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6 Tipps für eine Bewerbung mit dem Smartphone

Das Smartphone ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Shoppen, Flugbuchung und Pizzabestellung erledigen wir quasi automatisch mit dem Handy. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Menschen auch mit dem Smartphone bewerben möchten. 73 % geben in der aktuellen Mobile Recruiting Studie an, dass sie sich gerne mobil bewerben würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Das trifft zwar (derzeit) eher Berufserfahrene und die Bewerbung auf leitende Positionen zu, aber für den Fall, dass Sie sich auf diesem Weg für einen Ausbildungsplatz bewerben wollen oder es vielleicht sogar müssen, ist bei der Bewerbung über das Smartphone jedoch einiges zu beachten.

meinestadt.de hat 102 Personaler befragt, was sie sich bei mobilen Bewerbungen von Kandidaten wünschen. Die Ergebnisse zeigen, dass fast die Hälfte der Unternehmen mobile Bewerbungen akzeptieren, vor allem, weil sie diese Form der Bewerbung als „zeitgemäß“ empfinden und sich einen schnelleren Prozess davon versprechen. Nicht alle Personaler machen bei den Anforderungen einen Unterschied zwischen mobiler oder klassischer Bewerbung: 35 % wünschen sich auch bei einer mobilen Bewerbung ein „klassisches Anschreiben“, 69 % ein Foto. Über ein Drittel der Unternehmen reicht es, einen Lebenslauf ohne Motivationsschreiben von Bewerbern zu erhalten.

Die Umfrage ergab weiterhin, dass ein Drittel der Unternehmen bereits einen mobil optimierten Bewerbungsprozess anbietet. Wer also gerne eine Bewerbung über ein mobiles Endgerät verschicken möchte, hat hier durchaus Möglichkeiten. Hier die wichtigsten Tipps aus den Personalabteilungen:

1. Informationen einholen

Die wichtigste Erkenntnis vorab: Es gibt noch keinen Standard für die mobile Bewerbung in Unternehmen. Das Spektrum schwankt von einer „vollständigen Bewerbung“ mit den gleichen Bestandteilen wie eine klassische E-Mail-Bewerbung (Anschreiben, Foto, Dokumente) bis hin zu einer Kurzbewerbung mit wenigen Angaben. Am besten fragen Bewerber gezielt nach, was aus Sicht des Unternehmens eine vollständige mobile Bewerbung darstellt – insofern der Arbeitgeber in spe dazu keine Angaben auf den eigenen Jobseiten macht.

2. Zeit einplanen für die Kontrolle der Bewerbung

Über die Hälfte der Personaler ist aktuell nicht mit der Qualität der eingehenden mobilen Bewerbungen zufrieden. Bei aller Schnelligkeit von mobilen Endgeräten darf die Gründlichkeit nicht vernachlässigt werden. Daher empfehlen sie, bei einer mobilen Bewerbung umso strukturierter und sorgfältiger vorzugehen, denn auf dem Smartphone können sich schnell Fehler einschleichen. Eine Personalerin bringt das Anliegen vieler Kollegen auf den Punkt: „Auch bei mobilen bzw. Kurzbewerbungen muss man sich Zeit nehmen und die Bewerbung gewissenhaft prüfen.“ Mobile Bewerbungen sollten daher umso sorgfältiger kontrolliert werden. Hier gibt es beispielsweise spezielle Apps, die eine Rechtschreibprüfung übernehmen.

3. Dokumente auf dem Smartphone bereitstellen

Einige Unternehmen benötigen Unterlagen wie Zertifikate, Zeugnisse und Referenzen. Auch das Bewerbungsfoto sollte mobil verfügbar sein. Damit die Dokumente immer parat sind, eignen sich zum Beispiel Google Drive, Cloud-Speicher oder Dropbox. Hier äußern Personaler besonders häufig den Wunsch, dass die Dokumente, falls sie eingescannt werden, ordentlich gescannt werden. Auch das ist aus ihrer Sicht ein Ausdruck von Ernsthaftigkeit und Seriosität bei der mobilen Bewerbung.

4. Der Lebenslauf ist die wichtigste Eintrittskarte

Hier waren sich die Personaler einig: Unternehmen sehen den Lebenslauf als wichtigsten Teil einer Bewerbung. Da Personalabteilungen sich schnell einen Überblick über die wichtigsten Stationen und Qualifikationen verschaffen möchten, sollte der Lebenslauf übersichtlich und gut strukturiert sein. Ein häufig genannter Wunsch: Im Lebenslauf sollten zudem nicht nur die bisherigen Arbeitgeber genannt sein, sondern auch die jeweiligen Tätigkeiten. Bei einigen Arbeitgebern reicht ein Link auf ein gut gepflegtes Xing- oder LinkedIn-Profil. Bewerber sollten sich nach dieser Möglichkeit erkundigen.

5. Auf das Anschreiben kann häufig verzichtet werden

Die Hälfte der Unternehmen findet das Anschreiben überflüssig. Viele Bewerber erzählen häufig nur den Lebenslauf nach. Das Tippen eines ausführlichen Anschreibens ist auf dem Smartphone zudem sehr mühsam und umständlich. Einige Unternehmen begrüßen ausdrücklich moderne Formen der Kurzbewerbung. Wichtiger als ein Standardanschreiben ist Personalern die Beschreibung der Motivation für den Job, die in ein paar Sätzen zusammengefasst werden kann.

6. Erreichbarkeit sicherstellen

Die Nutzung von mobilen Bewerbungen spricht für eine hohe Affinität zu mobilen Endgeräten. Und diese bringen Erreichbarkeit mit sich. Auch nach Abschicken der Bewerbung sollten potenzielle Kandidaten ein gutes Bild abgeben und zeitnah auf Feedback des Unternehmens antworten. Personaler empfehlen, die Handynummer sowie die E-Mail-Adresse anzugeben, um auf mehreren Wegen erreichbar zu sein und möglichst zügig auf Feedback des Unternehmens reagieren zu können.

„Jobsuchende haben in vielen Berufen immer häufiger die Wahl zwischen mehreren Angeboten. Unternehmen sollten daher auf die Wünsche und Bedürfnisse von Kandidaten eingehen und zeitgemäße Formen der Bewerbung anbieten, wenn sie potenzielle Bewerber nicht verlieren möchten“, so Wolfgang Weber, Geschäftsführer von meinestadt.de.

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Was passiert im Assessment-Center? Jeder gegen jeden?

Nicht selten setzen Unternehmen bei der Personalauswahl ein Assessment-Center (AC) ein (von englisch to assess = beurteilen, auf Deutsch etwa Beurteilungszentrum). Nicht immer werden Sie zu einem Assessment-Center eingeladen – Auswahl- oder Bewerberseminar sind ebenfalls gängige Namen.

Aber was passiert dort? Und warum?

Kurz gesagt: Man setzt Sie unter Druck. Allein oder in der Gruppe bekommen Sie unterschiedlichste Aufgaben gestellt, die im Kern nur eines gemeinsam haben: Sie sind in der Regel überhaupt nicht oder in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht vollständig zu lösen. Und was soll das? Stress erzeugen. Im AC wird simuliert, wie Sie sich unter Stress verhalten und reagieren. Die gestellten Aufgaben rücken dabei in den Hintergrund – wie viel Quadratwurzeln Sie in 5 Minuten ziehen oder welche amerikanischen Bundesstaaten sie auf einer Landkarte eintragen können, ist nebensächlich. Die Beobachter, die sich übrigens immer im Hintergrund halten, interessieren ganz andere Dinge: Wie verhalten Sie sich, wenn Sie eine Aufgabe nicht lösen können? Wie reagieren Sie, wenn Sie feststellen, dass die Zeit knapp wird oder merken, dass Sie einen Fehler gemacht haben? Es geht also darum, wie Sie mit Problemen und Druck umgehen – egal, ob Sie allein im AC sind oder in einer Gruppe.

Bei Gruppenübungen lauten die Punkte, auf die die Beobachter achten: Wie kommt die Gruppe zu einer Lösung? Wird demokratisch diskutiert? Oder zwingt ein Teilnehmer dem Rest seine Meinung auf? Wer bestimmt die Diskussion und wer hält sich im Hintergrund? Wer trägt zur Problemlösung bei und wer stört nur mit seinen Beiträgen? Wer ändert ständig seine Meinung und wer ist überhaupt nicht zu überzeugen? Wer übernimmt welche Rolle in der Gruppe?

Eine beliebte Übung ist z.B. die Postkorb-Aufgabe („Sortieren Sie diese Eingangspost nach „Wichtig“, „Unwichtig“, „Sofort erledigen“ und „Liegen lassen“): Wie viel Post Sie am Ende der (immer zu knappen) Zeit sortiert haben, ist fast Nebensache. Aber: Wie sind Sie vorgegangen? Systematisch? Alphabetisch? Nach dem Zufallsprinzip? Haben Sie sich an Ihr System gehalten? Oder in der Hektik den roten Faden verloren? Haben Sie vielleicht mittendrin Ihr System geändert? Oder alles wieder zusammengeworfen, um von vorn anzufangen?

Es gibt einige gern eingesetzte Mittel, um Stress während des AC aufzubauen oder den Druck weiter zu erhöhen – hier einige Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Das Thema, auf dass Sie sich 20 min für eine Präsentation vorbereitet haben, wird direkt vor der Präsentation durch ein neues ersetzt
  • Aus 10 min Präsentationszeit werden 3 min
  • Statt Beamer und PC haben Sie nur ein Flipchart
  • Mitten im Rollenspiel / in der Gruppendiskussion werden die Standpunkte vertauscht – Sie müssen aus dem Stehgreif die exakt gegenteilige Position vertreten

Kaum ein AC gleicht dem anderen – das hängt mit der Vielzahl von Methoden und Übungen, aber auch mit der Anzahl der Testpersonen und den vom Unternehmen favorisierten Kriterien und Erkenntnissen über die Kandidaten zusammen.

Wesentliche Bestandteile:

  • strukturierte Interviews
  • Gruppenaufgaben, oft mit anschließender Präsentation der Ergebnisse
  • die oben geschilderte Postkorbübung oder ähnliche Simulationen
  • Rollenspiele (sie sind Kunde oder Verkäufer oder…)
  • Präsentationsaufgaben, einzeln oder in Kleingruppen,
  • schriftliche Persönlichkeits- und Leistungstests mit Zeitlimits

Dauert das AC länger und wird von einer Mittagspause unterbrochen oder mit einem gemeinsamen Essen abgeschlossen, gehört das Essen zum Test! Hier geht es zwar nicht um den Stress beim Kampf mit der Hummerzange – Ihre Tischmanieren werden aber genauso aufmerksam registriert wie Ihr Small-Talk. Also definitiv der falsche Zeitpunkt, jetzt über andere Teilnehmer abzulästern oder den ganzen Test als solchen in Frage zu stellen.

Worauf achten die Beobachter?

Wie gesagt, die Allgemeinbildung oder das Fachwissen stehen nicht im Mittelpunkt. Die psychologisch geschulten Beobachter achten auf Ihre zwischenmenschlichen Kommunikationsfähigkeiten, auf bereits erkennbare Führungsqualitäten, auf die Selbstdarstellung und Ihre Interaktion mit anderen.

Wesentliche Kriterien sind:

  • Verhandlungsgeschick
  • Rhetorische Fähigkeiten
  • Belastbarkeit
  • Flexibilität
  • Einfühlungsvermögen
  • Ausdauer
  • Initiative
  • Problemorientierung

Sie sehen, es geht um Sie als Person oder Persönlichkeit – aus dem Abschlusszeugnis sind diese Fähigkeiten oder Charakterzüge nicht herauszulesen. Und damit kommen wir zur Kernfrage:
Wie kann ich mich vorbereiten?

Die natürliche Reaktion eines Menschen auf starken Stress ist Flucht oder Angriff – dieser Instinkt ist angeboren. Auf genau diesen Reflex setzt ein AC im Prinzip – und dagegen können Sie erst einmal überhaupt nichts tun. Die oben genannten Kriterien, auf die bei einem AC geachtet wird, können Sie allerdings innerhalb einer gewissen Bandbreite trainieren – egal ob Ausdauer, Belastbarkeit oder Ihre Rhetorik. Innerhalb einer gewissen Bandbreite bedeutet, dass noch so viel Training aus einem introvertierten und schüchternen Menschen keine „Rampensau“ macht, die aus dem Stehgreif zum umjubelten Mittelpunkt jeder Reisegruppe wird. Und wer sich selbst für die Krönung der Schöpfung hält, kann zwar an seinem Einfühlungsvermögen und seiner Fähigkeit zur Selbstkritik arbeiten – zum zurückhaltenden Vermittler in sensiblen Situationen ist es aber ein sehr weiter Weg.

Unsere Tipps für Teilnehmer:

  • Ruhig bleiben. Der Stress ist gewollt, der Zeitdruck Teil der Methode – alle Aufgaben zu lösen ist schlicht unmöglich.
  • Nicht schauspielern. Es geht um Ihren Charakter und um Ihre Persönlichkeit – Teile von Ihnen, die zu Ihnen „dazugehören“. Bleiben Sie natürlich – alles andere entdecken die Beobachter sowieso.
  • Keine Panik. Die anderen Teilnehmer haben den gleichen Stress – Sie sind also sicher nicht der einzige, der „unter Strom steht“.
  • Nicht „festbeißen“: Kommen Sie bei einer Aufgabe überhaupt nicht weiter, nehmen Sie die nächste in Angriff statt verzweifelt nach einer Lösung zu suchen – so sammeln Sie auf jeden Fall mehr Punkte. Sollten Sie am Ende noch Zeit haben, können Sie die „fiese Nuss“ immer noch knacken.
  • Cool bleiben: Lassen Sie sich bei den Diskussionen nicht von der Gruppendynamik mitreißen – es geht um den Weg zur Lösung. Ob die Lösung von Ihnen kommt, ist nebensächlich. Konkret bedeutet das, dass die gestellte Aufgabe sinnlos sein kann (Wie viel Zeit hat der Weihnachtsmann am Heiligabend pro Kind?) – konzentrieren Sie sich lieber auf die Schritte, die zu einer (theoretischen) Lösung führen könnten.
  • Höflich bleiben: Im Eifer des Gefechts nicht die Fassung verlieren. Sie stehen unter Stress, die Zeit wird knapp und nur Sie haben die Lösung erkannt? Trotzdem bleiben Sie ruhig und lassen auch die anderen zu Wort kommen.
  • Fair und neutral bleiben: Natürlich sind die anderen Teilnehmer Wettbewerber um einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz. Verzichten Sie trotzdem auf offene Konfrontation – die Auswahl übernimmt das Unternehmen noch früh genug. Wer sich bereits während des AC als kleiner Macchiavelli erweist, kommt nicht weit.

Weiterführende Hilfe

Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte: Es gibt jede Menge guter Bücher zum Thema, wir empfehlen z.B. „Assessment Center – Souverän agieren und gekonnt überzeugen“ von Silke Hell, als Taschenbuch (€ 9,50, 170 Seiten) erschienen im dtv Deutschen Taschenbuch Verlag. Manche Volkshochschulen bietet Kurse zum Thema Bewerbertraining und Vorstellungsgespräch an – das hilft nicht nur beim Assessment Center. Unter www.planet-beruf.de bietet die Agentur für Arbeit eine Menge Tipps, Checklisten, Videos und weitere Informationen zum Thema Bewerbung, Vorstellung und AC an – zum Teil sogar mit interaktiven Übungen.

Spannend und hilfreich sind auch sogenannte Self Assessment-Center. Wie der Name schon sagt, bieten Sie die Möglichkeit, ohne echten Stress virtuelle Erfahrungen über sich selbst zu sammeln – ohne echte Beobachter oder Gruppenteilnehmer. Einfach einmal „Self Assessment“ googeln – die ersten 3 Dutzend Treffer kommen dann von den Universitäten (wie z.B. www.studiengangstest.de mit gleich einem Dutzend Studiengängen).  Auf www.cyquest.de findet sich eine Vielzahl kostenloser und unverbindlicher Self-Assessment-Center und Karriereportale unterschiedlichster Unternehmen von der der Allianz über Commerzbank, Deloitte, Edeka, Peek & Cloppenburg, PWC, und Lufthansa bis zu Unilever  (Stand: April 2019) – klicken und Ausprobieren ist angesagt!

Und da wir schon im Netz sind, eine Warnung zum Schluss: Gerade Standards wie die Postkorbübung werden im Internet als Übungspakete angeboten – einzeln oder im Set, neutral, angeblich branchenspezifisch oder sogar von bestimmten Unternehmen. Unabhängig davon, dass die Wahrscheinlichkeit, exakt auf die angebotene Version auch im AC zu stoßen, recht gering ist – für die zum Teil happigen Preise bekommen Sie mindestens ein sehr gutes Buch, das dann den gesamten Komplex abdeckt und nicht nur eine Einzelübung.

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So klappt es per Bewerberportal oder -formular

Die Menge an Bewerbungen, die so mancher Link oder sogar die eigene Mail-Adresse in einer Stellenanzeige im Internet erzeugt, hat schon so manchen Personalchef mächtig ins Schleudern gebracht. Um zum einen den Aufwand für Sichtung und Erfassung zu verringern und zum andern möglichst schnell eine Vergleichbarkeit unter allen Bewerbern/innen herzustellen, werden immer häufiger vorstrukturierte Formulare oder Bewerberportale angeboten.

Wenn der Link „Bewerben Sie sich hier“ ein derartiges Formular oder Portal öffnet, MÜSSEN Sie es nutzen. Es macht keinen Sinn, in diesem Fall eine (irgendwo) angegebene Mail-Adresse für Ihre Bewerbung zu verwenden oder sogar eine klassische Bewerbungsmappe per Post zu schicken – schließlich hat sich das Unternehmen beim Einstellen der Formulare ja etwas gedacht. Nachteil dieser Art der Bewerbung: Die Individualität bleibt auf der Strecke. Mal ist die Menge des Textes in den auszufüllenden Feldern beschränkt, mal sind Struktur und Optik für den Lebenslauf vorgegeben, mal sind nur zwei Anlagen erlaubt. Ihrer Kreativität sind also enge Grenzen gesetzt. Wichtig: Nicht immer ist es möglich, die ausgefüllten Formulare nach dem Absenden noch zu speichern (manchmal schließen sich die Felder einfach)– machen Sie sich daher vor dem Versenden unbedingt einen Ausdruck für Ihre Unterlagen!

Wer jetzt allerdings glaubt, dass die vorgefertigten Formulare quasi nebenher einmal schnell ausgefüllt und abgeschickt werden können, der irrt. Verwenden Sie auf eine derartige Bewerbung eben so viel Sorgfalt wie auf eine „klassische“ Mappe – schließlich ist dies der erste und wichtigste Eindruck, den Sie im Betrieb hinterlassen. Also: Halten Sie sich peinlich genau an die Vorgaben – sowohl was die Reihenfolge der Dateianlagen, als auch die Dateiformate und Maximalgrößen betrifft. Gerade bei auf den ersten Blick knappem Raum für freien Text kommt es besonders darauf an, dass Sie kurz und knapp auf den Punkt kommen – aber verwenden Sie keine Abkürzungen oder sogar unvoll­ständige Sätze. Eine kurze Aufzählung ist aber erlaubt. Und „tricksen“ Sie die Vorgaben nicht aus: Wenn ein Feld nach der Anlage „Abschlusszeugnis“ verlangt, fügen Sie kein mehrseitiges PDF mit allen Zeugnissen an! Im besten Fall „sucht“ der Empfänger nach dem Zeugnis, das ihn interessiert. Im schlimmsten Fall sieht er sich nur die ersten Seiten an – es wäre doch schade, wenn das ein drei Jahre altes Zwischenzeugnis ist, oder? Wie bei der Online-Bewerbung per Email haben auch im vorgefertigten Formular komprimierte ZIP-Dateien oder andere, exotische Datei-Formate nichts verloren.

Auch keine gute Idee: Das Leerlassen von vorgegebenen Eingabefeldern. Es kann durchaus sein, dass der Empfänger sich zuerst das Feld „Hobbies“ ansieht – wenn dort nichts steht, sind Sie sicher nicht (mehr) erste Wahl. Es ist daher kein Wunder, dass diese Formulare auch keine Zeit sparen – zumindest nicht bei Ihnen. Im Gegenteil: Um aus der Masse der Bewerbungen herauszustechen und die eigenen Stärken und Fähigkeiten auch in einem standardisierten Formular hervorzuheben, bedeutet häufig einen ordentlichen Mehraufwand. Der sich dann aber lohnen kann – häufig werden Onlinebewerbungen firmenintern in Datenbanken eingestellt und wer dann nicht beim ersten Anlauf überzeugt, fällt mit seiner Bewerbung eventuell einer anderen Abteilung oder bei der Sichtung der Bewerbungen für den Ausbildungsbeginn ein Jahr später auf.

Also: Sortieren Sie erst einmal Ihre Unterlagen (und Gedanken) und beginnen Sie dann damit, das Formular zu auszufüllen. Lassen Sie sich Zeit – fast immer können Sie zwischenspeichern. Falls vorhanden, die Vorschaufunktion zu Kontrolle nutzen (sonst alles noch einmal penibel durchlesen).

Wichtig: Nicht immer ist es möglich, die ausgefüllten Formulare nach dem Absenden noch zu speichern (manchmal schließen sich die Felder einfach)– machen Sie sich daher vor dem Versenden unbedingt einen Ausdruck für Ihre Unterlagen!

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Die Bewerbung per Email – „Sie haben Post“

Natürlich, so ziemlich jeder ist heute drin im Internet – wenn nicht mit einem eigenen Zugang, dann bei Freunden, in der Schule oder übers Internetcafé. Und alle glauben, sie kennen sich aus. Aber bei einer elektronischen Bewerbung lauern doch ein paar Stolperfallen.

Für die elektronische oder auch Email-Bewerbung gelten grundsätzlich die gleichen oder ähnliche Kriterien wie für die klassische Bewerbungsmappe per Post. Was weiter vorn zu Form, Inhalt, Struktur und Stil gesagt wurde, hat auch im Netz seine Gültigkeit. Auch wenn man vor allem bei internen Mails und in Foren und Chats mitunter den Eindruck gewinnen kann, dass Höflichkeit, guter Stil und ein gewisser Umgangston im Netz nicht nötig wären:

Das Gegenteil ist der Fall! Also verzichten Sie nicht auf eine Begrüßung, auf ganze Sätze, auf Logik und eine Grußformel zum Abschluss Ihrer Email. Natürlich haben Smileys ;-), Abkürzungen aus dem SMS-Jargon oder sogar animierte GIFs wie hüpfende Herzchen in einer Bewerbung überhaupt nichts verloren! Und: Fassen Sie sich kurz – knapp und schnell zu erfassen sollte eine Email immer sein (alles, was länger als zwei bis drei Absätze ist, gehört in die Anlagen).

Achtung: Obwohl die digitale Welt zum Copy-Paste verführt, erkennt ein erfahrener Personaler sofort, wenn er eine „Massensendung“ erhält. Derartige Mails nehmen sehr oft den gleichen Weg wie die Reklame im häuslichen Briefkasten: ungelesen in den Papierkorb. Ohne auf das Unternehmen abgestimmte Unterlagen geht also, wie bei der klassischen Mappe per Post, nichts.

Die eine oder andere Regel sollten Sie dann noch zusätzlich beachten: Ganz wichtig ist der möglichst genau identifizierte Empfänger! Die Adresse post_schlachterei_schulze@gmx.de ist völlig in Ordnung, denn die Schlachterei Schulze wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht über Hunderte von Mitarbeitern (und damit potentiellen Email-Empfängern) verfügen und hat auch nicht in jedem Fall eine eigene Website oder einen eigenen Mailserver. info@worldwidetrade.com ist da schon sehr viel kritischer: Jetzt kommen theoretisch tausende Mitarbeiter in allen Filialen weltweit in Frage, die vielleicht Ihre Bewerbung erhalten – das kann im dümmsten Fall auch das Containerterminal in Hongkong sein. Also: Unbedingt den richtigen Empfänger mit seiner persönlichen Adresse in Erfahrung bringen. Geht das nicht (manche Firmen geben diese Adressen gar nicht heraus), ist personalabteilung@handels-ag.de als Notlösung auch akzeptabel.

„Neue Mail von Schnuckelchen eingetroffen“

Das geht gar nicht. Genauso wichtig wie der möglichst genau identifizierte Empfänger ist Ihre eigene Absenderadresse. „Schnecke_1982“, „Kickers-Freak“ oder „Holsten-Hummel“ sorgen vielleicht für kurze Heiterkeit in der Personalabteilung, bringen Sie unter allen Bewerbungen aber garantiert nicht ganz nach oben auf den Stapel. Besorgen Sie sich eine neutrale und seriöse Emailadresse bei einem der großen Provider – Sabine.Beispiel@web.de ist eindeutig und unverfänglich. Vergessen Sie Ihre Signatur, also den vollständigen Absender mit Adresse und Telefonnummer nicht. Natürlich steht das nochmals auf dem Lebenslauf und dem Anschreiben – bequemer ist es aber für alle, wenn direkt in der Email steht, von wem sie kommt.

Viele kostenlose Mailprovider hängen übrigens ganz automatisch an jede Ihrer Mails Werbung – prüfen Sie ganz einfach mit einem Freund, wie Ihre Mail beim Empfänger ankommt oder Sie schicken sich selbst einmal eine Mail (empfiehlt sich übrigens auch mit jeder Bewerbung – als Test, ob auch alles so ankommt, wie vorgesehen). Für ein paar € im Jahr ist in der Regel ein besseres Angebot (mehr Speicher etc.) bei jedem Provider im Angebot – ohne angehängte Werbung. Noch bevor die Mail geöffnet wurde, ist neben dem Absender der Betreff oder Bezug zu erkennen. Helfen Sie dem Empfänger! „Bewerbung um einen Ausbildungsplatz“ ist das Mindeste – besser ist zusätzlich die Kennziffer aus der Stellenanzeige, der Ausbildungsberuf sowie bei großen Unternehmen der Standort.

Da so ziemlich jede Bewerbungsmail irgendwann doch ausgedruckt wird, um kopiert oder abgelegt zu werden, ist die Form sehr wichtig. Also erstellen Sie auf jeden Fall alle Teile der Bewerbung mit der gleichen Sorgfalt, als würden Sie sie ausgedruckt verschicken. Die eigentliche Email besteht dann nur aus wenigen Zeilen, mit denen Sie Ihre eigentliche Bewerbung ankündigen. Außerdem sollten Sie mit EINEM Satz den Empfänger neugierig machen, Ihre Anlagen überhaupt zu öffnen (also z.B. den Hauptgrund nennen, warum Sie genau der richtige Kandidat / die richtige Kandidatin für den freien Ausbildungsplatz sind). Nutzen Sie auf jeden Fall die Betreff-Zeile in Ihrem Mailprogramm. 50 oder auch 100 oder sogar mehr eMails pro Tag sind für einen ganz normalen Angestellten im Büro keine Seltenheit – wenn dann Ihre Bewerbung erst geöffnet werden muss, um überhaupt zu erfahren, um was es geht, haben Sie schlechte Karten.

Datenmengen – Big ist beautiful?

Auch in Zeiten von Flatrates und DSL-Anschlüssen sind viele Emailserver, vor allem in Firmen, in Bezug auf die transferierten Datenmengen beschränkt. Also: Alle Dateianhänge komprimieren oder gleich in einer geringen Auflösung abspeichern – 72 DPI reichen völlig aus. Und Ihr Bewerbungsfoto soll zwar einen guten Eindruck machen, aber niemand will von dieser Datei ein Poster drucken. Also speichern sie das Bild in einem Dateiformat wie JPEG, in einer Auflösung von max. 72 DPI und Größe, dass es nicht mehrere MByte hat. Oder bestellen Sie es gleich für Emails – die Profis im guten Fotostudio wissen dann, was Sie benötigen. Ihre gesamte Bewerbungsmail sollte mit allen Anhängen 1 bis max. 2 MB nicht überschreiten.

Dateiformate – Wird schon passen?

Zwar arbeiten weltweit über 90% aller Firmen mit den Produkten von Windows – aber eben nicht alle. Und das Hauptproblem der elektronischen Post bekämpfen mehr oder weniger intelligente und effektive Spamfilter. Nun mögen viele dieser Spamfilter Dateianhänge an Emails in den Formaten .doc, .xls oder besonders .exe überhaupt nicht. Ergebnis: Im besseren Fall wird der Empfänger auf den (vorerst) blockierten Eingang einer potenziell gefährlichen Email hingewiesen – ein toller Start Ihrer Bewerbung! Im schlechteren Fall filtert bereits der zentrale Server im Keller des Unternehmens Ihre liebevoll zusammengestellte Bewerbung aus und sie kommt nie an. Außerdem haben Sie keinen Einfluss darauf, über welche Fonts und Schriften der Empfänger auf seinem Rechner verfügt – wenn er Ihren sorgfältig gestalteten Lebenslauf ausdruckt und das Programm die von Ihnen gewählte Schrift durch eine andere ersetzt, kann das optische Ergebnis eine Katastrophe sein.

In der Regel virenfrei, mit relativ wenig Speicherplatzbedarf, international gültiger Standard und vom Empfänger weder inhaltlich noch im Aussehen zu verändern ist das PDF-Format. Gelesen werden können PDF-Dateien vom Acrobat Reader, den es an jeder Ecke im Internet kostenlos zum Download gibt. Word- oder Excel-Dateien umwandeln oder direkt PDF-Dateien erstellen können Sie z.B. mit dem Programmpaket Open Office, das ebenfalls kostenfrei im Netz erhältlich ist. Alle gängigen Scanprogramme bieten das Erstellen von PDF-Dokumenten an. Und verzichten Sie auch auf ZIP-Anhänge – das notwendige Programm zur Dekomprimierung ist längst nicht auf jedem Rechner installiert; außerdem kann diese Funktion aus Sicherheitsgründen auch von der IT-Abteilung des Unternehmens grundsätzlich blockiert sein.

Nomen est Omen?

Nun schicken Sie Ihre Bewerbung zwar als hübsches Paket – eine kurze Email mit möglichst wenig Anhängen. Aber das bleibt nicht zwangsläufig so. Ihr Foto kommt schon vorab der guten Ordnung halber in das Personalarchiv, Ihren Lebenslauf möchte sich der Prokurist nach dem Meeting noch einmal ganz in Ruhe ansehen und die Noten aus Ihren Zeugniskopien erfasst die Personalabteilung schon einmal für eine Statistik – kurz gesagt: Irgendwann werden Ihre Email und die Anhänge vielleicht getrennt. Nun können Sie Ihr JPEG nicht auf der Rückseite beschriften. Wenn die Bestandteile Ihrer Bewerbung jetzt total kryptische Bezeichnungen bzw. Dateinamen haben, haben Sie schon wieder schlechte Karten. Also benennen Sie die Dateien klar und unmissverständlich: „Max-Mustermann.PDF“ geht nicht so leicht verloren und kann auch nach ein paar Wochen wieder einwandfrei zugeordnet werden. Und: Besser ein Dateianhang als ein Dutzend! Personaler sind bequem – nicht jeder öffnet jeden Anhang und sortiert für sich dann noch Zeugnisse und Bescheinigungen.

Irre wichtig! / Brandeilig! / Höchstpersönlich!

Verzichten Sie darauf, Ihre Bewerbung als „Priorität hoch“ oder „Eilig“, „Wichtig“ oder „Vertraulich“ zu kennzeichnen – das wirkt in der Regel überheblich oder anbiedernd. Verschlüsseln Sie Ihre Email nicht – wer weiß, ob der Empfänger über die Technik und das Know How zum Entschlüsseln verfügt. Lassen Sie auch die Finger von der Option „Lesen / Öffnen der Nachricht bestätigen“ – dies kann unter Umständen für den Empfänger sichtbar sein und derart kontrollieren lässt sich nun wirklich niemand gern. Und speichern Sie Ihre komplette Bewerbung mit Anhängen – damit Sie nicht den Überblick verlieren (spätestens beim Vorstellungsgespräch sollten Sie ganz genau wissen, bei wem und wie und warum Sie sich beworben haben).

Eine Checkliste als PDF zum Download gibt es hier.

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Das Vorstellungsgespräch – Jetzt kommt`s drauf an

„Und laden wir Sie ganz herzlich zu einem persönlichen Gespräch am kommenden Donnerstag…“ Geschafft! Geschafft? Was kann denn jetzt noch schief gehen? Allerhand. Auf den ersten Jubel und die Begeisterung über diese gute Nachricht folgen häufig Unsicherheit, Zweifel oder sogar nackte Panik – je nach Typ und Charakter. Machen Sie sich ein paar Dinge klar:

  1. Das Unternehmen hat Sie nicht eingeladen, um Sie in die Pfanne zu hauen! Sie haben die ersten Auswahlverfahren erfolgreich überstanden und jetzt will man Sie näher kennenlernen. Und das geht nun einmal am besten in einem persönlichen Gespräch.
  2. Ihre Gesprächspartner sind sich im Klaren darüber, dass Sie sich um einen Ausbildungsplatz bewerben und nicht um den Vorstandsposten – niemand wird also Wunderdinge von Ihnen erwarten.
  3. Sie gehen zu einem Vorstellungsgespräch – nicht zu „Wer wird Millionär?“. Sie können sich also vorbereiten.

Also: kein Grund zur Panik – man will Sie besser kennenlernen. Aber nicht Ihre intimsten Geheimnisse ausforschen.

Wissen ist Macht:

Das Vorstellungsgespräch dient dem Betrieb wie gesagt dazu, einen besseren Eindruck von Ihnen zu bekommen. Mit anderen Worten: Man kann sich durchaus vorstellen, Sie einzustellen, ist sich aber noch nicht ganz sicher. Auf das Unternehmen, seine Produkte oder Dienstleistungen, Ihre besonderen Gründe für Ihre Bewerbung und z.B. die Konkurrenz haben Sie sich bereits vor der Bewerbung vorbereitet – frischen Sie diese Informationen auf oder überprüfen Sie sie noch einmal, z.B. im Internet. Im Vorstellungsgespräch geht es außerdem um Sie als Persönlichkeit: Wie verhalten Sie sich? Sind Sie eher offensiv oder zurückhaltend? Können Sie sich gewählt und verständlich ausdrücken? Beherrschen Sie die Grundregeln der Höflichkeit? Wissen Sie, was sie wollen oder ist der Termin für Sie nur einer unter vielen? Können Sie zuhören? Sind Sie vorbereitet, motiviert und strukturiert oder lassen Sie sich einfach überraschen, was auf Sie zukommt? Sie müssen in diesem Gespräch für sich werben und sich verkaufen – aber nicht den Showmaster geben. Seien Sie natürlich, bleiben Sie ruhig – bei guter Vorbereitung besteht kein Grund zur Panik (Millionen junger Menschen vor Ihnen haben diese Gespräche bereits erfolgreich überstanden – warum sollten ausgerechnet Sie es nicht schaffen?).

Vorbereitung:

Bestätigen Sie den Termin. Ein paar Zeilen per Mail („Vielen Dank für die Einladung zum Vorstellungsgespräch am/um. Ich freue mich auf das Gespräch!“) oder telefonisch zeigen, dass Sie am Thema dran sind. Und geben dem Unternehmen die Sicherheit, dass die Einladung auch bei Ihnen angekommen ist. Verschieben Sie den Termin möglichst auf gar keinen Fall! Der Betrieb wird bei einer Verschiebung ableiten, welche Prioritäten Sie (derzeit) setzen – und da sollte der Ausbildungsplatz natürlich ganz oben stehen. Dass Sie den Termin nicht verpassen, versteht sich von selbst. Das Gespräch beginnt für Sie gedanklich (und praktisch) spätestens am Vortag. Eine durchgefeierte Nacht und der anschließende „Dicke Kopf“ sind nicht die ideale Vorbereitung auf dieses wichtige Gespräch. Also rechtzeitig ins Bett und ausschlafen – ohne Schlafmittel. Auch den Besuch beim Lieblingsgriechen um die Ecke sollten Sie sich verkneifen – nicht jeder mag eine Knoblauchfahne.

Kleider machen Leute:

Über 50 % des ersten Eindrucks werden von der äußeren Erscheinung bestimmt, ca. ein Drittel von Klang und Tonfall der Stimme, der magere Rest vom Inhalt des Gesagten. Eigentlich jedes Outfit, daß die Zugehörigkeit zu einer Gruppierung oder eine bestimmte Einstellung oder Haltung zeigt oder auch nur vermuten lässt, ist nicht angebracht. Ob es sich dabei um das VfB-Fan­-Outfit, schwarze Lederjeans, die angesagte Streetwear oder Bomberjacke und Springerstiefel handelt – ab damit in den Schrank! Und auch Highheels, bauchfreie Tops oder Miniröcke sind nicht geeignet.

Das Unternehmen sieht in Ihnen einen (zukünftigen) Repräsentanten – entsprechend sollten Sie sich kleiden (und stylen). Je nach Branche oder angestrebtem Beruf sind die Anforderungen recht unterschiedlich: Banken, Versicherungen, Anwaltskanzleien und viele verkäuferische Berufe bzw. Tätigkeiten mit direktem Kundenkontakt haben eher konservative Erwartungen. Anzug oder eine Kombination aus Sakko und Hose, (natürlich gebügeltes) Hemd mit Krawatte bzw. Kostüm und Bluse sind die richtige Wahl. Und je höher der angestrebte Abschluss bzw. die Karriereaussichten sind, umso eher sollten Sie Ihr Outfit an das zukünftige berufliche Umfeld anpassen – MBA-Abschluss und Latzhose passen einfach nicht zusammen.

Auf der anderen Seite erwartet niemand, dass Sie ein Vorstellungsgespräch für eine handwerkliche Ausbildung im Maßanzug antreten – eine Hose in Kombination mit Hemd oder Pullover bzw. ­dezentem Sweatshirt (Reklame für Bushido machen Sie besser woanders!) ist schon in Ordnung. Vorsicht bei Jeans: Traditionell geschnitten und sauber ist eine Jeans akzeptiert – dies gilt aber weder für Baggytrousers noch für übertriebenen „used-Look“ oder z.B. jede Menge Stickereien. Ein Tipp: Schauen Sie sich einmal an einem normalen Arbeitstag an, in welcher Kleidung die Mitarbeiter Ihrer zukünftigen Firma zur Arbeit erscheinen oder wie die Firma ihr Personal im Internet oder in Broschüren darstellt; so bekommen Sie einen ersten Eindruck vom Dresscode.

Dass es in kreativen Branchen oder Unternehmen wie Medien, Werbeagenturen oder Onlineprovidern lockerer oder toleranter zugeht, ist übrigens ein Gerücht: Wer dort wie ein Pausenclown, übertrieben modisch gekleidet oder extrem durchgestylt antritt, verbessert seine Chancen keinesfalls. Jeder Personalchef wird sich fragen: „Was wollen Sie betonen bzw. erreichen?“ Oder noch schlimmer: „Was wollen Sie verstecken?“ bzw. „Wovon wollen Sie ablenken?“ Ganz wichtig: Verkleiden Sie sich nicht! Wer noch nie in seinem Leben eine Krawatte gebunden hat, wird sich im Anzug mit Weste und nagelneuen, aber drückenden Schuhen nicht wirklich wohlfühlen – und das sieht man Ihnen dann an. Wählen Sie dann besser einen Kompromiss: Jeans und Jackett, ggfls. ohne Krawatte, können auch eine Alternative sein. Und lassen Sie Ihren Konfirmationsanzug im Schrank – Ihr Outfit muss nicht den letzten Trend aus Mailand widerspiegeln, sollte aber halbwegs aktuell sein (und natürlich passen).

Grundsätzlich gilt, dass natürlich alles sauber und gepflegt ist, also nicht nur frisch gewaschen, sondern gebügelt, Schuhe geputzt usw. Beim Haarstyling ist weniger mehr, ebenso bei Parfum und Aftershave. Das Thema Mundgeruch haben wir schon angesprochen (werfen Sie im Zweifel vor dem Termin einen Kaugummi oder ein Pfefferminzbonbon ein). Gegen den Stress und das Muffensausen direkt vor dem Gespräch hilft angeblich eine Kippe – zumindest den Rauchern. Aber dann stinken Sie – für einen Nichtraucher – wie ein voller Aschenbecher. Besser, Sie unterdrücken diesen Drang bis nach dem Termin. Zurückhaltung ist auch beim Schmuck angesagt und, für die Damen, beim Griff in den Schminkkoffer. Wird ein Knopf im Ohr oder ein dezenter Ring heutzutage auch bei einem Mann akzeptiert, sollten alle sichtbaren Piercings, soweit möglich, entfernt werden. Gegen sichtbare Tätowierungen (Gesicht, Hals, Hände und Unterarme) sowie dauerhafte Piercings und Brandings fällt uns allerdings auch nichts ein – mit der Karriere als Nachrichtensprecher wird es in diesem Fall wohl nichts.

Sonst noch was?

Zum Vorstellungsgespräch bringen Sie auf jeden Fall einen Satz Kopien Ihrer kompletten Bewerbungsunterlagen, die Einladung zum Gespräch, die Telefonnummer der Firma, Schreibzeug und Ihr (aufgeladenes) Handy mit. Nicht schaden kann ein Textmarker, Taschentücher, ein Taschenrechner sowie ein paar Kaugummis. Und das Ganze in einer Mappe oder Aktentasche – nicht in einer Plastiktüte oder sogar lose in der Hand.

Anreise:

Dass Sie auf gar keinen Fall zu spät kommen, ist ebenfalls eine Selbstverständlichkeit. Informieren Sie sich rechtzeitig über die genaue Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen Fahrzeug (dazu gehört auch die Parkplatzsituation). Fahren Sie die Strecke vorher ab, wenn Sie sich unsicher sind (im Berufsverkehr; nicht am Sonntagnachmittag). Zugverspätungen, verpasste Busse oder der überraschende Stau auf der B-Sonstnochwas werden als Entschuldigung kaum akzeptiert – schließlich hätten Sie sich ja rechtzeitig informieren können. Also planen Sie ausreichend Luft ein und fahren Sie entsprechend früher los – gehetzt und „auf der letzten Rille“ anzukommen ist schließlich auch nicht ideal. Etwas anderes sind „Naturkatastrophen“ wie unerwarteter Schneefall, die den gesamten Verkehr lahmlegen. Aber: Melden Sie sich in diesem Fall – ein kurzer Anruf aus dem Stau schafft bei allen Beteiligten Klarheit und ist mehr als höflich.

Es geht los:

Vorstellungsgespräche folgen mehr oder weniger einem immer gleichen „roten Faden“. Zu Beginn werden Sie begrüßt – grüßen Sie zurück. Streckt man Ihnen eine Hand entgegen, greifen Sie zu. Bedanken Sie sich für die Einladung zum Gespräch. Das Gespräch beginnt mit Small Talk – gegenseitiger Vorstellung der anwesenden Personen, das Wetter, Ihrer Anreise. Achten Sie auf die ­Namen der Personen, die Ihnen vorgestellt werden – haben Sie einen Namen nicht oder nicht richtig verstanden, fragen Sie sofort nach! Fast alle Menschen reagieren extrem empfindlich, wenn Sie falsch angesprochen werden – Mitarbeiter in Personalabteilungen sind auch nur Menschen. Mitunter folgt dann eine Präsentation des Unternehmens – machen Sie sich Notizen, wenn Sie Fragen dazu haben.

Und erkundigen Sie sich, wann diese Fragen beantwortet werden. Grundsätzlich ist das Bewerbungsgespräch ein möglichst aktiver ­Dialog – Sie müssen und sollen zwar eine Menge Fragen beantworten, zeigen jedoch (mit den richtigen) eigenen Fragen, dass Sie sich Gedanken gemacht haben bzw. dem Gespräch aufmerksam folgen.

Der dann folgende Teil dient zum einen der Information, zum anderen will Ihr zukünftiger Arbeitgeber wissen, ob Sie gut vorbereitet sind. Auch wenn Sie Ihren Werdegang, Ihre schulische Situation, das familiäre Umfeld und z.B. Ihre Hobbies bereits im Lebenslauf angegeben haben, erläutern Sie das auf entsprechende Fragen noch einmal. Bleiben Sie dabei knapp und präzise – Sie sollten weder demütig „katz­buckeln“ noch auf den Putz hauen wie Lottokönig Karl.

Die „Knackpunkte“ – jetzt kommt es drauf an!

Jetzt beginnt das eigentliche Vorstellungsgespräch, man stellt Ihnen Fragen wie „Warum wollen Sie… werden?“, Warum wollen Sie diesen Beruf ausgerechnet in unserem Betrieb lernen?“ oder „Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?“. Überlegen Sie sich rechtzeitig Antworten auf diese Fragen – sie kommen garantiert. Bleiben Sie immer dabei sachlich und ehrlich – man will unter anderem erfahren, ob und wie Sie sich selbst einschätzen (können). Versuchen Sie, jeder Schwäche möglichst eine Stärke gegenüber zu stellen.

Und prüfen Sie (sich), welche Stärken und Schwächen einen Bezug zum angestrebten Job haben – Ihre Schwäche für Nutellabrot ist nicht von Relevanz (aber Ihre Stärken und Schwächen haben Sie ja bereits vor der Entscheidung für einen bestimmten Berufszweig analysiert, oder?).

Achtung: Männer neigen bei der Selbsteinschätzung eher zu Übertreibung, während sich Frauen eher zurückhalten – versuchen Sie, dies möglichst zu berücksichtigen. Spätestens jetzt müssen Sie auch „Dellen“ in Ihrem Lebenslauf erklären oder geradebügeln – Tipps dazu finden Sie im Kapitel „Bewerbung“.

„Haben Sie noch Fragen?“

Zum Ende des Gespräches werden Sie garantiert gefragt, ob Sie selbst noch etwas wissen wollen. Ja, wollen Sie – aber nur, wenn es wirklich offene Punkte sind. Natürlich ist es sinnvoll, sich bereits vor dem Gespräch ein paar interessante Fragen zum Unternehmen selbst oder zur Ausbildung zu überlegen. Stellen Sie diese Fragen aber nur, wenn sie nicht bereits beantwortet sind – sonst wird man Ihnen schnell mangelnde Aufmerksamkeit unterstellen. Und verzichten Sie auf Belanglosigkeiten – wann der ­Arbeitstag Morgens beginnt und wie die Pausenregelung ist, ­erfahren Sie noch früh genug.

Im Zweifel fragen Sie einfach, wie es jetzt weitergeht bzw. wann Sie wieder vom Unternehmen hören werden. Zum Ende des Gesprächs bedanken Sie sich noch einmal und verabschieden sich.

Ein paar Tipps & „Stolperfallen“

Jemanden zu unterbrechen, ist generell unhöflich. Antworten Sie präzise, aber weder zu ausschweifend noch nur mit „Ja“ oder „Nein“. Reden Sie nicht zu schnell – Sie haben ausreichend Zeit und wollen ja nicht den Eindruck erwecken, dass Ihnen die Situation insgesamt unangenehm ist, oder? Sollten Sie gefragt werden, ob Sie nervös sind, antworten Sie ehrlich. „Ja, ein bisschen schon“ nimmt Ihnen jeder ab und niemand übel, während „Nein, überhaupt nicht“ kaum glaubwürdig ist, wenn Sie gerade Ihre Fingernägel bis auf das Nagelbett abknabbern. Auf die Frage, ob Sie sich auch bei anderen Unternehmen beworben haben, sollten Sie einige ausgewählte Firmen parat haben. Es wird niemanden überraschen, dass Sie nicht „alles auf eine Karte“ bzw. einen einzigen Ausbildungsplatz setzen. „Schon mehr als 100, und zwar bei so ziemlich jeder Firma in meiner Stadt“ ist aber die eindeutig falsche Antwort auf diese Frage.

Angebotene Zigaretten oder sogar alkoholische Getränke lehnen Sie höflich ab, dies ist ein Test, ob Sie eventuell schon tagsüber einem Gläschen nicht abgeneigt sind. Sollten Sie in Ausnahmefällen mit Fragen zu Ihrer Religion, politischen Einstellung oder sogar ­sexuellen Orientierung überrascht werden, will man Sie provozieren. Versuchen Sie eine schlagfertige (aber nicht freche!) Antwort zu geben – „Ich kann bestimmt auch als Anhänger der Monarchie ein guter Bankkaufmann werden“ ist so ziemlich das Äußerste, was Sie auf derartige Fragen erwidern sollten. Beendet ist der Termin erst mit Verlassen des Firmengeländes. Wer sich bereits im Fahrstuhl eine Zigarette anzündet, kann den ganzen guten Eindruck binnen Sekunden zunichtemachen.

Übung macht den Meister:

Scheuen Sie sich nicht, das Bewerbungsgespräch mit einem Freund oder den Eltern regelrecht zu trainieren! Zum einen bekommen Sie ein Feedback, ob Ihre Argumentation und Antworten „sitzen“ und Sie dabei glaubwürdig wirken. Zum anderen gewinnen Sie einfach an Sicherheit, wenn Sie diese für Sie neue Situation regelrecht „durchspielen“ – jeder Schauspieler macht vor der ersten Vorstellung nichts anderes. Das hört sich erst mal blöd an, funktioniert aber – versuchen Sie es einfach einmal!

Eine Checkliste als PDF zum Download finden Sie hier.

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