Endstation Geisteswissenschaften?

Endstation Geisteswissenschaften?

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – die MINT-Studiengänge sind gefragter denn je. Dennoch entscheiden sich entgegen dieses Trends Jahr für Jahr junge Menschen für ein Studium in den Geisteswissenschaften. Brotlose Kunst und schlechte Jobaussichten werden diesem Segment immer wieder nachgesagt.

Geisteswissenschaftliche Fächer sind jedoch nach wie vor gefragt. Beispielsweise der Studiengang Germanistik, der es regelmäßig auf die Liste der beliebtesten Studiengänge an deutschen Universitäten schafft. Doch kann man mit Geisteswissenschaften nun etwas erreichen oder endet der Studiengang in einer beruflichen Sackgasse? Susanne Glück, Geschäftsführerin des Karrieremessen-Veranstalters IQB beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer Geisteswissenschaften studiert, hat auf dem Arbeitsmarkt keine Chance oder geht sowieso in die Lehre – stimmt das?
„Ja und Nein. Tatsächlich geht ein großer Teil der geisteswissenschaftlichen Studierenden nach dem Abschluss an die Schulen und Universitäten. Wer aber denkt, Geisteswissenschaftler finden neben dem Lehrberuf keinen guten Job, der wird sich wundern. Absolventinnen und Absolventen arbeiten in Verlagen, bei Zeitungen, beim Radio und bei TV-Sendern, in Bibliotheken, in Kultureinrichtungen und in der Kulturwirtschaft, in Archiven, in der Unternehmenskommunikation und PR, in der Politik, in Sozialeinrichtungen, im Bereich der Eventorganisation, bei Stiftungen, in der Beratung, bei der Sprachvermittlung und so weiter …“

Eine große Auswahl an Berufen also. Warum heißt es dann oft, die Geisteswissenschaften wären eine brotlose Kunst?
„Wer auf Bachelor oder Master studiert, muss sich nach dem Studium der Herausforderung stellen, einen Job zu finden. Das Feld der Berufe ist groß und vielfältig. Hier ist schon frühzeitiges Engagement gefragt. Wer bereits während des Studiums Praktika macht und sich thematisch auf ein Berufsfeld spezialisiert, hat später gute Chancen, auch schnell einen guten Job zu finden. Das Einstiegsgehalt ist bei Geisteswissenschaftlern jedoch meist niedriger als in technischen Berufen. Darüber muss man sich im Klaren sein.“

Halten Sie es für sinnvoll, auch heute noch ein Studium der Geisteswissenschaften zu absolvieren?
„Ich halte es für sinnvoll, seinen eigenen Interessen und Fähigkeiten nachzugehen. Liegen diese in den Geisteswissenschaften, dann ist auch ein Studium sinnvoll. Wer sich mit Fächern abmüht, die ihm nicht liegen, verliert schnell die Lust und Motivation am Studium. Ich habe beispielsweise Germanistik und Altphilologie studiert und bin heute Geschäftsführerin – auch das ist möglich. Denn es sind ja nicht nur die Inhalte, die ein Studium ausmachen. Gerade in den Geisteswissenschaften sind es beispielsweise Techniken der Wissensbeschaffung und -aufbereitung, die das Erschließen neuer Arbeitsfelder erleichtern.“