Kategorien-Archiv 105-Studium

Nebenkosten & Co: – Die Fallstricke im Mietvertrag

Die Wohnungssuche wird in Deutschland immer schwieriger. Schon heute fehlen in über 1.000.000 Miet­wohnungen. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Wohnungen, vor allem in den Städten. Die Folge: Warteschlangen bei den Wohnungsbesichtigungen, weiter steigende Mieten, Vermieter, die Vertragskonditionen diktieren, und Mieter, die ihre Rechte nicht wahrnehmen – aus Unkenntnis oder weil sie Nachteile bei der Wohnungsvergabe fürchten. Welche Rechte haben Mieter bei der Wohnungssuche und beim Abschluss des neuen Mietvertrages und worauf müssen sie achten?

Miethöhe:

Seit Juni 2015 gibt es die sogenannte Mietpreisbremse. Sie gilt nicht flächendeckend in ganz Deutschland, aber zwischenzeitlich immerhin in zehn Bundesländern und rund 300 Städten. Hier darf die neue Wohnung nach dem Gesetz höchstens zu einem Preis vermietet werden, der 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt. Aber es gibt Ausnahmen. Die Mietpreisbremse gilt nicht für Neubauten (Stichtag 1. Oktober 2014) und nicht für umfassend sanierte Wohnungen. Außerdem darf der Vermieter die „Vormiete“, die Miete also, die der frühere Mieter schon gezahlt hat, auch im neuen Mietverhältnis weiter fordern – egal, wie hoch diese Vormiete war. Das eigentliche Problem aber ist, dass sich die meisten Vermieter offensichtlich nicht an die Mietpreisbremsen-Regelungen halten, sondern die Wohnung unverändert teuer oder noch teurer als im Vorjahr anbieten.

Mieter müssen also selbst aktiv werden und die Mietpreisbremse ziehen, damit sie von den neuen Gesetzesbestimmungen auch profitieren.

Tipp: Wer bei den Vertragsverhandlungen auf die möglicherweise überhöhte Miete hinweist, riskiert, die Wohnung nicht zu bekommen. Aber Mieter können auch nach Abschluss des Mietvertrages, also während des laufenden Mietverhältnisses, beanstanden, die Miete sei unzulässig hoch. Dann muss ein Verstoß gegen die Mietpreisbremse gerügt werden. Dazu reicht es aus, wenn der Mieter schriftlich die seiner Ansicht nach zulässige Miete (ortsübliche Vergleichsmiete lt. Mietspiegel plus 10 %) ermittelt und sich darauf beruft.

Auf Verlangen des Mieters muss der Vermieter Auskunft über die Tatsachen geben, die für die Prüfung der zulässigen Miete notwendig sind, die der Mieter aber nicht kennt. Das sind zum Beispiel Auskünfte zur Baualtersklasse des Hauses, zur Vormiete usw. Die überhöhte Miete, das heißt den unzulässig hohen Teil der Miete, muss der Vermieter nach Erhalt der Mieterrüge reduzieren.

Mieter haben einen entsprechenden Rückforderungsanspruch, aber nur für die Mieten, die nach der Rüge fällig werden, nicht für die Vergangenheit, das heißt für Zeiträume vor Abgabe der Rüge. Deshalb so früh wie möglich nach Abschluss des Mietvertrages mit Hilfe des Mietervereins die Miethöhe prüfen!

In Städten ohne Mietpreisbremse gibt es keine „Deckelung“ der Wiedervermietungsmieten. Fordert der Vermieter aber eine Miete, die mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt, kann ein Verstoß gegen die Wuchervorschrift des Wirtschaftsstrafgesetzes vor­liegen und sollte der Mieterverein eingeschaltet werden.

Betriebskosten:

Zusätzlich zur eigentlichen Kalt- oder Nettomiete müssen in aller Regel noch Betriebskosten ge­zahlt werden. Das sind Heizkosten und mehr als ein Dutzend sogenannter kalter Nebenkosten, wie Grundsteuer, Wasser, Abwasser, Hausversicherung, Straßenreinigung, Hausmeister, Fahrstuhl, Gartenpflege usw. Im Mietvertrag wird geregelt, welche Kosten Mieter übernehmen müssen und welche Vorauszahlungsbeträge hierfür monatlich zu zahlen sind. Ob die Vorauszahlungen realistisch angesetzt und aus-reichend kalkuliert sind oder mit Hilfe niedriger Vorauszahlungsbeträge eine günstige Gesamtmietbelastung vorgegaukelt wird, erfahren viele Mieter erst, wenn sie die erste Betriebskostenabrechnung erhalten haben. Dann ist es aber oft zu spät, es drohen unter Umständen hohe Nachzahlungen.

Tipp: Energieausweis zeigen lassen, der energetische Zustand des Hauses ist ein wichtiger Fingerzeig für die Höhe der künftigen Heizkosten. Nach dem Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbundes müssen durchschnittlich 2,10 bis 2,30 € pro Quadratmeter und Monat insgesamt für Betriebskosten gezahlt werden. Davon sollten Mieter realistischerweise zunächst einmal ausgehen.

Maklerprovision:

Seit Juni 2015 gilt in ganz Deutschland das Bestellerprinzip bei der Wohnungsvermittlung. Danach muss in aller Regel der Vermieter die Maklerprovision zahlen. Es gilt der Grundsatz: Wer bestellt, der bezahlt. Wendet sich der Vermieter an einen Makler und erteilt ihm den Auftrag, einen Mieter für seine Wohnung zu finden, muss er den Makler auch bezahlen. Mieter müs­sen nur noch in Ausnahmefällen die Maklerprovision übernehmen. Voraussetzung ist, sie beauftragen den Makler schriftlich mit der Wohnungssuche und der Makler wird danach, ausschließlich aufgrund dieses Auftrages, tätig und beschafft eine Wohnung, über die dann auch der Mietvertrag abgeschlossen wird. Im Zweifel muss der Makler diesen zeitlichen Ablauf nachweisen – insbesondere, dass er mit der konkreten Wohnungssuche erst nach der Auftragserteilung des Mieters begonnen hat, dass er die Wohnung nicht schon aufgrund eines früheren Auftrages im „Karteikasten“ hatte.

Schaltet der Makler eine Wohnungsanzeige und verlangt er für die Vermittlung der Wohnung dann erst einmal einen Auftrag des Mieters, hat er keinen Provisionsanspruch, zumindest keinen gegenüber dem Mieter. Das gilt erst recht, wenn der Makler noch während der Wohnungsbesichtigung die Unterschrift unter einen Maklerauftrag fordert. In beiden Fällen ist der Makler ganz offensichtlich nicht erst nach der Auftragserteilung durch den Mieter tätig geworden und auf Wohnungssuche gegangen. Im Gegenteil, hier hatte er zuerst die Wohnung im Angebot, im Zweifel aufgrund eines Vermieterauftrages, und erst danach hat er sich den Auftrag des Mieters besorgt.

Tipp: Fordert der Makler eine Provision vom Mieter, verstößt dies mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen das Wohnungsvermittlungsgesetz, gegen das Bestellerprinzip. Da die Maklerprovision frühestens nach Abschluss des Mietvertrages gezahlt werden müsste, kann der Mieter die Maklerforderung nach Prüfung durch den Mieterverein ablehnen, ohne dass er riskiert, die gewünschte Wohnung nicht mehr zu erhalten. Wer die Provision trotzdem gezahlt hat, kann sein Geld zurückfordern. Der Mieteranspruch verjährt erst nach drei Jahren. Außerdem riskieren Makler eine Geldbuße bis zur Höhe von 25.000 €, wenn sie gegen die Vorgaben des Bestellerprinzips verstoßen.

Umgehungsgeschäft:

Egal, ob der Makler „Besichtigung nur gegen Erteilung des Vermittlungsvertrages“ fordert oder 50 € für eine Wohnungsbesichtigung, Bearbeitungs- oder Servicegebühren oder gar eine 1.000-€­ Renovierungspauschale – der Mieter muss nicht zahlen. Wenn überhaupt, müsste der Auftraggeber zusätzliche Gebühren zahlen, nicht aber der Mieter. Die ,,Renovierungspauschale“ ist nichts anderes als eine verkappte Maklerprovision und muss nicht bezahlt werden. Und gleichgültig, ob der Vermittlungsauftrag quasi „erpresst“ wird – ,,sonst keine Wohnungsbesichtigung“ – oder ob der Vermittlungsauftrag freiwillig erteilt wird, ohne Maklerleistung, das heißt Wohnungssuche nach dem Vermittlungsauftrag, muss ein Mieter keine Provision zahlen.

Tipp: Provisionsrechnungen oder Gebührenforderungen eines Maklers nicht ohne vorherige Prüfung durch den Mieterverein zahlen. Wer gezahlt hat, muss prüfen lassen, ob er sein Geld zurückfordern kann. Auch hier beträgt die Verjährungsfrist drei Jahre.

Abstand und Ablöse:

Abstands­ oder Ablöseforderungen sind weder ein Ersatz für eine Maklerprovision noch ein Ausgleich dafür, dass der Vermieter die Provision zahlen muss und nicht mehr der Mieter. Nach dem Wohnungsvermittlungsgesetz sind Abstandszahlungen, die der wohnungssuchende Mieter leisten muss, damit die Wohnung angemietet werden kann oder damit der Vormieter auszieht, grundsätzlich unzulässig. Ablösevereinbarungen sind letztlich Kaufverträge, mit denen sich der wohnungssuchende Mieter verpflichtet, Möbel oder Einrichtungsgegenstände zu kaufen. Derartige Verträge sind auch nach dem Wohnungsvermittlungsgesetz möglich, aber nur so lange wirksam, wie Kaufpreis und Wert der übernommenen Gegenstände nicht in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen.

Die Idee des einen oder anderen Vermieters, Schrottmobiliar zu überhöhten Preisen an den Mieter zu verkaufen, um so die gezahlte Maklerprovision wieder „reinzuholen“, ist nicht durchsetzbar. Von einem auffälligen Missverhältnis ist auszugehen, wenn der Kaufpreis mehr als 50 % über dem tatsächlichen Zeit­wert des Kaufgegenstandes liegt. Und so wird gerechnet: Mieter und Vermieter schließen eine Ablösevereinbarung über eine zehn Jahre alte Einbauküche zu einem Kaufpreis von 4.000 €. Der Zeitwert der Küche liegt bei 2.000 €. Die Vereinbarung ist wirksam bis zu einem Betrag von 3.000 € (Zeitwert plus 50 %). Die restlichen 1.000 € stehen dem Vermieter nicht zu. Soweit schon gezahlt wurde, kann der Mieter sein Geld zurückfordern. Auch hier gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren.

Tipp: Diese Grundsätze gelten auch, wenn der Vormieter die Ablöseforderung stellt, er sein Uralt-Mobiliar teuer verkaufen will.

Mietkaution:

Mieter und Vermieter können beim Abschluss des Miet­vertrages vereinbaren, dass eine Mietsicherheit geleistet wird, eine Mietkaution. Nach dem Gesetz darf die Kaution höchstens drei Monatsmieten betragen – ohne Nebenkostenvorauszahlungen-, und der Mieter ist berechtigt, die Kaution in drei Raten zu zahlen. Die erste Rate wird dann mit Beginn des Mietverhältnisses fällig, die übrigen zwei Raten mit den bei­den nächsten Mietzahlungen.

Bei der Barkaution muss der Kautionsbetrag an den Vermieter direkt gezahlt oder überwiesen werden. Der Vermieter muss die Kaution von seinem Vermögen getrennt auf einem Sonderkonto anlegen. Die Mietvertragsparteien können aber auch vereinbaren, dass die Mietkaution in Form einer Bankbürgschaft, einer Mietkautionsversicherung (Bürgschaft durch eine Versicherung) oder der Verpfändung eines Sparbuchs erbracht wird.

Tipp: Die Vereinbarung einer höheren Mietsicherheit als drei Monatsmieten ist unzulässig. Am Ende der Mietzeit muss die Mietkaution zurückgezahlt werden, soweit der Vermieter keine Ansprüche mehr aus dem Mietverhältnis geltend machen kann. Im Streitfall muss der Mieter nachweisen, dass er überhaupt eine Mietsicherheit geleistet hat und in welcher Höhe. Deshalb sollten Mieter verlangen, dass der Vermieter die Kautionszahlung quittiert, oder bei Überweisung der Kaution muss der Überweisungsträger aufbewahrt werden.

✉ Beitrag per Email versenden

Die erste eigene Wohnung oder WG

Für eine eigene Penthouse-Wohnung dürfte es bei den allerwenigsten reichen, aber es bleibt trotzdem noch eine Menge Auswahl. Also, was soll´s denn sein: Studenten-Wohnheim? Eigene Bude? Oder doch lieber eine WG? Ein guter Tipp ist eigentlich immer der Anruf beim örtlichen Studentenwerk. Hier erfahren Sie u.a., ob und in welchen Wohnheimen noch Zimmer frei und wie hoch die Kosten sind. Die Vorteile liegen auf der Hand: Neben der Nähe zum Uni-Campus kann man davon ausgehen, dass ein Zimmer im Studentenwohnheim mit hoher Wahrscheinlichkeit günstiger als jedes „­normale“ ­privat gemietete Zimmer oder gar eine Wohnung ist. Außerdem lebt man mit vielen anderen Studenten unter einem Dach – das erleichtert das Kennenlernen von Kommilitonen enorm. Selbst wer sich eine eigene Wohnung leisten kann, sollte darüber nachdenken, ob für die ersten Semester ein Studentenwohnheim nicht doch die bessere Wahl ist: Nach einiger Zeit kennt man genug Leute, um zu entscheiden, mit wem man ggf. eine WG aufmachen möchte, man kennt die guten Ecken einer Stadt und bekommt auch den einen oder anderen Tipp, wenn irgendwo eine gute Wohnung frei wird.

Gute Anlaufstellen für die Suche sind auch die sogenannten „Mitwohnzentralen“, die das übergangsweise Mieten von meist möblierten Zimmern oder Wohnungen ermöglichen, deren Eigentümer oder Mieter z.B. eine Zeitlang im Ausland sind und so ihre Kosten niedrig halten wollen; Angebote zur Untermiete finden sich hier aber ebenfalls in rauen Mengen. Online lohnen sich Seiten wie www.wg-gesucht.de oder www.studenten-wg.de – da gibt’s nicht nur Adressen und Angebote, sondern auch jede Menge hilfreicher Tipps (noch mehr Links finden Sie hier).

Alles eine Frage des Geldes

Wenn es eine eigene Wohnung sein soll, sollten Sie sich einen Überblick über die ortsüblichen Mieten verschaffen – eine Wohnung im Nobelviertel geht enorm ins Geld, ist aber viel langweiliger als eine kleine 2-Zimmer-Bude mitten in einem kiezigen Innenstadtviertel. Einen ersten Überblick erhalten Sie, wenn Sie das Stichwort „Mietspiegel + Stadt oder Region“ googeln. Das reicht meist aus, um Mietangebote aus lokalen Tageszeitungen oder von Maklern zumindest ungefähr einzuordnen. Allerdings weist so ein Mietspiegel nur Durchschnittswerte aus; das tatsächliche Gefälle zwischen „günstig“ und „teuer“ kann ziemlich groß sein.

Kostenaufstellung für den Überblick

Bevor man überhaupt auf Wohnungssuche geht, sollte erst einmal genau kalkuliert werden, welche Mietsumme man sich tatsächlich regelmäßig leisten kann. Um sich einen Überblick über die zukünftigen Ausgaben zu verschaffen, sollten die wichtigsten monatlich anfallenden Kosten in einer Art Budget-Plan aufgelistet werden: Miete, Nebenkosten, Strom, Internet- und Telefonanbieter, Rundfunkbeitrag und Versicherungen. „Die Warmmiete sollte inklusive Nebenkosten ein Drittel der Einkünfte nicht überschreiten“, empfehlen die Finanzexperten. Für einen besseren finanziellen Überblick kann es darüber hinaus sinnvoll sein, die sonstigen Lebenshaltungskosten regelmäßig zu notieren. Vom Wochen-Einkauf über den Kneipenabend bis zum Kinobesuch werden alle Ausgaben erfasst. Dafür können zum Beispiel auch hilfreiche Smartphone-Apps wie „Meine Finanzen“ oder „Haushaltsbuch MoneyControl“ genutzt werden.

Achtung bei der ersten WG!

Die größten Stolpersteine lauern nicht bei der richtigen Auswahl der Mitbewohner oder dem Aufstellen des Putzplanes, sondern im Kleingedruckten! Vom Mietvertrag über die Verträge mit dem örtlichen Wasser- und Energieversorger sowie der Telekom bis zur Hausratversicherung – nehmen Sie Kontakt mit dem Vermieter, dem Versorger und dem Versicherungsvertreter auf und machen Sie sich schlau. Sonst zahlen Sie am Ende Prämien, obwohl Sie längst woanders wohnen. Denn im Zweifel gilt hier: Mitgefangen (also Vertrag unterschrieben), mitgehangen.

Wer als Hauptmieter im Mietvertrag steht, haftet für alle – die Mitbewohner sind dann nur Untermieter. Nachteil: Kündigt der Hauptmieter, steht die gesamte WG auf der Straße. Vorteil: Ein neuer Untermieter kann problemlos einziehen. Besser: Mit dem Vermieter klären, dass eine WG die Wohnung nutzt und alle Mieter den Mietvertrag unterzeichnen lassen. Gleiches gilt für Strom und Wasser, Internet, Telefon und Kabelfernsehen – der Internetprovider bucht die fälligen Beträge vom Konto des Vertragsinhabers (also bei demjenigen, der unterschrieben hat) ab. Da ist es nebensächlich, ob der Vertragsinhaber überhaupt noch in der Wohnung wohnt.

Stichwort Versicherungen:

Wohnungssuche, Renovieren, Umzug: Paare, die zusammenziehen, haben viel zu organisieren und zu klären. „Es ist zwar nicht besonders romantisch, die Versicherungsverträge zu überprüfen. Aber wer sich nicht um dieses Thema kümmert, verschenkt unter Umständen Geld und gefährdet sogar seinen Versicherungsschutz“, sagt Manuela Alt von der R+V Versicherung.

Mietvertrag

Um Doppelversicherungen zu vermeiden, macht die Zusammenlegung bei vielen Policen wie Haftpflicht-, Hausrat- und Rechtsschutzversicherung Sinn. „Dabei müssen die Partner prüfen, wer in welchen Vertrag einsteigt und welcher aufgelöst werden kann – oft ist das der jüngere Vertrag“, so Alt. Wichtig: Die Haftpflichtversicherung übernimmt nach der Zusammenlegung in der Regel keine Schäden mehr, die der Lebenspartner verursacht hat. Und die Hausratversicherung muss über die neue Adresse und Wohnungsgröße informiert werden. „Die Wohnfläche muss korrekt angegeben sein. Sonst wird ein Schaden unter Umständen nur teilweise beglichen“, erklärt Alt. Anders sieht es bei Versicherungen aus, die direkt auf die beiden Personen zugeschnitten sind: Berufsunfähigkeits-, Kranken- oder Unfallversicherungen bleiben unverändert bestehen.

Den Mietvertrag sollten immer beide unterschreiben. Nur so haben sie dieselben Rechte gegenüber dem Vermieter – aber auch die gleichen Pflichten, etwa die Übernahme der Miete.

Stressfrei in die erste eigene Wohnung:

So ein Umzug ist mehr als ein paar Kisten und Möbel von A nach B bringen, es bedeutet in den meisten Fällen einen erheblichen zeitlichen, logistischen und finanziellen Aufwand. Wie ein Umzug locker von der Hand geht, zeigen die 8 Tipps der LBS. Dann klappt‘s danach auch noch mit der Einweihungsparty.

  • Erstellen Sie sich mit Vorlagen aus dem Internet eine persönliche Checkliste. Vergessen Sie vor allem den Zeitfaktor nicht bei Ihren Planungen. Bauen Sie bewusst Zeitpuffer ein. Und: Renovieren Sie die neue Wohnung möglichst bevor Sie einziehen.
  • Ziehen Sie in Eigenregie um, müssen Sie vieles selbst organisieren, z.B. das Mieten eines entsprechend großen Transporters. Auch sollten Sie Helfer mobilisieren, damit Sie am Umzugstag nicht allein dastehen. Für den ersten Umzug reichen oft drei bis vier Helfer. Ein Umzugsunternehmen bietet professionelle Unterstützung, agiert schnell und übernimmt je nach Vertrag im Schadensfall die Haftung – kostet aber Geld.
  • Reservieren Sie zwei Wochen vor dem Umzugstermin über die Straßenverkehrsbehörde Parkmöglichkeiten für den Umzugswagen. Die Höhe der Gebühr ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich und hängt ab von der Art und der Dauer Parkverbots.
  • Spätestens seit dem Hit von Silbermon“ wissen wir: „Es reist sich besser mit leichtem Gepäck!“ Entrümpeln Sie daher frühzeitig. Verkaufen oder verschenken Sie nicht mehr benötigte Dinge. Entsorgen Sie umweltbewusst.

  • Zur leichteren Zuordnung in der neuen Wohnung beschriften Sie gepackte Umzugskartons oben und seitlich mit einem dicken Filzstift nach Räumen bzw. thematisch. Packen Sie die Kartons nicht zu voll und lassen Sie die Griffmulden frei. Für die erste Übernachtung in der neuen Wohnung stellen Sie sich einen „Survival-Koffer“ mit allen wichtigen Dingen, die Sie zum Schlafen, Hygiene, etc. benötigen, zusammen. Verstauen Sie Ihre Papiere, Schlüssel, Geld und Handy griffbereit.
  • Kümmern Sie sich eine Woche vor dem Einzug um die Schlüsselübergabe: Dokumentieren Sie Vorschäden in der Wohnung (auch im Treppenhaus) mit Fotos, notieren Sie Zählerstände von Strom, Wasser und Gas/Öl. Spätestens beim Einzug steht auch die Anmeldung beim Beitragsservice des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an (ehemals GEZ). Nur Studierende, die Bafög oder Berufsausbildungsbeihilfe beziehen, sind davon ausgenommen.
  • Geben Sie Ihre Adresse rechtzeitig an Ihre Freunde und Verwandten, an alle Behörden und Vertragspartner. Denken Sie an die Meldung beim Einwohnermeldeamt sowie den Nachsendeantrag bei der Post.
  • Am Umzugstag: Fangen Sie nicht zu spät mit der Arbeit an. Ein Umzug in den späten Abendstunden sorgt schnell für Ärger mit den neuen Nachbarn. Informieren Sie diese frühzeitig über den geplanten Einzugstermin. Denken Sie an die Verpflegung der Helfer. Getränke und eine Pizza halten das Team bei Laune.
✉ Beitrag per Email versenden

(Duales) Studium Pflege

Das grundständige Studienfach Pflegemanagement, ‑wissenschaft vermittelt wissenschaftliches und praktisches Grundlagenwissen in Pflegewissenschaft und Gesundheit, Betriebswirtschaft, Management und in Pflege­ und Sozialrecht. Pflegemanagement, ‑wissenschaft kann man auch im Rahmen von dualen Studiengängen sowie Fernstudiengängen studieren.

Mögliche grundständige Studiengänge

  • Erweiterte Klinische Pflege (Psychosomatische und psychiatrische Pflege)
  • Evidenzbasierte Pflege
  • Geriatrische Therapie, Rehabilitation und Pflege•Gesundheits­ und Pflegemanagement
  • Pflege/Pflegeleitung
  • Pflegemanagement und Organisationswissen

Zugangsvoraussetzungen

  • an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen: die allgemeine oder ggf. die fachgebundene Hochschulreife
  • an Fachhochschulen und Berufsakademien: mindestens die Fachhochschulreife
  • ggf. Bestehen eines hochschulinternen Auswahlverfahrens
  • ggf. Nachweis über eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf

Inhalte des Studiums

Die Studierenden besuchen Vorlesungen, Seminare und praktische Übungen an der Hochschule, z.B. in folgenden Pflichtmodulen:

  • Aufbau des Gesundheits­ und Sozialsystems
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement
  • Case Management im Gesundheits­ und Sozialwesen
  • Einführung in die Pflege
  • Ethik im Gesundheits­ und Sozialwesen
  • Gesundheits­ und Sozialökonomie
  • Grundlagen der Pflegewissenschaft
  • Grundlagen Pflegemanagement
  • Informationstechnologien und E­Health
  • Klinische Prozesse
  • Medizinische Theorie und Terminologie
  • Pflegepädagogik
  • Pflegediagnostik und ‑intervention
  • Qualitätsmanagement im Gesundheits­ und Sozialwesen
  • Recht im Gesundheits­ und Sozialwesen/Rechtsfragen in der Pflegepraxis
  • Schmerzmanagement/Wundmanagement

Nach dem Studium

Wer ein Bachelorstudium Pflegemanagement, ‑wissenschaft absolviert hat, kann z.B. in den Tätigkeitsfeldern Sozial­ und Gesundheitsmanagement, Personalwesen oder Lehrtätigkeit an beruflichen bzw. berufsbildenden Schulen ins Berufsleben einsteigen. Für Führungspositionen wird im Anschluss an das Bachelorstudium i.d.R. ein Masterabschluss erwartet. Eine Fortsetzung des Studiums bietet sich beispielsweise in weiterführenden Studienfächern wie Pflegemanagement, ‑wissenschaft, Gesundheitsmanagement, ‑ökonomie, Medizin­, Pflegepädagogik an.

Stand: 01.10.2019

Zum Film

✉ Beitrag per Email versenden

Steuerrecht für Azubis und Studenten: Das Wichtigste zusammengefasst

Das Steuerrecht ist ein umfangreiches und scheinbar unübersichtliches Themengebiet. Dennoch ist es für Arbeitnehmer unumgänglich, sich damit zu befassen – das gilt auch für Azubis. Die wichtigsten Fragen rund um Steuerzahlungen während der Ausbildung beantwortet der folgende Ratgeber:

Für Azubis gilt:

Wann Auszubildende Steuern zahlen müssen, ist von der Höhe der Vergütung und der Lohnsteuerklasse abhängig. Die meisten Azubis sind als Ledige und Kinderlose in der Steuerklasse I. Alleinerziehende besitzen Klasse II, Verheiratete können in Steuerklasse III, IV oder V sein und Personen, die noch einen zusätzlichen Nebenjob ausüben, sind in Klasse VI.

Achtung: Wer neben seiner Ausbildung einen Nebenjob ausüben möchte, benötigt die Zustimmung vonseiten des Arbeitgebers.

Lohnsteuer

Der Grundfreibetrag beträgt 8.820 €. Liegt der jährliche Verdienst unter dieser Grenze, sind keine Steuerabgaben notwendig. Bei einem höheren Einkommen sind Lohn- und Kirchensteuer sowie der Solidaritätszuschlag zu entrichten.

Die Lohnsteuer orientiert sich dabei an der Steuerklasse. Verdient ein Azubi mit der Steuerklasse I mehr als 946 € brutto im Monat, muss Lohnsteuer gezahlt werden. Bei der Steuerklasse VI gilt allerdings eine Sonderregelung. Hierbei müssen die meisten Azubis in ihrem ersten Ausbildungsjahr keine Steuern zahlen, da der Betrag an der Obergrenze der gezahlten Ausbildungsvergütungen liegt. In den Fällen, in denen dennoch eine Lohnsteuer fällig wird, ist der Ausbildungsbetrieb für deren Abführung zuständig.

Kirchensteuer

Die Kirchensteuer fällt selbstverständlich nur dann an, wenn der oder die Auszubildende einer Konfession angehört, also zum Beispiel katholisch oder evangelisch ist. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt diese Kirchensteuer 8 % der Lohnsteuer – nicht der Ausbildungsvergütung. In den restlichen Bundesländern beträgt sie 9 %. Muss ein Azubi also keine Lohnsteuer zahlen, wird auch keine Kirchensteuer erhoben.

Solidaritätszuschlag

Wer monatlich eine Lohnsteuer von mehr als 81 € zahlt, muss zusätzlich den Solidaritätszuschlag begleichen. Dieser beträgt 5,5 % von der zu entrichtenden Lohnsteuer. Auch hierbei gilt: Wird keine Lohnsteuer gezahlt, ist auch kein Solidaritätszuschlag fällig.

Sozialabgaben

Beiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungen stellen die sogenannten Sozialabgaben dar. Diese sind jedoch erst nötig, wenn die Ausbildungsvergütung über monatlichen 325 € brutto liegt. Fällt das Gehalt geringer aus, ist der Arbeitgeber für diese Abgaben zuständig.

Insgesamt belaufen sich die Sozialabgaben auf 40 % der Ausbildungsvergütung. Der Azubi selbst muss davon aber nur rund 20 % zahlen, den Rest übernimmt der Ausbildungsbetrieb. Nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern steht einem der Netto-Betrag des Gehalts schließlich zur freien Verfügung.

Lohnt sich eine Steuerklärung?

An vielen Kosten, die während der Ausbildungszeit anfallen können, beteiligt sich der Staat. Dazu gehören zum Beispiel die Fahrten zum Betrieb, Ausgaben für Lehrbücher oder die Anschaffung eines Laptops. Mittels der Steuererklärung können sich Azubis alle ausbildungsbedingten Aufwendungen als sogenannte Werbungskosten steuerlich geltend machen.

Das Finanzamt zahlt aber nur dann Steuern zurück, wenn auch tatsächlich Steuern abgeführt wurden. In der jährlichen Lohnsteuerbescheinigung wird aufgeführt, wie viel Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag oder Kirchensteuer fällig waren. Diese können sich Azubis in der Regel komplett zurückholen.

Doch auch für diejenigen, die keine Steuern an das Finanzamt abgeführt haben, kann sich eine Steuererklärung lohnen. Mit einem Verlustvortrag – sprich, wenn mehr Ausgaben als Einnahmen zu verzeichnen sind – können Azubis eine Steuergutschrift erhalten.

Das kostenlose Ratgeberportal www.anwalt.org bietet viele weitere Informationen rund um das Steuerrecht, z.B. welche Steuerklasse die richtige ist oder eine Anleitung für die Steuererklärung.

Und was gilt für Studenten?

Egal, ob Minijob, Werkstudententätigkeit oder BAföG – auf irgendeine Weise verdient sich ein Großteil der Studierenden nebenbei Geld dazu. Doch dabei sollten auch die Auswirkungen auf Steuern und Sozialversicherung berücksichtigt werden. Die wichtigsten Infos dazu:

BAföG

Zunächst die gute Nachricht: BAföG-Leistungen sind steuerfrei. Wer sich noch etwas hinzuverdienen möchte, sollte sich beim zuständigen Amt erkundigen, wie viel das sein darf, da individuelle Verdienstgrenzen gesetzt werden. Bei Überschreiten dieser wird das Einkommen angerechnet und die BAföG-Leistung entsprechend gesenkt.

Grundsätzlich sind bis zu 4.880 € Bruttoverdienst im Jahr anrechnungsfrei möglich. Für Studenten, die verheiratet sind oder Kinder haben, gelten etwas höhere Freibeträge. Gegebenenfalls – zum Beispiel bei fälligen Semestergebühren – kann auch ein Einkommen über der Verdienstgrenze anrechnungsfrei bleiben. Dafür muss jedoch ein entsprechender Antrag gestellt werden.

Mini- und Werkstudentenjob

Minijobs auf 450-€-Basis sind in der Regel steuer- und sozialversicherungsfrei. Einkünfte aus allen anderen Tätigkeiten – zum Beispiel bei einem Vollzeit-Ferienjob oder bezahlten Praktikum über 450 € – sind jedoch grundsätzlich steuerpflichtig.

Werkstudenten verdienen in der Regel mehr als 450 €, das heißt aber noch nicht, dass in jedem Fall Steuern abgezogen werden. Der gültige Steuerfreibetrag hängt von der Steuerklasse als Student ab, die sich nach dem Familienstand richtet. Unverheiratete und Kinderlose sind in Steuerklasse I eingestuft; dort beträgt der jährliche Grundfreibetrag zurzeit 9.000 €. Wer also weniger als 750 € im Monat verdient, muss auch keine Einkommenssteuer zahlen. Bei einem höheren Verdienst wird für den darüber liegenden Betrag ein Steuerabzug fällig – je nach Steuerklasse sind das 14 % oder mehr. Dies zieht auch den Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer nach sich.

Lohnt sich eine Steuerklärung?

Durch das Einreichen einer Steuererklärung kann die abgeführte Lohnsteuer oftmals vom Finanzamt erstattet werden. Liegt das zu versteuernde Einkommen unterhalb des Grundfreibetrages von 9.000 €, wird die einbehaltene Lohnsteuer in voller Höhe erstattet – inklusive der Kirchensteuer sowie des Solidaritätszuschlags.

Aber auch bei einem höheren Verdienst können Studenten vieles erstattet bekommen, und zwar durch studien- oder arbeitsrelevante Aufwendungen: Den Werbungskosten. Dazu zählen zum Beispiel Büromaterial oder die Kosten für die Anfahrt zur Universität oder zum Job. Liegen die Werbungskosten über dem Pauschbetrag von 1.000 €, bekommt man die Steuern erstattet.

Kindergeld

Hat der oder die Studierende noch nicht das 25. Lebensjahr vollendet, erhalten die Eltern weiterhin Kindergeld – zumindest, wenn es sich um die Erstausbildung handelt. Bei der zweiten Ausbildung geht der Gesetzgeber allerdings davon aus, dass der Student in der Lage ist, sich selbst zu finanzieren, sodass nur unter strengen Voraussetzungen Kindergeld gewährt wird.

Sozialabgaben

Bei der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung gilt die 20-Stunden-Grenze. Arbeitet der Student mehr, überwiegt das Arbeitsverhältnis gegenüber dem Studium. Nur wenn die Beschäftigung in den Abend- oder Nachtstunden erfolgt, kann man gegebenenfalls weiterhin als ordentlicher Student gelten und somit Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung erreichen.

Um in der Familienversicherung kostenlos weiterversichert zu bleiben, dürfen Studierende nur sehr wenig verdienen – aktuell sind das 435 € im Monat. Bei darüberhinausgehenden Einkünften muss stattdessen eine studentische Versicherung selbst finanziert werden.

Studenten müssen jedoch keineswegs grundsätzlich neben dem Studium arbeiten gehen. Sie besitzen auch das Recht auf Kindesunterhalt vonseiten der Eltern. Mehr dazu erfahren Sie unter www.familienrecht.net/kindesunterhalt/

Laura Gosemann, Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V.

✉ Beitrag per Email versenden

Die wichtigsten Versicherungen zum Start

Die Schulzeit ist vorbei, die Frage Lehre oder Studium entschieden. Wenn das Ausbildungsjahr oder das Studium beginnt, ist für viele junge Leute der Zeitpunkt gekommen, sich auf eigene Füße zu stellen und auszuziehen. Muss man sich jetzt auch selbst versichern?

Volljährige, unverheiratete Kinder sind in der Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Hausratversicherung während der Erstausbildung bei ihren Eltern kostenlos mitversichert. An der Mitversicherung ändert auch ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder ein Bundesfreiwilligenjahr nichts. Unerheblich ist zudem, ob die Dienste direkt nach dem Schulabschluss, während oder direkt nach der Ausbildung absolviert werden. In der Haftpflichtversicherung sind zusätzlich der Freiwillige Wehrdienst, ein einjähriges Work & Travel-Programm oder eine einjährige Au-pair-Tätigkeit miteingeschlossen. Natürlich dürfen die Mitversicherten in dieser Zeit kein eigenes Einkommen haben: Bafög, Lehrlingsgehalt oder der typische Studentenjob, um ein bisschen Taschengeld dazu zu verdienen, spielen keine Rolle.

Auch die typische Studentenbude ist durch die Hausratversicherung der Eltern mitversichert. Und selbst wenn man sich nach Abschluss der Erstausbildung auf eigene Füße stellt und eine eigene Wohnung einrichtet, besteht die kostenlose Mitversicherung noch ein halbes Jahr weiter. Ereignet sich während der Mitversicherungszeit allerdings ein Schaden, ist die Entschädigung auf einen gewissen Prozentsatz der Versicherungssumme begrenzt.

Aber dann wird es Ernst

Und dann gilt: Wissen ist Macht. Wer sich zum Beispiel vor dem Gespräch mit dem Vertreter über Leistungen und Prämien im Internet informiert oder sich mehrere Angebote per Post kommen lässt, ist schon einmal nicht schlecht gewappnet. Vorsicht vor „Rundum-Sorglos-Paketen“: Sie enthalten oft lukrative, aber nicht wirklich notwendige Versicherungen und sind schlechter auf ihr Preis-/Leistungsverhältnis zu überprüfen. Und es macht keinen Sinn, alle Versicherungen über einen Makler oder eine Gesellschaft abzu­schließen – Mengenrabatte gibt es bei diesen Geschäften nicht; wer vergleicht und getrennt unterschreibt, kann viel Geld sparen.

Das muss einfach sein:

Krankenversicherung

Ist für Auszubildende Pflicht – trotzdem besteht inzwischen die Möglichkeit, sich seine gesetzliche Kasse auszusuchen. Die Leistungen sind weitgehend gesetzlich festgeschrieben, aber die Beitragssätze variieren – ein Vergleich lohnt sich! Azubis müssen sich spätestens 14 Tage nach Beginn einer Ausbildung für eine Kasse entschieden haben. Nach dieser Frist meldet der Betrieb den Auszubildenden bei der Kasse an, bei der er zuletzt war.

Studenten haben es da einfacher: Sie können problemlos über ihre Eltern mitversichert bleiben. Sind die Eltern in einer gesetzlichen Krankenversicherung, ist dies bis zum Alter von 25 Jahren (zzgl. der Zeit für Wehr- oder Ersatzdienst) möglich. Wer älter ist, kann bei den gesetzlichen Kassen einen einheitlichen Studententarif zum Preis von monatlich 64,77 € zzgl. Pflegeversicherung abschließen. Wichtig: Mit dem 30. Geburtstag oder dem 14. Fach-semester endet in der Regel die studentische Krankenversicherung.

Sind die Eltern privat versichert, muss entschieden werden, ob diese Versicherung für das gesamte Studium fortgesetzt wird; ein Wechsel zu einer gesetzlichen Kasse ist vor Ende des Studiums dann nicht möglich. Wichtig: Die Kasse unbedingt schriftlich über die Aufnahme eines Studiums informieren (generell sollten alle Mitteilungen schriftlich erfolgen – eine telefonische Absprache mit dem freundlichen Sachbearbeiter ist Jahre später in den wenigsten Fällen zu beweisen).

Globetrotter, die den Ausbildungsstart noch hinauszögern, oder Studenten, die ein paar Semester im Ausland studieren, sollten zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Denn die gesetzliche Krankenkasse zahlt nur für erforderliche Behandlungen in europäischen und einigen fernen Ländern. Die private Zusatzversicherung hingegen übernimmt die Kosten weltweit – und dann auch für den Rücktransport.

Privathaftpflicht

Egal, ob Sie die Mingvase Ihrer Freundin zerdeppern, Ihnen bei der gut gemeinten Umzugshilfe der Plasmafernseher Ihres Nachbarn aus den Händen rutscht oder Sie als Radfahrer einen Verkehrsunfall verursachen – alles Fälle für die Privathaftpflicht, die immer dann einspringt, wenn Sie aus Versehen einen Schaden bei einer anderen Person verursachen. Da vor allem Personenschäden schnell in die Hunderttausende gehen können, ist diese Versicherung ein absolutes Muss für jeden! In der Regel sind sowohl Azubis während ihrer ersten Ausbildung als auch Studenten bei den Eltern mitversichert – fragen Sie zur Sicherheit (schriftlich!) bei Ihrer Versicherung nach, ob eine Familienversicherung besteht. Achtung: Wer nach dem Abitur eine mehrmonatige Auszeit nimmt und dann erst sein Studium beginnt, riskiert im Zweifel seinen Versicherungsschutz – das Studium schriftlich anzumelden, schützt davor.

Die private Haftpflichtversicherung gilt übrigens auch für die Zeit des Bundesfreiwilligendienstes (BFD).

Berufsunfähigkeit (BU)

Rund 40 % der heute 20-Jährigen werden nach aktuellen Prognosen im Laufe ihrer Karriere berufsunfähig. Die Berufsunfähigkeit zählt zu den am meisten unterschätzten Risiken. Viele denken hier immer noch an die klassischen Arbeitsunfälle, dabei sind beispielsweise Depressionen, ein Burn-out-Syndrom oder Rücken- und Gelenkschmerzen viel häufigere Ursachen. Jeder vierte Berufstätige stellt im Laufe seines Lebens einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente – junge Leute in der Ausbildung oder zu Beginn des Berufslebens ohne oder mit nur sehr geringen Ansprüchen an die Rentenkasse sollten dieses Risiko also auf keinen Fall unterschätzen.

Wegen Krankheit oder Gebrechen nicht arbeiten zu können, ist also ein existenzielles Risiko für nahezu jeden. Wie hoch das Risiko einer Berufsunfähigkeit ist, hängt unter anderem vom ausgeübten Beruf ab. Je jünger man in diese Versicherung einsteigt, umso günstiger sind die Beiträge – ausschlaggebend sind unter anderem Vorerkrankungen und der allgemeine Gesundheitszustand. Vorsicht: Wer bei diesen Angaben „schummelt“, riskiert seinen Versicherungsschutz – auch da kann es um Hunderttausende gehen! Wer auf Nummer Sicher gehen will, füllt die entsprechenden Formulare gemeinsam mit seinem Arzt aus.

Mit Beiträgen zwischen 300 und über 1.000 € pro Jahr ist diese Versicherung nicht billig. Und der Vertrag ist extrem komplex, da er sehr stark auf die individuellen Bedürfnisse und abzusichernden Risiken eingeht. Es lohnt sich, sich Angebote mehrerer Versicherungen machen zu lassen.

Aktuelle Muster-Tarife finden zum Beispiel auf www.stiftung-warentest.de, die solche Versicherungen regelmäßig testet, Checklisten hält z. B. www.finanztest.de bereit.

Wichtig beim Abschluss einer BU:

1. Frühzeitig absichern

Je jünger Versicherte beim Einstieg in die Versicherung sind, desto günstiger fällt in der Regel der Versicherungsbeitrag aus. Denn mit zunehmendem Alter steigt oft die Anzahl der diagnostizierten Krankheiten. Sind Erkrankungen bereits vorhanden, gestaltet sich eine Absicherung generell deutlich schwieriger. Dennoch ist hier Ehrlichkeit ratsam: Denn wer bisherige Erkrankungen nicht korrekt angibt, riskiert seinen Versicherungsschutz.

2. Nachversicherungsgarantie

Wer diese mit abschließt, kann seinen Berufsunfähigkeitsschutz ohne erneute Gesundheitsprüfung nachträglich aufstocken. Die Höhe des Versicherungsschutzes sollte jeweils an sich ändernde Lebens- und Finanzsituationen angeglichen werden.

3. Verzicht auf abstrakte Verweisungen

In diesem Fall kann der Versicherer die versicherte Person nicht auf eine andere Tätigkeit verweisen, wenn der aktuelle Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

4. „Sechs-Monate-Prognose“

Üblicherweise gilt jemand als berufsunfähig, der mindestens sechs Monate lang seinem Beruf zu mindestens 50 % nicht nachgehen kann. Bei einer vertraglich fixierten „Sechs-Monate-Prognose“ erfolgen die Rentenzahlungen bereits ab dem ersten Monat.

5. Angebote für junge Menschen

Für Jugendliche und junge Erwachsene gibt es häufig spezielle Angebote – fragen Sie nach! Mit diesen Tarifen können sich Berufsanfänger ihre Risikoabsicherung bedarfsgerecht, zeitlich flexibel und vergünstigt zusammenstellen und gleichzeitig Vermögen für später aufbauen.

Nicht verwechseln sollten Sie die Berufsunfähigkeits- mit der Unfallversicherung. Die Unfallversicherung ist eine mögliche Ergänzung, aber kein Ersatz. Auch sie sollte nur nach eingehender persönlicher Beratung abgeschlossen werden – empfiehlt sich vor allem für Menschen, die z. B. Extremsportarten betreiben.

Generell zahlt die Unfallversicherung nur bei dauerhafter Invalidität nach einem Unfall – über 90% aller Anträge auf Berufsunfähigkeit sind jedoch krankheitsbedingt.

Hier kommt es drauf an:

Hausratversicherung

Mit der ersten eigenen Wohnung kommt schnell das Thema „Hausratversicherung“ auf. Und eigentlich jeder hat sie. Nur: Welcher Auszubildende hat in der ersten Wohnung schon Designer-Möbel, Perserteppiche und Hutschenreuther Porzellan? Andererseits kommt mit Laptop, Stereoanlage und der CD-Sammlung schnell ein nettes Sümmchen zusammen. Kurz gesagt: Das ist individuell unterschiedlich und muss jeder selbst entscheiden.

Achtung: Wer in eine WG zieht, sollte sich informieren, ob bereits eine gemeinsame Hausratversicherung besteht. Wenn nämlich jeder Mitbewohner der Wohngemeinschaft über das heutzutage übliche Paket an Unterhaltungselektronik verfügt, lohnt sich die geteilte Prämie allemal. Wer die WG jedoch nur als Zweitwohnsitz anmeldet, ist weiterhin über seine Eltern versichert. Eine gute Entscheidungshilfe: Kann ich es mir finanziell leisten, meine gesamte Einrichtung (also nicht nur die Möbel, sondern auch den Schrankinhalt wie z.B. Klamotten und Geschirr) zu ersetzen? Wenn nicht, ist eine Hausratversicherung sinnvoll.

Rechtsschutz

Rechtsstreitigkeiten kosten schnell viel Geld. Eine Rechtsschutzversicherung unterstützt Sie daher finanziell dabei, Ihre Ansprüche auch vor Gericht durchzusetzen. Aber: Die Rechtsschutzversicherung bezahlt nicht jeden Rechtsstreit. Deshalb sollten Sie genau prüfen, ob eine Rechtsschutzversicherung für Sie sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze:

Eine Rechtsschutzversicherung erleichtert Ihnen den Zugang zum Recht, macht manch einen Prozess finanziell erst möglich. Sie übernimmt Kosten für Rechtsstreitigkeiten bis zur vereinbarten Versicherungssumme. Aber: Einige wichtige Risiken versichern die Anbieter nicht oder nur unzureichend. Ob eine Rechtsschutzversicherung für Sie sinnvoll ist, sollten Sie deshalb genau prüfen.
Wenn Sie sich für eine Rechtsschutzpolice entscheiden, ist wichtig, dass zum Vertragsbeginn noch kein Rechtsstreit vorliegt oder absehbar ist. Die Ursache für einen Rechtsstreit darf grundsätzlich erst nach Ablauf einer Wartefrist von meistens drei Monaten ab Vertragsbeginn eintreten.

Und: Greifen Sie nicht unbedingt zum Rundumschutz. Mit einzelnen Rechtsschutzpakten wie „Privat“, „Beruf“, „Verkehr“ sowie „Eigentum und Miete“ lässt sich der Versicherungsschutz bedarfsgerecht zusammenstellen.

Kfz-Versicherung

Wer als Fahranfänger die Tarife der Kfz-Versicherung abfragt, bekommt oft einen Schock: Nicht selten übersteigt die Jahresprämie den Wert des ersten Autos. Günstiger wird es, wenn man das Auto (oder Motorrad) die ersten Jahre über Vater oder Mutter (ggfls. als Zweitfahrzeug) versichert – einfach einmal bei der Versicherung nachfragen. Nach einigen (hoffentlich schadensfreien) Jahren meldet man dann den Vertrag einfach um. Tipp: Einige Versicherungen bieten Rabatte für Absolventen eines Fahrsicherheitstrainings (bietet u.a. der ADAC an) – auch hier lohnt eine Nachfrage.

Alles andere kann warten!

Wenig BAföG oder geringes Gehalt als Auszubildender – trotzdem eigenes Geld! Studium und Ausbildung, zumal in Verbindung mit der ersten eigenen Wohnung, bedeuten auch Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. Und natürlich möchten Sie das erste eigene Geld auch ausgeben – in der Regel nicht für weitere Versicherungsprämien oder Sparverträge.

Also: Die (private) Altersvorsorge kann warten! Eine Kapitallebensversicherung kann auch nach durchschnittlich drei Jahren Ausbildung noch abgeschlossen werden, ohne immense Einbußen zu riskieren. Generell ist diese Form der Altersvorsorge mit einigen Nachteilen behaftet: Man bindet sich vertraglich über 30 oder 40 Jahre – meist bis zum Eintritt ins Rentenalter. Bekommt man Probleme, die monatlichen Beiträge zu zahlen, bleibt nur die Möglichkeit, die Versicherung beitragsfrei zu stellen – was sich natürlich negativ auf die Auszahlung auswirkt. Oder man muss sogar kündigen – und bekommt oft weniger heraus, als man eingezahlt hat. Insgesamt also ein unflexibles und inzwischen auch in Bezug auf die Verzinsung nicht sehr attraktives Produkt.

Und eine Risiko-Lebensversicherung ist sowieso nur sinnvoll, wenn bereits eine Familie zu versorgen ist. Besser also, dieses Geld für den Konsum zu nutzen, als sich bereits in jungen Jahren überzuversichern und dringend notwendige Ausgaben über Kredite zu finanzieren! Aber: Spätestens mit 30 ist es Zeit, an die private Vorsorge zu denken – danach wird es nämlich immer teurer, seinen Lebensstandard im Ruhestand sicherzustellen; Stichwort „Zinseszinseffekt“. Mit Riester-Rente und Sparplänen gibt es aber jede Menge auch staatlich geförderter Alternativen zur Lebensversicherung.

Die deutlich attraktivere Alternative ist ein Sparplan auf EFT-Basis.

Mit monatlich 25 oder 50 € lässt sich damit langfristig echtes Vermögen aufbauen. Beispiel gefällig? Wer seit 2004 über 15 Jahre (also bis 2019) monatlich 100 € gespart hat, verfügt über ein Guthaben von fast 40.000 € – entspricht über 9,5 % Rendite. Jede Menge Infos zum Thema ETF gibt es auf www.finanztest.de

Eine sehr gute (allerdings nicht kostenlose) telefonische oder persönliche Beratung zu allen Fragen rund um das Thema Versicherungen bieten die Verbraucherzentralen – im Internet finden Sie unter www.verbraucherzentrale.de die Adressen und Kontaktdaten für jedes Bundesland.

✉ Beitrag per Email versenden