Ein FSJ in Ghana Folge 15: In Tamale und um Tamale und um Tamale herum

Ein FSJ in Ghana Folge 15: In Tamale und um Tamale und um Tamale herum

Am Independence Day am 06. März wurde der Jubilee Park für die offizielle Feier genutzt – neben wichtigen Reden marschierten die verschiedenen Schulen im alljährlichen Wettkampf mit- und gegeneinander, das junge Publikum konnte dabei alle möglichen Snacks genießen

Mein Kollege Hamza hat mir letztens erzählt, wie Tamale eigentlich an seinen Namen kam: Der Shea-Baum heißt in der lokalen Sprache Dagbani „Tama“ und war Zentrum für die Community ebendiesen Namens. Seit ihrer Gründung ist die Community Tamale immer weiter gewachsen und mit angrenzenden Communities untrennbar verschmolzen. Heute zählt die drittgrößte Stadt Ghanas und regionale Hauptstadt der Northern Region offiziell knapp eine Millionen Einwohner*innen und ist die am schnellsten wachsende Stadt Westafrikas.

Dementsprechend vielfältig ist Tamale auch – ich möchte euch nach einem halben Jahr hier erzählen, was man alles machen kann, was ich gerne mache und auch, wozu ich noch nicht kam.

 

Auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten

In Tamale prägen Moscheen das gesamte Stadtbild. Die wohl prominenteste Sehenswürdigkeit ist dementsprechend die große, grün-weiße Central Mosque mitten im Stadtzentrum.

Ansonsten besteht das Stadtzentrum hauptsächlich aus dem Central Market, dem größeren und älteren der zwei großen Märkte. Hier lässt sich von Stoffen über Backpulver bis hin zu Snacks alles Wichtige finden, wer sich nicht auskennt fragt aber am besten gezielt nach.

Unweit der Central Mosque ist zudem der Paramount Chief’s Palace. Jede Community hat traditionell einen eigenen König, der Paramount Chief ist das wichtigste traditionelle Oberhaupt ganz Tamales. Für unsere Vorstellungen von Palästen wirkt sein Wohn- und Arbeitsplatz relativ unscheinbar und fällt von außen hauptsächlich durch seine tief türkisene Farbe auf. Ansonsten folgt der Palace der traditionellen Lehmarchitektur, die heute vor allem im Norden des Landes noch Verwendung findet: Ein Compound wird aus mehreren kreisrunden Räumen gebildet, die sich zu einem gemeinsamen, zentralen Hof hin anordnen. Die Materialien Lehm und Stroh wirken dabei wie natürliche Klimaanlagen.

In Laufentfernung befindet sich der Jubilee Park, ein weiter Platz mit Sitzrängen. Gewöhnlich dient der sonnige, staubige Platz höchstens für Fußballtrainings, ist aber gleichzeitig Veranstaltungsort.

Etwa zwei Jahre hat Tamale gespannt (!) auf seine Overhead gewartet, bis der Präsident Nana Akufo-Addo sie am 28. März drei Monate vor dem Zeitplan offiziell einweihte. Kreativ als Jumpdown, Flyover oder auch Interchange bezeichnet handelt es sich hierbei hauptsächlich um eine 1,1 Kilometer lange Straße in zehn Meter Höhe quer durch die Innenstadt.

Hier laufen die Vorbereitungen für ein Konzert im Stadion, das ich im November ich mit einem Freund besuchte.

Eine weitere moderne Sehenswürdigkeit ist das Aliu Mahama Sports Stadium, welches 2008 eröffnet wurde und über 20.000 Menschen fasst. Hauptsächlich wird das nach dem vorherigen Präsidenten benannte Stadion für Fußballspiele genutzt, bietet aber ebenso wie der Jubilee Park regelmäig Veranstaltungen an.

(Er-) lebenswürdig

Das sind bereits so gut wie alle Sehenswürdigkeiten in Tamale. Insgesamt ist die Metropole eher eine Stadt zum Leben, wirkt trotz ihrer Größe dörflich. Die Besonderheiten liegen im Detail, in der Atmosphäre. Daher genieße ich es immer, einfach einer der ewig langen Straßen zu folgen, entweder hinten auf dem Motorrad oder aber zu Fuß.

Dabei trifft man überall auf Stände mit Street Food. Auch Restaurants und Bars gibt es – darunter das Crest in der Innenstadt, von dessen Dachterasse man einen wunderbaren Blick zur Central Mosque und den Markt hat. Wer westlicheres Essen sucht, wird eigentlich immer in den (etwas teureren) Hotels fündig. Ich habe trotzdem seit einem halben Jahr keine Pizza mehr gegessen und finde die Hotels eher aufgrund ihrer öffentlichen Pools attraktiv. Etwas gezielter muss man suchen, wenn man in einen Club möchte. Tatsächlich habe ich bisher nur Erzählungen von durchtanzten Nächten gehört, wurde selbst auf meiner Suche nach Clubs aber noch nicht fündig.

Tagesausflüge

Ansonsten ist Tamale hauptsächlich aufgrund seiner strategischen Lage bei Händler*innen und Tourist*innen beliebt. Es liegt auf der dicht befahrenen Nord-Süd-Verbindung und ist nur wenige Stunden von Ghanas bekanntesten Nationalpark, dem Mole Park, entfernt.

Während der Trockenzeit ist der höhlenartige Vorsprung hinter dem ersten Wasserfall noch zugänglich.

Gute drei Stunden weiter südlich befinden sich zudem die Kintampo Waterfalls, die ich vor einigen Wochen gemeinsam mit Sophia aus Bolgatanga besuchte. Die erste Stufe des Wasserfalls ist nur wenige Meter tief und wir genossen ein richtiges Picknick auf wasserumspülten Felsen und unter dem stetigen Strom an Tourist*innen. Dann folgten wir dem ruhigen Fluss, der zwar ganzjährig Wasser führt, in der Regenzeit aber wesentlich stärker ist. Schließlich kamen wir zum eigentlichen Wasserfall, der weit in die Tiefe fällt. Über die Schlucht gibt es eine freihängende Brücke und unten im Wasserstrahl badeten einige der Besucher*innen.

 

Ein Ausstellungsstück der Art Gallery sind sonnenfarbene Capes, welche ursprüglich für ein Projekt (ein Spaziergang in absoluter Stille) angefertigt wurden.

Zu guter Letzt muss ich noch das Savanah Centre for Contemporary Art (SCCA) erwähnen – ein Ausstellungsraum in Tamale, der aktuell die zeitgenössische Austellung „Existing Otherwise“ präsentiert. Das Museum habe ich bewusst den „Tagesausflügen“ zugeordnet, weil ich in der angeschlossenen Bibliothek wohl noch viele Stunden verbringen werde. Außerdem erbaut der Künstler und Initiatior der Art Gallery Ibrahim Mahama derzeit weitere Räumlichkeiten am äußersten Stadtrand. Hier soll später Platz für direkten künstlerischen Austausch, eine Bibliothek weitere Austellungsräume sein. Auf dem Gelände befinden sich zudem sechs alte Flugzeuge, die umgebaut wurden und nun regelmäßig für Malworkshops mit Kindern genutzt werden.

Die Studios befinden sich aktuell noch im Bau und bieten so die perfekte Kulisse für den zweiten Teil der Ausstellung „Existing Otherwise“ – hier ein lebendiges Labyrinth aus lauter Sackgassen, welches das Spannungsgefüge von Freude und Frust, Wachstum und Aufgeben bereithält.

Immer wieder bin ich von Tamale und seinen Orten und Menschen überrascht. Inzwischen habe ich zwar meine üblichen Orte und Wege, weiß aber auch, dass ich noch viel Neues zu sehen habe.

Meine Partner:    weltwärts      bezev e.V.     Norsaac

 

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