führungsqualitäten, auf die Selbstdarstellung und Ihre Interaktion mit anderen.

Wesentliche Kriterien sind:

  • Verhandlungsgeschick
  • Rhetorische Fähigkeiten
  • Belastbarkeit
  • Flexibilität
  • Einfühlungsvermögen
  • Ausdauer
  • Initiative
  • Problemorientierung

Sie sehen, es geht um Sie als Person oder Persönlichkeit – aus dem Abschlusszeugnis sind diese Fähigkeiten oder Charakterzüge nicht herauszulesen. Und damit kommen wir zur Kernfrage:
Wie kann ich mich vorbereiten?

Die natürliche Reaktion eines Menschen auf starken Stress ist Flucht oder Angriff – dieser Instinkt ist angeboren. Auf genau diesen Reflex setzt ein AC im Prinzip – und dagegen können Sie erst einmal überhaupt nichts tun. Die oben genannten Kriterien, auf die bei einem AC geachtet wird, können Sie allerdings innerhalb einer gewissen Bandbreite trainieren – egal ob Ausdauer, Belastbarkeit oder Ihre Rhetorik. Innerhalb einer gewissen Bandbreite bedeutet, dass noch so viel Training aus einem introvertierten und schüchternen Menschen keine „Rampensau“ macht, die aus dem Stehgreif zum umjubelten Mittelpunkt jeder Reisegruppe wird. Und wer sich selbst für die Krönung der Schöpfung hält, kann zwar an seinem Einfühlungsvermögen und seiner Fähigkeit zur Selbstkritik arbeiten – zum zurückhaltenden Vermittler in sensiblen Situationen ist es aber ein sehr weiter Weg.

Unsere Tipps für Teilnehmer:

  • Ruhig bleiben. Der Stress ist gewollt, der Zeitdruck Teil der Methode – alle Aufgaben zu lösen ist schlicht unmöglich.
  • Nicht schauspielern. Es geht um Ihren Charakter und um Ihre Persönlichkeit – Teile von Ihnen, die zu Ihnen „dazugehören“. Bleiben Sie natürlich – alles andere entdecken die Beobachter sowieso.
  • Keine Panik. Die anderen Teilnehmer haben den gleichen Stress – Sie sind also sicher nicht der einzige, der „unter Strom steht“.
  • Nicht „festbeißen“: Kommen Sie bei einer Aufgabe überhaupt nicht weiter, nehmen Sie die nächste in Angriff statt verzweifelt nach einer Lösung zu suchen – so sammeln Sie auf jeden Fall mehr Punkte. Sollten Sie am Ende noch Zeit haben, können Sie die „fiese Nuss“ immer noch knacken.
  • Cool bleiben: Lassen Sie sich bei den Diskussionen nicht von der Gruppendynamik mitreißen – es geht um den Weg zur Lösung. Ob die Lösung von Ihnen kommt, ist nebensächlich. Konkret bedeutet das, dass die gestellte Aufgabe sinnlos sein kann (Wie viel Zeit hat der Weihnachtsmann am Heiligabend pro Kind?) – konzentrieren Sie sich lieber auf die Schritte, die zu einer (theoretischen) Lösung führen könnten.
  • Höflich bleiben: Im Eifer des Gefechts nicht die Fassung verlieren. Sie stehen unter Stress, die Zeit wird knapp und nur Sie haben die Lösung erkannt? Trotzdem bleiben Sie ruhig und lassen auch die anderen zu Wort kommen.
  • Fair und neutral bleiben: Natürlich sind die anderen Teilnehmer Wettbewerber um einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz. Verzichten Sie trotzdem auf offene Konfrontation – die Auswahl übernimmt das Unternehmen noch früh genug. Wer sich bereits während des AC als kleiner Macchiavelli erweist, kommt nicht weit.

Weiterführende Hilfe

Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte: Es gibt jede Menge guter Bücher zum Thema, wir empfehlen z.B. „Assessment Center – Souverän agieren und gekonnt überzeugen“ von Silke Hell, als Taschenbuch (€ 9,50, 170 Seiten) erschienen im dtv Deutschen Taschenbuch Verlag. Manche Volkshochschulen bietet Kurse zum Thema Bewerbertraining und Vorstellungsgespräch an – das hilft nicht nur beim Assessment Center. Unter www.planet-beruf.de bietet die Agentur für Arbeit eine Menge Tipps, Checklisten, Videos und weitere Informationen zum Thema Bewerbung, Vorstellung und AC an – zum Teil sogar mit interaktiven Übungen.

Spannend und hilfreich sind auch sogenannte Self Assessment-Center. Wie der Name schon sagt, bieten Sie die Möglichkeit, ohne echten Stress virtuelle Erfahrungen über sich selbst zu sammeln – ohne echte Beobachter oder Gruppenteilnehmer. Einfach einmal „Self Assessment“ googeln – die ersten 3 Dutzend Treffer kommen dann von den Universitäten (wie z.B. www.studiengangstest.de mit gleich einem Dutzend Studiengängen).  Auf www.cyquest.de findet sich eine Vielzahl kostenloser und unverbindlicher Self-Assessment-Center und Karriereportale unterschiedlichster Unternehmen von der der Allianz über Commerzbank, Deloitte, Edeka, Peek & Cloppenburg, PWC, und Lufthansa bis zu Unilever  (Stand: April 2019) – klicken und Ausprobieren ist angesagt!

Und da wir schon im Netz sind, eine Warnung zum Schluss: Gerade Standards wie die Postkorbübung werden im Internet als Übungspakete angeboten – einzeln oder im Set, neutral, angeblich branchenspezifisch oder sogar von bestimmten Unternehmen. Unabhängig davon, dass die Wahrscheinlichkeit, exakt auf die angebotene Version auch im AC zu stoßen, recht gering ist – für die zum Teil happigen Preise bekommen Sie mindestens ein sehr gutes Buch, das dann den gesamten Komplex abdeckt und nicht nur eine Einzelübung.

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Das Vorstellungsgespräch – Jetzt kommt`s drauf an

„Und laden wir Sie ganz herzlich zu einem persönlichen Gespräch am kommenden Donnerstag…“ Geschafft! Geschafft? Was kann denn jetzt noch schief gehen? Allerhand. Auf den ersten Jubel und die Begeisterung über diese gute Nachricht folgen häufig Unsicherheit, Zweifel oder sogar nackte Panik – je nach Typ und Charakter. Machen Sie sich ein paar Dinge klar:

  1. Das Unternehmen hat Sie nicht eingeladen, um Sie in die Pfanne zu hauen! Sie haben die ersten Auswahlverfahren erfolgreich überstanden und jetzt will man Sie näher kennenlernen. Und das geht nun einmal am besten in einem persönlichen Gespräch.
  2. Ihre Gesprächspartner sind sich im Klaren darüber, dass Sie sich um einen Ausbildungsplatz bewerben und nicht um den Vorstandsposten – niemand wird also Wunderdinge von Ihnen erwarten.
  3. Sie gehen zu einem Vorstellungsgespräch – nicht zu „Wer wird Millionär?“. Sie können sich also vorbereiten.

Also: kein Grund zur Panik – man will Sie besser kennenlernen. Aber nicht Ihre intimsten Geheimnisse ausforschen.

Wissen ist Macht:

Das Vorstellungsgespräch dient dem Betrieb wie gesagt dazu, einen besseren Eindruck von Ihnen zu bekommen. Mit anderen Worten: Man kann sich durchaus vorstellen, Sie einzustellen, ist sich aber noch nicht ganz sicher. Auf das Unternehmen, seine Produkte oder Dienstleistungen, Ihre besonderen Gründe für Ihre Bewerbung und z.B. die Konkurrenz haben Sie sich bereits vor der Bewerbung vorbereitet – frischen Sie diese Informationen auf oder überprüfen Sie sie noch einmal, z.B. im Internet. Im Vorstellungsgespräch geht es außerdem um Sie als Persönlichkeit: Wie verhalten Sie sich? Sind Sie eher offensiv oder zurückhaltend? Können Sie sich gewählt und verständlich ausdrücken? Beherrschen Sie die Grundregeln der Höflichkeit? Wissen Sie, was sie wollen oder ist der Termin für Sie nur einer unter vielen? Können Sie zuhören? Sind Sie vorbereitet, motiviert und strukturiert oder lassen Sie sich einfach überraschen, was auf Sie zukommt? Sie müssen in diesem Gespräch für sich werben und sich verkaufen – aber nicht den Showmaster geben. Seien Sie natürlich, bleiben Sie ruhig – bei guter Vorbereitung besteht kein Grund zur Panik (Millionen junger Menschen vor Ihnen haben diese Gespräche bereits erfolgreich überstanden – warum sollten ausgerechnet Sie es nicht schaffen?).

Vorbereitung:

Bestätigen Sie den Termin. Ein paar Zeilen per Mail („Vielen Dank für die Einladung zum Vorstellungsgespräch am/um. Ich freue mich auf das Gespräch!“) oder telefonisch zeigen, dass Sie am Thema dran sind. Und geben dem Unternehmen die Sicherheit, dass die Einladung auch bei Ihnen angekommen ist. Verschieben Sie den Termin möglichst auf gar keinen Fall! Der Betrieb wird bei einer Verschiebung ableiten, welche Prioritäten Sie (derzeit) setzen – und da sollte der Ausbildungsplatz natürlich ganz oben stehen. Dass Sie den Termin nicht verpassen, versteht sich von selbst. Das Gespräch beginnt für Sie gedanklich (und praktisch) spätestens am Vortag. Eine durchgefeierte Nacht und der anschließende „Dicke Kopf“ sind nicht die ideale Vorbereitung auf dieses wichtige Gespräch. Also rechtzeitig ins Bett und ausschlafen – ohne Schlafmittel. Auch den Besuch beim Lieblingsgriechen um die Ecke sollten Sie sich verkneifen – nicht jeder mag eine Knoblauchfahne.

Kleider machen Leute:

Über 50 % des ersten Eindrucks werden von der äußeren Erscheinung bestimmt, ca. ein Drittel von Klang und Tonfall der Stimme, der magere Rest vom Inhalt des Gesagten. Eigentlich jedes Outfit, daß die Zugehörigkeit zu einer Gruppierung oder eine bestimmte Einstellung oder Haltung zeigt oder auch nur vermuten lässt, ist nicht angebracht. Ob es sich dabei um das VfB-Fan­-Outfit, schwarze Lederjeans, die angesagte Streetwear oder Bomberjacke und Springerstiefel handelt – ab damit in den Schrank! Und auch Highheels, bauchfreie Tops oder Miniröcke sind nicht geeignet.

Das Unternehmen sieht in Ihnen einen (zukünftigen) Repräsentanten – entsprechend sollten Sie sich kleiden (und stylen). Je nach Branche oder angestrebtem Beruf sind die Anforderungen recht unterschiedlich: Banken, Versicherungen, Anwaltskanzleien und viele verkäuferische Berufe bzw. Tätigkeiten mit direktem Kundenkontakt haben eher konservative Erwartungen. Anzug oder eine Kombination aus Sakko und Hose, (natürlich gebügeltes) Hemd mit Krawatte bzw. Kostüm und Bluse sind die richtige Wahl. Und je höher der angestrebte Abschluss bzw. die Karriereaussichten sind, umso eher sollten Sie Ihr Outfit an das zukünftige berufliche Umfeld anpassen – MBA-Abschluss und Latzhose passen einfach nicht zusammen.

Auf der anderen Seite erwartet niemand, dass Sie ein Vorstellungsgespräch für eine handwerkliche Ausbildung im Maßanzug antreten – eine Hose in Kombination mit Hemd oder Pullover bzw. ­dezentem Sweatshirt (Reklame für Bushido machen Sie besser woanders!) ist schon in Ordnung. Vorsicht bei Jeans: Traditionell geschnitten und sauber ist eine Jeans akzeptiert – dies gilt aber weder für Baggytrousers noch für übertriebenen „used-Look“ oder z.B. jede Menge Stickereien. Ein Tipp: Schauen Sie sich einmal an einem normalen Arbeitstag an, in welcher Kleidung die Mitarbeiter Ihrer zukünftigen Firma zur Arbeit erscheinen oder wie die Firma ihr Personal im Internet oder in Broschüren darstellt; so bekommen Sie einen ersten Eindruck vom Dresscode.

Dass es in kreativen Branchen oder Unternehmen wie Medien, Werbeagenturen oder Onlineprovidern lockerer oder toleranter zugeht, ist übrigens ein Gerücht: Wer dort wie ein Pausenclown, übertrieben modisch gekleidet oder extrem durchgestylt antritt, verbessert seine Chancen keinesfalls. Jeder Personalchef wird sich fragen: „Was wollen Sie betonen bzw. erreichen?“ Oder noch schlimmer: „Was wollen Sie verstecken?“ bzw. „Wovon wollen Sie ablenken?“ Ganz wichtig: Verkleiden Sie sich nicht! Wer noch nie in seinem Leben eine Krawatte gebunden hat, wird sich im Anzug mit Weste und nagelneuen, aber drückenden Schuhen nicht wirklich wohlfühlen – und das sieht man Ihnen dann an. Wählen Sie dann besser einen Kompromiss: Jeans und Jackett, ggfls. ohne Krawatte, können auch eine Alternative sein. Und lassen Sie Ihren Konfirmationsanzug im Schrank – Ihr Outfit muss nicht den letzten Trend aus Mailand widerspiegeln, sollte aber halbwegs aktuell sein (und natürlich passen).

Grundsätzlich gilt, dass natürlich alles sauber und gepflegt ist, also nicht nur frisch gewaschen, sondern gebügelt, Schuhe geputzt usw. Beim Haarstyling ist weniger mehr, ebenso bei Parfum und Aftershave. Das Thema Mundgeruch haben wir schon angesprochen (werfen Sie im Zweifel vor dem Termin einen Kaugummi oder ein Pfefferminzbonbon ein). Gegen den Stress und das Muffensausen direkt vor dem Gespräch hilft angeblich eine Kippe – zumindest den Rauchern. Aber dann stinken Sie – für einen Nichtraucher – wie ein voller Aschenbecher. Besser, Sie unterdrücken diesen Drang bis nach dem Termin. Zurückhaltung ist auch beim Schmuck angesagt und, für die Damen, beim Griff in den Schminkkoffer. Wird ein Knopf im Ohr oder ein dezenter Ring heutzutage auch bei einem Mann akzeptiert, sollten alle sichtbaren Piercings, soweit möglich, entfernt werden. Gegen sichtbare Tätowierungen (Gesicht, Hals, Hände und Unterarme) sowie dauerhafte Piercings und Brandings fällt uns allerdings auch nichts ein – mit der Karriere als Nachrichtensprecher wird es in diesem Fall wohl nichts.

Sonst noch was?

Zum Vorstellungsgespräch bringen Sie auf jeden Fall einen Satz Kopien Ihrer kompletten Bewerbungsunterlagen, die Einladung zum Gespräch, die Telefonnummer der Firma, Schreibzeug und Ihr (aufgeladenes) Handy mit. Nicht schaden kann ein Textmarker, Taschentücher, ein Taschenrechner sowie ein paar Kaugummis. Und das Ganze in einer Mappe oder Aktentasche – nicht in einer Plastiktüte oder sogar lose in der Hand.

Anreise:

Dass Sie auf gar keinen Fall zu spät kommen, ist ebenfalls eine Selbstverständlichkeit. Informieren Sie sich rechtzeitig über die genaue Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen Fahrzeug (dazu gehört auch die Parkplatzsituation). Fahren Sie die Strecke vorher ab, wenn Sie sich unsicher sind (im Berufsverkehr; nicht am Sonntagnachmittag). Zugverspätungen, verpasste Busse oder der überraschende Stau auf der B-Sonstnochwas werden als Entschuldigung kaum akzeptiert – schließlich hätten Sie sich ja rechtzeitig informieren können. Also planen Sie ausreichend Luft ein und fahren Sie entsprechend früher los – gehetzt und „auf der letzten Rille“ anzukommen ist schließlich auch nicht ideal. Etwas anderes sind „Naturkatastrophen“ wie unerwarteter Schneefall, die den gesamten Verkehr lahmlegen. Aber: Melden Sie sich in diesem Fall – ein kurzer Anruf aus dem Stau schafft bei allen Beteiligten Klarheit und ist mehr als höflich.

Es geht los:

Vorstellungsgespräche folgen mehr oder weniger einem immer gleichen „roten Faden“. Zu Beginn werden Sie begrüßt – grüßen Sie zurück. Streckt man Ihnen eine Hand entgegen, greifen Sie zu. Bedanken Sie sich für die Einladung zum Gespräch. Das Gespräch beginnt mit Small Talk – gegenseitiger Vorstellung der anwesenden Personen, das Wetter, Ihrer Anreise. Achten Sie auf die ­Namen der Personen, die Ihnen vorgestellt werden – haben Sie einen Namen nicht oder nicht richtig verstanden, fragen Sie sofort nach! Fast alle Menschen reagieren extrem empfindlich, wenn Sie falsch angesprochen werden – Mitarbeiter in Personalabteilungen sind auch nur Menschen. Mitunter folgt dann eine Präsentation des Unternehmens – machen Sie sich Notizen, wenn Sie Fragen dazu haben.

Und erkundigen Sie sich, wann diese Fragen beantwortet werden. Grundsätzlich ist das Bewerbungsgespräch ein möglichst aktiver ­Dialog – Sie müssen und sollen zwar eine Menge Fragen beantworten, zeigen jedoch (mit den richtigen) eigenen Fragen, dass Sie sich Gedanken gemacht haben bzw. dem Gespräch aufmerksam folgen.

Der dann folgende Teil dient zum einen der Information, zum anderen will Ihr zukünftiger Arbeitgeber wissen, ob Sie gut vorbereitet sind. Auch wenn Sie Ihren Werdegang, Ihre schulische Situation, das familiäre Umfeld und z.B. Ihre Hobbies bereits im Lebenslauf angegeben haben, erläutern Sie das auf entsprechende Fragen noch einmal. Bleiben Sie dabei knapp und präzise – Sie sollten weder demütig „katz­buckeln“ noch auf den Putz hauen wie Lottokönig Karl.

Die „Knackpunkte“ – jetzt kommt es drauf an!

Jetzt beginnt das eigentliche Vorstellungsgespräch, man stellt Ihnen Fragen wie „Warum wollen Sie… werden?“, Warum wollen Sie diesen Beruf ausgerechnet in unserem Betrieb lernen?“ oder „Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?“. Überlegen Sie sich rechtzeitig Antworten auf diese Fragen – sie kommen garantiert. Bleiben Sie immer dabei sachlich und ehrlich – man will unter anderem erfahren, ob und wie Sie sich selbst einschätzen (können). Versuchen Sie, jeder Schwäche möglichst eine Stärke gegenüber zu stellen.

Und prüfen Sie (sich), welche Stärken und Schwächen einen Bezug zum angestrebten Job haben – Ihre Schwäche für Nutellabrot ist nicht von Relevanz (aber Ihre Stärken und Schwächen haben Sie ja bereits vor der Entscheidung für einen bestimmten Berufszweig analysiert, oder?).

Achtung: Männer neigen bei der Selbsteinschätzung eher zu Übertreibung, während sich Frauen eher zurückhalten – versuchen Sie, dies möglichst zu berücksichtigen. Spätestens jetzt müssen Sie auch „Dellen“ in Ihrem Lebenslauf erklären oder geradebügeln – Tipps dazu finden Sie im Kapitel „Bewerbung“.

„Haben Sie noch Fragen?“

Zum Ende des Gespräches werden Sie garantiert gefragt, ob Sie selbst noch etwas wissen wollen. Ja, wollen Sie – aber nur, wenn es wirklich offene Punkte sind. Natürlich ist es sinnvoll, sich bereits vor dem Gespräch ein paar interessante Fragen zum Unternehmen selbst oder zur Ausbildung zu überlegen. Stellen Sie diese Fragen aber nur, wenn sie nicht bereits beantwortet sind – sonst wird man Ihnen schnell mangelnde Aufmerksamkeit unterstellen. Und verzichten Sie auf Belanglosigkeiten – wann der ­Arbeitstag Morgens beginnt und wie die Pausenregelung ist, ­erfahren Sie noch früh genug.

Im Zweifel fragen Sie einfach, wie es jetzt weitergeht bzw. wann Sie wieder vom Unternehmen hören werden. Zum Ende des Gesprächs bedanken Sie sich noch einmal und verabschieden sich.

Ein paar Tipps & „Stolperfallen“

Jemanden zu unterbrechen, ist generell unhöflich. Antworten Sie präzise, aber weder zu ausschweifend noch nur mit „Ja“ oder „Nein“. Reden Sie nicht zu schnell – Sie haben ausreichend Zeit und wollen ja nicht den Eindruck erwecken, dass Ihnen die Situation insgesamt unangenehm ist, oder? Sollten Sie gefragt werden, ob Sie nervös sind, antworten Sie ehrlich. „Ja, ein bisschen schon“ nimmt Ihnen jeder ab und niemand übel, während „Nein, überhaupt nicht“ kaum glaubwürdig ist, wenn Sie gerade Ihre Fingernägel bis auf das Nagelbett abknabbern. Auf die Frage, ob Sie sich auch bei anderen Unternehmen beworben haben, sollten Sie einige ausgewählte Firmen parat haben. Es wird niemanden überraschen, dass Sie nicht „alles auf eine Karte“ bzw. einen einzigen Ausbildungsplatz setzen. „Schon mehr als 100, und zwar bei so ziemlich jeder Firma in meiner Stadt“ ist aber die eindeutig falsche Antwort auf diese Frage.

Angebotene Zigaretten oder sogar alkoholische Getränke lehnen Sie höflich ab, dies ist ein Test, ob Sie eventuell schon tagsüber einem Gläschen nicht abgeneigt sind. Sollten Sie in Ausnahmefällen mit Fragen zu Ihrer Religion, politischen Einstellung oder sogar ­sexuellen Orientierung überrascht werden, will man Sie provozieren. Versuchen Sie eine schlagfertige (aber nicht freche!) Antwort zu geben – „Ich kann bestimmt auch als Anhänger der Monarchie ein guter Bankkaufmann werden“ ist so ziemlich das Äußerste, was Sie auf derartige Fragen erwidern sollten. Beendet ist der Termin erst mit Verlassen des Firmengeländes. Wer sich bereits im Fahrstuhl eine Zigarette anzündet, kann den ganzen guten Eindruck binnen Sekunden zunichtemachen.

Übung macht den Meister:

Scheuen Sie sich nicht, das Bewerbungsgespräch mit einem Freund oder den Eltern regelrecht zu trainieren! Zum einen bekommen Sie ein Feedback, ob Ihre Argumentation und Antworten „sitzen“ und Sie dabei glaubwürdig wirken. Zum anderen gewinnen Sie einfach an Sicherheit, wenn Sie diese für Sie neue Situation regelrecht „durchspielen“ – jeder Schauspieler macht vor der ersten Vorstellung nichts anderes. Das hört sich erst mal blöd an, funktioniert aber – versuchen Sie es einfach einmal!

Eine Checkliste als PDF zum Download finden Sie hier.

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