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Der Lebenslauf – Alles auf einen Blick

Schon irgendwie fies: Da sollen Sie Ihr ganzes bisheriges Leben auf einem Blatt unterbringen. Tabellarisch, ohne Schnörkel und Ausschmückungen, ohne Fußnoten oder Erklärungen. Und zeitlich sortiert soll es auch noch sein; strukturiert sowieso. Und warum der ganze Aufwand? Damit der Empfänger auf der sprichwörtlich ersten Blick erkennt, mit wem er es zu tun hat. Viele Personaler werfen (nur) den ersten Blick auf dieses Blatt – vor dem Anschreiben, den Zeugnissen und dem ganzen Rest der Bewerbungsmappe. Also: Diese Blatt ist WICHTIG! Ein sauber strukturierter und in sich schlüssiger Lebenslauf sorgt dafür, dass Ihre ganze Bewerbung gelesen wird.

Man unterscheidet zwei Arten von Lebensläufen: Die „deutsche“ Version ist chronologisch aufgebaut, startet also mit Ihrer Geburt und endet mit dem aktuellen Stand, also z.B. der Klasse oder dem Semester, in dem Sie sich gerade befinden. Vorteil: Der Empfänger liest in der gewohnten Zeitabfolge. Nachteil (für Sie): „Lücken“ (siehe unten) sind auf den ersten Blick zu erkennen. Und: Die zu Beginn einer Ausbildung wichtigsten Punkte, nämlich Schulbildung und erreichte oder angestrebte Abschlüsse, stehen erst am Ende.

Alternativ können Sie Ihren Lebenslauf nach dem „amerikanischem“ Muster aufbauen: Hier ist die Chronologie quasi rückwärts – Sie beginnen mit dem aktuellen Status und gehen dann zurück bis zur Geburt. In dieser Version werden unterschiedliche Informationen außerdem thematisch vorsortiert; also beispielsweise nach (Schul)-bildung, Hobbies oder Interessen, Auslandsaufenthalte, besondere Qualifikationen, Praktika, (Ferien-) Jobs, freiwillige Engagements usw.

Beide Versionen sind grundsätzlich tabellarisch abgefasst. In beide Fassungen gehören Name, komplette Anschrift, Familienstand, Geburtsort und -datum. Machen Sie konkrete Angaben, also nicht: „2002 bis 2003:  Praktikum als Modedesignerin im Atelier Schönschnitt“ (das können nämlich 2 Monate oder auch 24 Monate sein), sondern „Oktober 2002 bis März 2003“ – dann weiß jeder Leser Bescheid. Angaben zu den Eltern sind nicht mehr zeitgemäß, können aber hilfreich sein, wenn z.B. ein Elternteil in der gleichen oder einer ähnlichen Branche tätig war oder ist. Und der Lebenslauf wird auf jeden Fall aktuell datiert und unterschrieben.

„Lücken“ im Lebenslauf?

Bevor sich ein Personalchef selbst Gedanken macht, was Sie wohl 9 Monate zwischen Schul­abschluss und Beginn der Wehrdienstzeit gemacht haben oder warum Sie 10 Jahre bis zum Abschluss der 8. Klasse benötigt haben, füllen Sie diese Lücken! Entweder Sie sind ganz einfach ehrlich: Eine wiederholte Klasse ist eine wiederholte Klasse – überlegen Sie sich für das Vorstellungsgespräch eine möglichst plausible Begründung. Oder Sie verwenden einen Lebenslauf in der „amerikanischen“ Version – dann fallen Löcher zumindest nicht auf den ersten Blick auf. Grundsätzlich gilt: Für ausgedehnte Ferien z.B. nach dem Stress der Abiprüfung wird jede Personalabteilung Verständnis haben. Ab drei Monaten sollte das „Rumgammeln“ aber irgendwie positiv verpackt werden – wenn Sie die Zeit im Ausland verbracht haben, haben Sie sich doch bestimmt auch mit Land & Leuten beschäftigt, oder?

Generell ist das Verständnis für „Brüche“, für unübliche Auszeiten und nicht mehr stromlinienförmige Lebensläufe in den letzten Jahren gestiegen. Auch wenn längst nicht jeder eine Karriere vom Hausbesetzer zum Außenminister hinlegt, ist doch nicht mehr jedes Jahr Rucksackurlaub in Australien ein Karrierehindernis; entscheidend ist, was Sie daraus machen und wie Sie es verpacken. Mehr dazu, was im Lebenslauf erlaubt ist (und was nicht), finden Sie hier.

Grundsätzlich gilt: Der Lebenslauf ist kein „Anhang“ Ihrer Bewerbung, sondern, wie das Anschreiben, Teil Ihrer BeWERBUNG! Also nutzen Sie ihn, um ein möglichst positives, sympathisches und für die angestrebte Stelle stimmiges Bild Ihrer Persönlichkeit zu vermitteln – schließlich kennt das Unternehmen Sie (bisher) nicht persönlich.

Eine Checkliste als PDF zum Download gibt hier.

Die Bewerbungsmappe – Der erste Eindruck zählt

Leider ist es heutzutage keine Seltenheit, dass auf einen ausgeschriebenen Ausbildungsplatz Hunderte, bei großen Firmen sogar tausend oder mehr Bewerbungen eintreffen. Die Bewerbungsunterlagen, egal ob „klassisch“ schriftlich oder elektronisch, werden so zum Schlüsselfaktor jeder erfolgreichen (oder auch erfolglosen) Bewerbung. Denn der erste Eindruck, den Ihre Bewerbung macht, ist nicht mehr zu korrigieren. Zunächst gilt es also, eine ganze Menge formaler Anforderungen zu erfüllen bzw. handwerkliche Fehler zu vermeiden.

Die Optik

Alle Unterlagen gehören in eine Bewerbungsmappe. Es versteht sich von selbst, dass diese Mappe sauber und ohne Eselsohren oder Flecken ist und nur in absoluten Ausnahmefällen ein zweites Mal verwendet wird. Ob Kunststoff oder Karton ist eigentlich egal, auf die Farbe kommt es auch nicht an, allerdings verschmutzen helle Mappen schneller als dunkle und gedeckte Farben wirken seriöser als ein schreiendes Pink. Anschreiben und Lebenslauf werden natürlich auf dem PC (oder notfalls der Schreibmaschine) geschrieben und auf weißem, unliniertem Papier besserer Qualität (mindestens 80 gr/qm, im Bürofachhandel weiß man Bescheid) sauber ausgedruckt. Kopien von Zeugnissen u.a. sollten ebenfalls von guter Qualität sein, kontrastreich und gut lesbar, aber ohne dunkle Schatten, Ränder oder Schlieren. Verwenden Sie unbedingt eine spezielle Bewerbungsmappe – gelochte Unterlagen in einem Schnellhefter fallen durch.

Selbst erstellte Unterlagen wie Anschreiben und Lebenslauf sollten einheitlich gestaltet sein. Linker und rechter Rand je 3 cm, oben und unten je 4 cm sind ein guter Anhalt. Auf dem PC sind jede Menge Schriften – lassen Sie die Finger davon. Die Schrift muss seriös aussehen und gut lesbar sein – mit einer „Arial“ oder „Times New Roman“ sind Sie im grünen Bereich. 11 oder 12 Punkt sind gut lesbare Schriftgrößen, mit der Sie noch genug Informationen auf einer DIN A 4-Seite unterbringen. Bleiben Sie auf jeden Fall bei einer Schriftart und -größe. Wenn Sie etwas betonen oder herausheben wollen, unterstreichen Sie diese Punkte – Finger weg von „fett“, „kursiv“ oder sogar beidem! Viele Textverarbeitungsprogramme wie Word bieten inzwischen auch Gestaltungsmöglichkeiten wie Blocksatz oder zentrierter Satz – das hat in einer Bewerbung nichts verloren. Schreiben Sie normal linksbündig, wie es auch mit einer Schreibmaschine möglich wäre – Sie gestalten schließlich kein Buch und keine Zeitschrift. Und die Schrift ist grundsätzlich schwarz – auch wenn Sie einen Farbdrucker besitzen.

Der Inhalt

„Bitte schicken Sie Ihre vollständigen Unterlagen unter Angabe der Kennziffer an Herrn Müller, Personalabteilung“ – so oder so ähnlich steht es in den meisten Anzeigen. In Ihre Bewerbungsmappe gehören (mindestens) in folgender Reihenfolge.

Bescheinigungen oder Zertifikate über ergänzende Qualifikationen oder besondere, für die Ausbildung relevante Fähigkeiten gehören nur in die Mappe, wenn sie einen Bezug zur Bewerbung haben – Führerscheine, das Freischwimmerabzeichen oder das Surf-Diplom haben darin nichts verloren. In die Mappe gehören also:

  • Anschreiben
  • Deckblatt mit Foto
  • Lebenslauf
  • Kopie des letzten Schulzeugnisses bzw. der letzten Schulzeugnisse
  • eventuell Bescheinigungen von Kursen und Praktika

Arbeitsproben machen in der Regel bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz keinen Sinn. Und: Originale gehören niemals in die Mappe; verwenden Sie immer Kopien!

Formales

Tippfehler, Korrekturen, Rechtschreib- oder Zeichensatzfehler bringen Ihnen bereits die ersten Minuspunkte! Ihr Absender sollte komplett sein – dazu gehört auch eine Telefonnummer für Rückfragen. Eine Festnetznummer macht immer noch einen seriöseren Eindruck, als nur eine Handynummer anzugeben. Und auch an Ihre eMail-Adresse sollten Sie ein paar Gedanken verschwenden (mehr dazu im Abschnitt „Die elektronische Bewerbung“). Eine falsche oder unvollständige Firmenadresse, Firmierung (GmbH? AG? GmbH & Co. KG?) oder ein fehlender oder falsch geschriebener Ansprechpartner in der Adresse haben schon unzählige Bewerbungsmappen direkt in den Papierkorb gespült – informieren Sie sich im Internet, in Telefonbüchern, fragen Sie telefonisch oder persönlich nach und lassen Sie sich Namen zur Sicherheit buchstabieren. Bekommen Sie gar keinen Ansprechpartner heraus, nehmen Sie, vor allem bei großen Unternehmen, den Zusatz „Personalabteilung“ in der Adresse auf – dann landet Ihre Mappe zumindest nicht beim Fuhrparkleiter oder in der Einkaufsabteilung. Und natürlich verschicken Sie Ihre Unterlagen in einem stabilen Umschlag (mit Papprücken) und ausreichend frankiert (im Zweifel selbst zur Post bringen und wiegen lassen). Den Absender auf dem Umschlag nicht vergessen!

Das Anschreiben

In die Betreffzeile gehört die Kennziffer, das Zeichen oder was auch immer die Firma in der Anzeige (oder Online) angegeben hat. Entweder, um einfach die Zuordnung der Bewerbung in einem großen Betrieb mit vielen offenen Stellen zu erleichtern oder um die Resonanz einer Anzeige in mehreren Zeitungen zu überprüfen. Dazu der Hinweis „Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zum …“. Bei Anzeigen ohne Kennziffer geben Sie im Betreff an, wo und wann Sie die Anzeige gelesen haben („Ihre Anzeige in JOB & CHANCEN Frühjahr 2016“). Als Anrede gibt es eigentlich keine Alternative zu „Sehr geehrter Herr…“ bzw. „Sehr geehrte Frau…“. Nur wenn Sie keinen direkten Ansprechpartner in Erfahrung bringen konnten, muss eben „Sehr geehrte Damen und Herren“ genügen.

Was dann folgt, ist im wahrsten Sinne des Wortes, Ihre BEWERBUNG. Also werben Sie für sich! Beginnen Sie mit „Ich bewerbe mich um…“ – nicht „Ich möchte / könnte / würde mich gern bewerben…“ (mehr dazu weiter unten). Erklären Sie, warum gerade diese Anzeige Sie angesprochen hat, warum gerade dieser Ausbildungsberuf Sie besonders interessiert, warum Sie Ihr Berufsleben ausgerechnet bei diesem Betrieb beginnen möchten. Dazu sollten Sie natürlich möglichst viel über das Unternehmen und seine Produkte oder Angebote ­wissen. Also: Freunde, Bekannte, Verwandte, Lehrer ausfragen, im Verein umhören, im Internet surfen… machen Sie sich schlau. Sie müssen im Anschreiben klarmachen, warum Sie die genau passenden Interessen, Fähigkeiten und die Begeisterung bieten, die Sie von möglichst allen anderen Wettbewerbern um diese Stelle unterscheidet. Beenden Sie Ihr Anschreiben mit einer positiven Aussage – „Über ein persönliches Gespräch mit Ihnen würde ich mich sehr freuen.“ ist freundlich und aktiv formuliert und macht klar, dass Sie von sich und Ihren Fähigkeiten überzeugt sind und hoffen, dass es weitergeht. Übrigens: Auch wenn ein Unternehmen vielleicht zwei oder mehr Ausbildungsberufe anbietet, für die Sie sich interessieren – Sie bewerben sich um eine Stelle. Notfalls müssen Sie für eine Alternative eben eine zweite Bewerbungsmappe schicken.

Unter die Grußformel („Mit freundlichem Gruß / Mit freundlichen Grüßen“; nicht: „Hochachtungsvoll“) gehört dann noch Ihre Unterschrift – nicht abgekürzt, nicht übertrieben dynamisch oder künstlerisch (Sie unterschreiben einen Brief und signieren kein Gemälde!). Verwenden Sie einen blauen oder schwarzen Stift (am besten einen Füller) – rot nutzen Buchhalter für die bekannten roten Zahlen. Und das Datum ist natürlich aktuell – spätestens am nächsten Tag werden die Unterlagen abgeschickt. Aber lassen Sie vorher noch jemand kritisch Korrektur lesen – vier Augen sehen mehr als zwei! Und machen Sie sich einen Satz Kopien der gesamten Unterlagen – damit Sie später noch wissen, wo Sie sich wie beworben haben.

Ehrlich währt am längsten

Klar, Sie befinden sich in einer Konkurrenzsituation. Sie stehen unter Druck. Und Sie wollen alles richtig machen. Aber für die schriftliche Bewerbung gelten die gleichen Grundsätze wie später im Vorstellungsgespräch: Bleiben Sie ehrlich! Natürlich ist die Versuchung groß, die eigenen Fähigkeiten oder Kenntnisse etwas „aufzuhübschen“. Das kommt früher oder später ans Tageslicht – gehen Sie einfach davon aus, dass alle Ihre Angaben überprüft werden, bevor Sie einen Vertrag bekommen. Bleiben Sie authentisch! Es hilft Ihnen nicht, wenn Sie sich in Ihrer Bewerbung in den leuchtendsten Farben als (zukünftigen) besten Verkäufer der Welt darstellen und sich tatsächlich in Gegenwart fremder Menschen eher unwohl fühlen. Suchen Sie in Ihrem „Profil“ (das Sie ja hoffentlich erstellt haben) nach anderen Fähigkeiten, die Sie anführen können.

Seien Sie relevant! Wenn Hobbies, Interessen und Fähigkeiten absolut nichts mit der angestrebten Ausbildung zu tun haben, dann haben Sie in Ihrer Bewerbung auch nichts zu suchen. Wer seine Freizeit mit der Playstation verbringt, sollte dies besser verschweigen. Seien Sie ­interessant! Was können Sie, was andere nicht können? Wie und wo heben Sie sich ab? Das können auch ­Aktivitäten sein, die auf den ersten Blick nichts mit Ihrer Ausbildung zu tun haben: Sie sind der Kassenwart oder haben eine andere Funktion in einem Verein übernommen? Klasse! Sie können mit Menschen umgehen, Sie können andere überzeugen (denn Sie wurden ja gewählt) und andere vertrauen Ihnen sogar ihr Geld an. Fast alle Engagements lassen sich entsprechend positiv „verpacken“ – egal ob im Verein, in der Kirche, in einer Partei, in der Nachbarschaftshilfe, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder bei den Pfadfindern. All dies hebt Sie von den anderen Bewerbern ab. Sie waren für eine gewisse Zeit im Ausland (nicht 14 Tage am Ballermann!)? Prima, Sie haben Ihre Sprachkenntnisse vertieft und interessieren sich für andere Kulturen und Gesellschaften! Sie gehen gern in das Theater oder lesen gern? Auch ok – viele junge Menschen haben daran nämlich gar kein Interesse (mehr). Aber auf die Frage nach dem letzten Buch oder Theaterstück sollten Sie spätestens beim Vorstellungsgespräch vorbereitet sein.

In ist, wer drin ist?

Sie haben ein Profil in einem sozialen Netzwerk oder sogar eine eigene Website? Toll, Sie interessieren sich für das Internet und haben sicher gewisse technische Fähigkeiten, die andere nicht haben. Aber Achtung: SEHR kritisch prüfen, ob der neue Chef (und alle zukünftigen Kollegen und Kolleginnen) Ihr Profil oder Ihre Seite wirklich sehen sollen. Die echt witzigen und womöglich feuchtfröhlichen Fotos oder Videosequenzen der letzten Silvesterfeier können nämlich auch nach hinten losgehen. Dass man der größte Fan von Tokio Hotel ist, bringt einen zumindest nicht weiter; genau so wenig wie eine Seite, die sich ausschließlich um Perserkatzen dreht. Über den Lieblingssportverein kann man schon geteilter Meinung sein. Themen wie Politik oder auch Religion sind in diesem Zusammenhang schlicht tabu. Auf der anderen Seite können auf den ersten Blick rein private Hobbies auf der Website Sie auch entscheidend von anderen Bewerbern abheben: Wer z.B. Formel 1-Fan ist und dieses Thema behandelt, wird nicht nur bei BMW oder Mercedes, sondern auch bei jedem Zulieferer und sogar bei dem einen oder anderen großen Sponsor seinen oder ihren Startplatz im Rennen um einen Ausbildungsplatz deutlich verbessern.

So, jetzt müssen Sie Ihre Überlegungen nur noch kurz und knapp zu Papier bringen (kein Personalverantwortlicher liest gern Romane, wenn eine oder maximal zwei Seiten ausgereicht hätten):

  • Formulieren Sie aktiv und positiv.
  • Kurze Sätze sind besser als lange.
  • Strukturieren und gewichten Sie, was Sie aussagen wollen – und bringen Sie dann einen Gedanken nach dem anderen. Und ein neuer Gedanke, eine neue Aussage oder Information bedeutet auch ein neuer Absatz.
  • Vermeiden Sie den Konjunktiv (könnte / würde / dürfte / hätte).
  • Seien Sie selbstbewusst! Sie haben ja Fähigkeiten, Sie haben dem Unternehmen etwas zu bieten. Also bitten Sie (gedanklich) – aber betteln Sie nicht.

Und wenn Sie vor dem Verfassen Ihrer Bewerbung eine Minute Ihr Spiegelbild anlächeln, wird der ganze Stil Ihres Briefes gleich optimistischer und freundlicher (das funktioniert tatsächlich!).

Auffallen um jeden Preis?

Seien Sie sehr vorsichtig, was eine vermeintlich kreative Bewerbung angeht. Selbst in eher aufgeschlossenen Unternehmen wie Werbe- oder Eventagenturen reagieren die Personalverantwortlichen zurückhaltend auf Ihrer Meinung nach witzige Formulierungen, völlig überraschende Bewerbungsfotos oder die Idee, die gesamte Bewerbung auf eine Schiefertafel zu gravieren. Sie wollen vor allem über sich informieren, nicht unterhalten oder gar Irritationen auslösen. Eine strukturierte und fehlerfreie Bewerbungsmappe mit direktem Bezug zum Unternehmen bzw. der freien Stelle überzeugt auf jeden Fall mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit als der witzigste Einfall. Und eine schwache Mappe können Sie auch mit der ungewöhnlichsten Verpackung nicht ausgleichen – WERBEN Sie für sich, aber machen Sie keine REKLAME!

Eine Checkliste als PDF zum Download gibt es hier.

Das Bewerbungsfoto – „say cheese“

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte – ­knapper lässt sich das Gewicht Ihres Bewerbungsfotos nicht beschreiben.Bevor in der Personalabteilung jemand Ihr Anschreiben liest, wird Ihr Bild betrachtet. Das hat nichts mit Oberflächlichkeit aller Personalverantwortlichen zu tun, sondern ist entwicklungsgeschichtlich im menschlichen Gehirn angelegt und nicht zu ändern. Dass ein Foto aus dem Automaten absolut tabu ist, versteht sich von selbst. Auch der bestgelungene Urlaubsschnappschuss hat in der Bewerbungsmappe nichts zu suchen.

Bewerbungsfotos lassen Sie beim Profi machen – das Geld ist gut angelegt! Der Fachmann wird Ihnen dann sagen und zeigen, wie Sie am besten sitzen, welcher Gesichtsausdruck der passende ist, wohin Sie schauen sollten usw. Professionelle Studios fotografieren digital – das Retuschieren z.B. eines Pickels ist üblich und kein Problem. Und neben hochwertigen Abzügen für die Bewerbungsmappe bekommen Sie dort auch digitale Fotos für die elektronische Bewerbung per Mail, idealerweise im JPEG-Format und mit einer Auflösung von 72 dpi (Näheres im Kapitel „Die Bewerbung Online“).

Ein paar Worte zum Outfit (dies gilt auch für das Vorstellungsgespräch): Wählen Sie die Kleidung für den Termin beim Fotographen, die Sie auch während Ihrer Ausbildung tragen werden (ausgenommen natürlich Berufe, in denen Sie Berufskleidung gestellt bekommen). Am besten nehmen Sie gleich zwei Oberteile (Hemd oder Bluse, Pullover oder Sakko) in hell und dunkel zum Fototermin mit – dann hat der Fotograf alle Möglichkeiten, Sie im besten Licht erscheinen zu lassen (Outfit und Fotohintergrund stimmt der Profi nämlich auf Sie ab). Ausführlicher beleuchten wir das Thema Outfit im Kapitel „Das Vorstellungsgespräch“.

Vermeiden Sie jedes Extrem – keinen interessiert, ob Sie VfB-Fan, Gothic-Anhänger oder Freizeit-Punk sind. Auch die Frisur sollte, soweit möglich, eher zurückhaltend sein. Nichts spricht gegen etwas Gel im Haar – auch bei den Herren der Schöpfung. Aber vier Stacheln in Neongrün sollten es nun wirklich nicht sein. Und die Damenwelt sollte zurückhaltend beim Griff in den Kosmetikkoffer sein – Sie bewerben sich ­schließlich nicht bei DSDS. Dass Sie ausgeschlafen, mit gewaschenen Haaren und die Herren frisch rasiert antreten, versteht sich von selbst.

Wie finden Sie das richtige Fotostudio? Das Angebot „Bewerbungsfotos“ hat nahezu jeder Fotograf auf seiner Homepage – weil es jede Menge Bedarf gibt. Unser Tipp: Vorbeischauen und beraten lassen: Wird gefragt, wofür genau Sie die Fotos benötigen? Wird erklärt, wie der Termin abläuft? Sind die Kosten transparent (auch für später benötigte weitere Abzüge)? Gefallen Ihnen die Bewerbungsfotos, die das Studio bereits gemacht hat? Ist Ihnen der Fotograf überhaupt sympathisch? Wenn nicht: Weitersuchen – ein gutes Foto ist extrem wichtig (und nicht ganz billig).

Dazu „Bewerbungspapst“ Jürgen Hesse:

„Personalentscheider beklagen, dass sie rund 80 % der eingehenden Bewerbungen sofort zur Seite legen – unter anderem, weil das Bewerbungsfoto nicht den Anforderungen entspricht! Achten Sie also auf ein überzeugendes, ansprechendes Bild, das Sie so zeigt, wie Sie vom Unternehmen wahrgenommen werden möchten. Und investieren Sie im Zweifel lieber ein paar Euro für ein professionelles Bild vom Fotografen – anstatt die Bikini-Fotos aus dem letzten Urlaub zu verwenden!“

Keiner mag Sie? Der Absagen-Survival-Guide

Da haben Sie viel Zeit und Mühe in Ihre Bewerbungsunterlagen gesteckt, genau geprüft, ob das Unternehmen für Sie in Frage kommt, das Anschreiben ist natürlich exakt auf den angestrebten Ausbildungsplatz abgestimmt und dann das: Eine Absage – was nun?

Ganz wichtig: Kopf hoch! Eine oder mehrere Absagen sind heutzutage die Regel – aber das muss gar nicht an Ihnen liegen. Liest man sich die Absage nach dem ersten Frust genauer durch, fällt schnell auf, dass eigentlich nichts drinsteht. Ein paar Floskeln, gute Wünsche für das weitere Berufsleben und das war’s – nicht gerade hilfreich. Kann sich die Personal- oder Ausbildungsabteilung nicht etwas mehr Mühe geben? Eine individuelle Bewerbung verdient doch eine individuelle Absage, oder nicht? Grundsätzlich haben Sie Recht – aber das AAG steht dem im Weg. Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AAG) trat 2006 in Kraft – als Gesetz gegen die Diskriminierung sollte es verhindern, dass Bewerber/Innen z.B. wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder Ihres Geschlechts oder Alters pauschal, also ohne weitergehende Beurteilung nicht berücksichtigt werden. Aus Angst, verklagt zu werden, nennen Unternehmen seitdem in der Regel überhaupt keine Gründe mehr für eine Absage. Die Chance, direkt aus Fehlern zu lernen, weil die Bewerbungsmappe vielleicht doch Mängel hatte oder die Qualifikation einfach nicht ausreicht, besteht also nicht mehr. Natürlich können Sie nach einer Absage schriftlich oder telefonisch nach den Gründen forschen – Erfolg werden Sie allerdings kaum haben. Ein Rechtsanspruch auf Offenlegung der Gründe für die Absage besteht übrigens auch nicht.

Und jetzt?

Also ab damit in die Mülltonne? Im Prinzip ja – aber: Schauen Sie sich Ihre Unterlagen noch einmal besonders kritisch an. Keine Fehler erkennbar? Überzeugendes Anschreiben? Vollständige und saubere Mappe mit vernünftigem Foto? Wurde Ihnen bereits vor einem persönlichen Vorstellungsgespräch abgesagt, bedeutet dies in der Regel: Entweder, Sie erfüllen die geforderte Qualifikation nicht – Schulabschluss, Prüfungsfächer, Noten usw. Oder das Unternehmen ist der Meinung, dass Sie einfach nicht „passen“. Klingt platt, ist aber enorm wichtig: Unternehmen suchen in der Regel nämlich nicht die besten Bewerber/Innen aus, sondern diejenigen, die (vermeintlich) am besten zum Unternehmen passen! Und das ist ein Riesenunterschied: Wer eine Absage bekommt, ist nämlich nicht automatisch schlechter, sondern nur anders als die Konkurrenz. Dazu kommt: In Personalabteilungen arbeiten auch nur Menschen. Natürlich ist der Auswahlprozess in der Regel strukturiert – trotzdem kommt es natürlich vor, dass eine Bewerbung „durch den Rost fällt“. Letztendlich ist die Auswahl immer auch subjektiv – niemand kann immer allen gefallen.

Häufen sich die Absagen, sollten Sie allerdings, z.B. mit Hilfe der Berufsberater der Arbeitsagentur, Ihren Berufswunsch prüfen – nur weil viele Freunde und Klassenkameraden die gleiche Ausbildung anstreben, muss das nicht auch für Sie die erste Wahl sein. Im Gegenteil: Wenn schon 5 Klassenkameraden in den gleichen Job drängen, was meinen Sie, wie groß die Konkurrenz insgesamt ist?

Nicht viel anders verhält es sich, wenn Ihnen erst nach einem Vorstellungsgespräch oder einem Assessment-Center abgesagt wird: Entweder, andere Bewerber waren einfach besser – das passiert im Leben und lässt sich nicht ändern. Viel wahrscheinlicher: Andere Bewerber haben besser oder anders überzeugt. Auch hier gilt: Damit müssen Sie leben. Aber Sie müssen nicht resignieren – eine Absage sagt nichts über Sie als Person, Ihren Charakter, Ihre menschlichen Stärken und Schwächen aus. Auch die Gründe für eine Absage nach dem Vorstellungsgespräch wird man Ihnen nicht mitteilen. Versuchen Sie, sich noch einmal genau an das Gespräch zu erinnern: Wie war die Atmosphäre insgesamt? Waren Ihnen der oder die Gesprächspartner sofort sympathisch oder nicht? Waren Ihnen bestimmte Fragen unangenehm oder wurden sie überrascht und hatten nicht gleich eine Antwort parat? Das können Indikatoren für die Absage sein – müssen es aber nicht.

Rückt der traditionelle Ausbildungsbeginn August/September mit Riesenschritten näher und Sie haben zwar einen ganzen Stapel Absagen, aber nicht einen einzigen Termin für eine persönliche Vorstellung in Aussicht, hilft nur eines: Blick nach vorn! Jetzt ist es spätestens Zeit, sich zügig Gedanken über eine Alternative zu machen – Stichwort Freiwilliges Soziale Jahr, Stichwort Praktikum, Stichwort Berufsvorbereitendes Jahr, Stichwort Auslandsaufenthalt, Stichwort Einstiegsqualifizierung. Auch hier helfen die Berater der Agentur für Arbeit. Denn ein „vergammeltes“ Jahr im Lebenslauf verbessert Ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz im nächsten Jahr auf keinen Fall. Achtung: Das „Jobben“ in der Kneipe, im Getränkemarkt oder wo auch immer bringt zwar Geld in die Kasse, kann aber im Vergleich mit den o.a. Alternativen nur die schlechtere Wahl sein – damit überzeugen Sie nämlich keinen Personaler bei der Bewerbung im nächsten Jahr. Noch schlechter ist nur, gar nichts zu tun.

Der Absagen-Survival-Guide:

  • Absagen sind das Normalste der Welt – suchen Sie in Ihrem Umfeld mal jemand, der noch keine Absage bekommen hat.
  • Absagen sind nicht persönlich gemeint- ein kurzer Blick in Ihre Mappe reicht manchmal schon. Das ist unfair, aber nicht zu ändern.
  • Absagen sagen nichts über Ihre Person aus – schließlich kennt das Unternehmen Sie ja gar nicht.
  • Absagen sagen nicht immer etwas über Ihre Qualifikation aus – Unternehmen suchen die am besten Passenden, nicht die besten Bewerber.
  • Selbstkritik hilft: Passt mein Berufswunsch? Waren die Bewerbung und das Vorstellungsgespräch wirklich überzeugend?
  • Selbstzweifel sind aber nicht angebracht – kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken!
  • Wenn die Absagen sich häufen: Rechtzeitig Alternativen prüfen – ein Jahr lässt sich auch ohne Ausbildung sinnvoll oder weniger sinnvoll nutzen.

Kleiner Tipp fürs Ego:

Ist das wirklich die Firma, in der Sie unbedingt arbeiten wollen? Immerhin haben die Ihnen abgesagt. Ohne überhaupt zu wissen, was Ihnen jetzt entgeht…

Die richtige Körpersprache im Vorstellungsgespräch

Ein offenes Lächeln, verschränkte Arme oder ein federnder Gang: Der Körper kommuniziert – auch beim Vorstellungsgespräch. Wer durch seine Bewerbung mit fachlichen Qualifikationen überzeugt hat, muss im persönlichen Austausch durch sein Auftreten glänzen. Die Tipps vom Recruiting-Dienstleister IQB Career Services helfen dabei, Körpersprache gezielt einzusetzen.

 

 

Die Begrüßung: Auf den Händedruck kommt es an

Schon der Beginn des Vorstellungsgesprächs ist entscheidend, denn in ihm bildet sich ein wichtiger erster Eindruck. Zuerst sollte die ranghöchste Gesprächsperson begrüßt werden, am besten mit einem festen Händedruck von etwa drei Sekunden. Genauso wichtig: Wer dabei dem Gegenüber in die Augen blickt und leicht lächelt, kommt direkt sympathisch rüber. Nervosität ist ganz normal, sollte aber nicht zu vorschnellem Handeln ermutigen. Erst wenn der Recruiter eine Sitzgelegenheit anbietet, sollten Bewerberinnen und Bewerber Platz nehmen.

Sich offen zeigen und nicht übertreiben

Apropos hinsetzen: Eine kerzengerade Haltung wirkt schnell angespannt und damit unsicher. Wer schlaff auf dem Stuhl hängt, könnte beim potenziellen Arbeitgeber einen gleichgültigen Anschein erwecken. Besser ist eine aufrechte, entspannte Haltung – keine verschränkten Arme! – mit leicht vorgebeugtem Oberkörper. Sie signalisiert dem Gegenüber Offenheit und aufmerksames Zuhören und drückt beim Sprechen nicht auf die Stimme.

Achtung Freunde großer Gesten: Die Hände untermalen Gesagtes, wildes Fuchteln könnte aber zu aufgedreht wirken. Auch der Gesichtsausdruck sollte natürlich bleiben, weiß Susanne Glück von IQB: „Bei der Mimik gilt dasselbe wie bei der Körperhaltung: nicht übertreiben! Ein freundlicher, offener Blick zeigt Aufgeschlossenheit. Wer beim Zuhören zudem leicht nickt und Blickkontakt hält, symbolisiert Interesse am Gesagten.“ Stirn, Augen- und Mundpartie sollten bewusst eingesetzt werden, um die eigenen Aussagen zu unterstreichen.

Nervöse Menschen fassen sich häufig ins Gesicht. Berühren sie dabei Nase oder Mund, wird das zuweilen als Anzeichen für eine Lüge gewertet. Nach unten zu schauen, kann außerdem Desinteresse oder Arroganz signalisieren. Bereits kurz vor dem Vorstellungsgespräch sollte außerdem das Smartphone in der Tasche bleiben: Wer beim Warten auf sein Smartphone blickt, senkt sein Kinn, neigt die Schultern nach vorne und hält die Hände nah beieinander. Nehmen Bewerberinnen und Bewerber diese Haltung mit ins Bewerbungsgespräch, wirken sie oft unsicher und verschlossen.