Was will und was kann ich werden?

Was will und was kann ich werden?

Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann. Oder Lokomotivführer. Oder noch besser Influencer oder Fashionblogger? Oder doch nicht? Wie finde ich eigentlich den richtigen Beruf für mich? Was liegt mir und interessiert mich? Und was nicht? Und wer hilft mir bei der Orientierung? Eines gleich vorweg: Die Zeiten einer beruflichen Karriere vom Azubi zum Vorstandsvorsitzenden in ein und demselben Unternehmen sind definitiv vorbei. Wer jetzt eine Ausbildung beginnt, kann davon ausgehen, dass er oder sie den Betrieb auf jeden Fall, den Standort mit hoher und die Branche bzw. den ausgeübten Beruf mit einiger Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens wechseln wird, in der Regel sogar mehrfach. Die richtige Wahl des Ausbildungsberufes bleibt natürlich weiterhin eine wichtige Entscheidung; allerdings lautet das Urteil nicht (mehr) „lebenslänglich“.

1. Selbsteinschätzung:

Am Beginn der Überlegungen über den zukünftigen Beruf steht häufig die Frage „Was interessiert mich?“. Das ist grundsätzlich nicht falsch, allerdings sollten Sie dieses Thema doch etwas umfassender angehen. Hilfreich ist es, einmal eine Art „Datenblatt“ von sich selbst anzulegen. Also eine ehrliche (!) Übersicht der eigenen Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen. Hierbei geht es nicht um die der schulischen Leistungen, als vielmehr um eine Art persönlicher Beschreibung.

Also: Mache ich lieber etwas mit den Händen, mit Materialien und Werkzeug? Oder sitze ich lieber vor dem PC? Faszinieren mich Technik oder Maschinen ganz allgemein? Gehe ich gern mit Menschen um? Kann ich andere gut überzeugen oder sogar begeistern? Mache ich gerne etwas in der Gruppe/im Team? Oder beschäftige ich mich lieber allein? Bin ich eher analytisch veranlagt und löse Probleme nach gründlicher Überlegung möglichst aller Konsequenzen? Oder entscheide ich eher schnell und aus dem Bauch heraus? Habe ich gern Abwechslung und ständig etwas Neues? Oder fühle ich mich wohler, wenn ich mich auf bestimmte Regeln und Abläufe verlassen kann? Prüfen Sie sich selbst kritisch: In welchen Situationen fühlen Sie sich wohl? In welchen eher nicht? Welche Aufgaben übernehmen Sie freiwillig und wovor drücken Sie sich eher?

Wichtige Informationen kann Ihre Freizeit liefern: Was machen Sie gern? Sind Sie ständig mit Freunden unterwegs oder kennen Sie eigentlich nur die Playstation so richtig gut? Sind Sie in einem Verein? Schachspieler oder American Football? Welche Hobbies haben Sie? Warum eigentlich? Was gefällt Ihnen an Ihren Hobbies besonders? Achtung: Es geht bei dieser Analyse nicht um Wünsche, Träume oder Idealvorstellungen, sondern um eine möglichst realistische Einschätzung Ihrer Person. Und es geht auch nicht darum, wie „gut“ oder „schlecht“ Sie sind – am Ende dieser Betrachtung sollte also keine positive oder negative Bilanz stehen nach dem Motto „Es gibt viel mehr, was ich nicht kann oder was mich nicht interessiert“. Zu diesem frühen Zeitpunkt sollten Sie möglichst nicht schon an bestimmte Berufe denken, die Sie interessieren oder die im Freundeskreis gerade angesagt sind. Und auch die schulischen Leistungen oder der (angestrebte) Abschluss sollte (noch) kein Ausschlusskriterium oder eine gedankliche Bremse sein.

Und denken Sie (einmal) nicht ans Geld, also die Verdienstmöglichkeiten! Schon gar kein Kriterium sollte eine möglichst hohe Ausbildungsvergütung sein – die maximal 3 Jahre als Azubi gehen relativ schnell vorüber. Wer nicht erbt (oder im Lotto gewinnt bzw. bei Günther Jauch) wird mindestens 40 Jahre arbeiten (müssen) – wie sich die Gehälter einzelner Berufsbilder in dieser Zeit entwickeln, lässt sich wirklich nicht verlässlich prognostizieren. Selbst ein extrem gutes Gehalt verliert schnell seinen Reiz, wenn es in einem Job oder mit einer Tätigkeit verdient wird, die Ihnen nicht liegt oder die Sie nicht mögen – Lohn ist kein Schmerzensgeld. Natürlich verdient ein Bankkaufmann, zumal mit Studium (die finanziell knappe Studienzeit wird nach dem Abschluss durch höhere Einstiegsgehälter in der Regel wieder ausgeglichen), mehr als ein Landschaftsgärtner. Nach 5 oder 10 Jahren Berufserfahrung werden aber mehr Landschaftsgärtner eine eigene Gärtnerei besitzen als Bankkaufleute eine eigene Bank – raten Sie einmal, wer dann die besseren Einkommensmöglichkeiten hat.

2. Überprüfung von außen:

Als nächsten Schritt lassen Sie diese Selbsteinschätzung von jemand überprüfen. Das kann ein guter Freund/eine gute Freundin sein, die Eltern, ein Lehrer des Vertrauens oder der Trainer im Sportverein – eben jemand, der Sie gut kennt und halbwegs ehrlich zu Ihnen ist. Stellen Sie aber nicht die Frage „Ich möchte Schlachter werden – glaubst Du, ich kann das?“, sondern sprechen Sie darüber, ob Ihr Bild von sich selbst stimmt oder ob andere Sie vielleicht anders wahrnehmen. Bitten Sie um eine Einschätzung Ihrer Person nach ähnlichen Kriterien, aber nicht um die gleichen Antworten. Und streiten Sie nicht – es gibt bei diesem Thema kein richtig oder falsch! Nehmen Sie einen anderen Eindruck oder ergänzende Hinweis als nützliche Hilfe, nicht als Kritik an Ihrer Person an! Und sprechen Sie nicht nur mit einer Person über dieses Thema – je mehr Urteile Sie bekommen, umso besser (nein, wir empfehlen keine Umfrage unter allen Schülern Ihrer Klasse). Stimmen danach Ihre eigene Einschätzung und das Feedback der anderen einigermaßen überein – Glückwunsch! Offenbar kennen Sie sich recht gut.

Und wenn nicht? Fragen Sie sich kritisch, ob Ihre SELBSTeinschätzung ehrlich war. Oder ob Sie nicht vielleicht doch auf einen bestimmten Eindruck, ein „Ziel“ oder ein Ideal hinauswollten. Und fragen Sie Ihre Gesprächspartner, WARUM abweichende Eindrücke bei ihnen entstanden sind – Ihr für Sie logisches Verhalten in einer bestimmten Situation ist für alle anderen vielleicht völlig unlogisch bzw. wird ganz anders verstanden, als es Ihre Absicht war.

3. Abgleich:

Haben Sie ein einigermaßen zutreffendes Profil von sich erstellt, ist die nächste Frage die nach den dazu „passenden“ Berufen. Spätestens an dieser Stelle kommen naturgemäß Eltern, Freunde usw. ins Spiel. Wichtiger als Fragen nach Gehalt, Arbeitszeit oder Karrieremöglichkeiten sind in jedem Fall Themen wie „Was ist der Schwerpunkt der Tätigkeit?“, „Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?“ und „Was wird als Ergebnis eines Tages/einer Woche/eines Monats erwartet?“. Nutzen Sie möglichst viele Möglichkeiten, mit anderen über deren Beruf zu sprechen – die (ehrliche) persönliche Auskunft ist durch nichts zu ersetzen! Allerdings werden Sie es kaum schaffen, auf diese Weise auch nur ansatzweise einen vollständigen Überblick der für Sie in Frage kommenden Berufe zu bekommen. Und es wäre doch ärgerlich, wenn Sie Ihren Traumberuf nur deswegen verpassen, weil Sie ihn schlichtweg nicht kennen, oder? Also ab zur Beratung durch die Fachleute bei der Arbeitsagentur zum:

4. Check beim Profi:

Ein wichtiges Informationsangebot (nicht nur) für die erste Orientierungsphase sollten Sie nicht einfach links liegen lassen. Nämlich das Internetangebot (und natürlich die Filialen vor Ort) der Agentur für Arbeit.

Das Onlineportal www.arbeitsagentur.de bietet zahlreiche Services und Informationen rund um die Themen Berufs- und Studienorientierung, Ausbildung und Studium:

 

Navigator „Schule, Ausbildung und Studium“:

  • Welche Berufe passen zu mir?
  • Mit Bildern spannende Ausbildungsberufe entdecken
  • Mit dem Selbsterkundungstool zum passenden Beruf
  • Mit dem Berufswahltest die Eignung überprüfen

Ich will eine Ausbildung machen

  • Ihre Stärken und Interessen
  • Berufsfelder von Baubranche bis Verwaltung
  • Informationen über den Wunschberuf
  • Praktikum im Wunschberuf
  • Ausbildungsplatzbörse

Ich will studieren

  • Ihre Stärken und Interessen
  • Welches Studium und welche Studiengänge?
  • Selbsterkundungstests
  • Studienfelder von Agrarwissenschaften bis Lehramtsausbildung
  • Studiengänge im Detail
  • Den passenden Studiengang bzw. Studienschwerpunkt und die passende Hochschule finden
  • Alternativen zum Wunschstudiengang
  • Zugangsvoraussetzungen und Regeln zum Studium
  • Bewerbungsverfahren um einen Studienplatz
  • Berufsmöglichkeiten nach dem Studium

Ausbildung oder Studium? Oder beides?

  • Voraussetzungen, Vor- und Nachteile

Tipps zur Ausbildungsplatzsuche

  • Adressen, Tipps und Links

Bewerbung um einen Ausbildungs- oder Studienplatz

  • Für Azubis: Bewerbungsmappe, Auswahlverfahren, Bewerbungstraining und Vorstellungsgespräch
  • Für Studenten: Bewerbungsverfahren und -adressen, Zulassung zum Studium und der Numerus Clausus (NC)

Alternativen für die Zwischenzeit

  • FSJ, FÖJ, BFD, Auslandsaufenthalt, Praktika und Nebenjobs

Berufsberatung

  • Von der Orientierung bis zur Bewerbung – kostenlose und professionelle Hilfe von A bis Z vor Ort

Egal, ob Sie noch gar keine Vorstellung von Ihrer Zukunft haben oder Informationen zu einer bestimmten Ausbildung oder zu einer bestimmten Universität suchen: Mit wenigen Klicks sind Sie am Ziel. Außerdem sind die bisherigen unterschiedlichen Seiten wie BERUFE TV, kursnet.de, abi.de, hochschulstart.de, studienwahl.de sowie z.B. die Ausbildungsplatzbörse der Arbeitsagentur in den jeweiligen Bereichen direkt verlinkt – mit einem Klick gibt es mehr Informationen.

Also: Termin machen, vorher alles notieren, was Sie wissen wollen und dann löchern Sie die Experten mit Ihren Fragen, bis auch der letzte offene Punkt zu Ihrer Zufriedenheit geklärt ist!

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